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Im Gespräch | Beitrag vom 20.06.2019

Kabarettist Bodo WartkeKlavierarbeit in Reimkultur

Moderation: Ulrike Timm

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Der Kabarettist Bodo Wartke (Fotograf: Sebastian Niehoff / Reimkultur Musikverlag GbR )
Er ist ein Meister der Reime, nicht der platten, offensichtlichen, sondern der komplizierteren, um die Ecke gehenden: der Kabarettist Bodo Wartke. (Fotograf: Sebastian Niehoff / Reimkultur Musikverlag GbR )

Bodo Wartke brach das Physikstudium ab, um Musik zu machen, und das Musikstudium, um mehr auftreten zu können: Heute ist der Kabarettist mit fünf Programmen parallel unterwegs. Darunter demnächst auch eine Neufassung der "Zauberflöte".

Bodo Wartke spielt Klavier und singt dazu, vor ausverkauften Sälen in der ganzen Republik, die er inzwischen mit der Bahncard 100 durchreist. Schon in jungen Jahren erhielt er den deutschen Kleinkunstpreis.

Er ist ein Meister der Reime, nicht der platten, offensichtlichen, sondern der komplizierteren, um die Ecke gehenden, oftmals beharrlich erbastelten. Diese trägt er so beiläufig wie möglich vor, zur großen Freude seines ständig wachsenden Publikums.

Die eigene Begeisterung fürs Reimen begann schon sehr früh. "Das fing als Kind an. Ich hab mir mit meiner Patentante immer Briefe in Reimform geschrieben. Schon damals bildeten sich gewisse Stilblüten, denen ich immer noch eifrig fröne."

Von der Freude am Primreim

Interessant wird es für ihn bei Worten, auf die sich laut Reimlexikon eigentlich nichts reimt. "Primreime", wie die Berliner Zeitschrift "Zitty" sie nannte, bei deren Primreim-Wettbewerb sich Wartke vor einigen Jahren "eifrigst beteiligte". So verfasste er ein Gedicht mit einem Reim auf das Wort Zwitschern:

Es singt so süß die Nachtigall
mit ihren Liedern macht die al-
len anderen Piepmätzen
etwas vor, so auch jetzt, denn
zwei Spatzen, gar nicht weit,
zerplatzen schier vor Neid -
schon hört man den einen zwitschern:
"Jetzt hör dir diesen Kitsch an!"

Ein Liebeslied auf 80 Sprachen

Seine Lieder umfassen ein breites Spektrum. Von Liebesliedern, über Alltagsbeobachtungen bis zur Gesellschaftskritik ist alles dabei, immer elegant getextet und musikalisch passend eingebettet. Darunter gibt es ein Liebeslied, das er auf Zuruf mittlerweile in 80 Sprachen singen kann. "Das Tolle ist, ‘ich liebe dich’ klingt wirklich in allen Sprachen schön. Und ganz entzückend ist es, wenn Leute aus anderen Ländern im Publikum sitzen."

Bei einem Auftritt in Schweden hatte sich jemand Litauisch gewünscht. "Dass ich als Deutscher Litauisch konnte, also überhaupt weiß, dass es ein Land namens Litauen gibt mit einer eigenen Sprache und die dann auch noch singen kann, da ist denen wirklich die Kinnlade runtergeklappt."

Vom Erfinder zum Künstler

Eigentlich wollte Bodo Wartke mal Erfinder werden – und hat auch schon als Kind etwas erfunden: eine funktionierende Notenbuch-Umblättermaschine. Da lag das nach dem Abitur aufgenommene – und bald darauf wieder abgebrochene – Physikstudium nahe.

Seit der Schulzeit und dem ersten Klavierunterricht gewann die Musik für Wartke immer mehr an Bedeutung. Sein erstes abendfüllendes Konzert mit eigenen Stücken spielte er 1996, im Jahr seines Abiturs, in der Aula seiner Schule in Bad Schwartau.

Trotzdem wollten die Eltern nicht, dass der Sohn Musiker wird. "Wie viele Eltern haben sie sich gewünscht, dass der Junge ‘was Vernünftiges’ macht, was Sinnvolles, was Richtiges", sagt Wartke. "Künstler war in den Augen meiner Eltern kein Beruf, sondern eine gescheiterte Existenz. Die hatten Angst, dass der Junge auf die schiefe Bahn gerät und drogensüchtig und schwul wird, wie die anderen Künstler, und es hat lange gedauert, bis sie ihren Frieden geschlossen haben mit meinem Berufswunsch."

Kabarett über 12-Ton-Musik

Was anfangs nur nebenbei lief, nimmt immer mehr Raum ein.

"Ich war schon lange Kabarettist von Beruf, als ich die Entscheidung getroffen habe, ich möchte Kabarettist von Beruf sein. Ich hatte halt Lust, Lieder zu schreiben und die anderen Leuten vorzusingen. Und die waren plötzlich bereit, dafür Eintritt zu zahlen. Und – zack – konnte ich davon leben. Das hat sich so ergeben."

Das seriös-wissenschaftliche Element hat sich trotzdem nicht ganz aus seinem Leben verabschiedet: Dem Physikstudium folgte ein zwar ebenfalls abgebrochenes aber doch sehr ernsthaft betriebenes Musikstudium. Wartke macht Kabarettstücke über 12-Ton-Musik und Stücke von ihm werden im Musik- und Deutschunterricht behandelt. Auf sein Konto geht eine eigene Ödipus-Bearbeitung mit 1000 Versen, gefolgt von Antigone – einer "Klavierarbeit in Reimkultur".

Aktuell hat Wartke das Libretto von Mozarts Zauberflöte neu geschrieben, was seiner Ansicht nach überfällig war. "Ich finde, dass der Text der Zauberflöte, der ja nicht von Mozart ist, sondern von seinem Kumpel Emanuel Schikaneder, stark zu wünschen übrig lässt und vor allem der musikalischen Vorlage nicht auf Augenhöhe begegnet. Der ist tatsächlich ganz schlecht, nicht gut gereimt, unlogisch, frauenfeindlich und rassistisch und ich finde, das geht besser."

Wie viel besser das geht, wird man demnächst auch bei Auftritten von Bodo Wartke und seinen Mitstreitern hören können.

(mah)

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