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Kompressor | Beitrag vom 13.12.2019

K-Pop in der Krise Leben auf der Perfektionsspur

Eine Sendung von Lotta Wieden

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Die vierköpfige südkoreanischen K-Pop Gruppe Kard beim Bühnenauftritt. (picture alliance / dpa / Sebastian Gollnow)
Mitglieder der südkoreanischen K-Pop Gruppe Kard beim Auftritt des K-Pop "Finger Heart Festival" in Mannheim. (picture alliance / dpa / Sebastian Gollnow)

K-Pop ist sehr angesagt, aber der Blick hinter die Kulissen offenbart echte Abgründe. Die Musikbranche ähnelt damit der südkoreanischen Gesellschaft, die junge Leute einem enormen Leistungsdruck aussetzt.

Drei junge K-Pop-Stars sind in den letzten zwei Monaten gestorben: Sulli (25), Goo Hara (28), Cha In Ha (27), mindestens zwei von ihnen durch Selbstmord. Dass diese Häufung nur ein Zufall ist, glauben inzwischen nicht mal die härtesten Fans der koreanischen Popmusik.

Aber die jüngsten Selbstmorde und Sex-Skandale spiegeln Verwerfungen der südkoreanischen Gesellschaft insgesamt wider. Junge Leute stehen unter einem enormen Leistungsdruck: "Wie in einem Haifischbecken", sagt Isabelle Opitz, Chefredakteurin des K-Pop-Magazins "K*Bang" in Frankfurt am Main.

Kaum Schlaf und viel Konkurrenz

Der an der Universität Bonn lehrende Kulturwissenschaftler Sung Un Gang ergänzt: "Die meisten Schüler geben alles, um es auf eine der renommierten Universitäten zu schaffen, später konkurrieren sie um die besten Jobs." Schon Jugendliche arbeiteten deshalb von früh bis spät, tagsüber in der Schule, anschließend in Nachhilfe-Instituten. Sie seien deshalb verpflichtet um 22 Uhr auch wirklich zu schließen. Zeit für Schlaf bleibe nicht viel, Oberschüler schliefen in der Nacht durchschnittlich nur fünf Stunden. Sung Un hat das als Oberschüler in Seoul selbst miterlebt und lebt heute in Deutschland. 

Die fünfköpfige südkoreanische Girlgroup Itzy beim Eintreffen zur Louis Vuitton Fashionshow in Paris. (Picture alliance / abaca / Berzane Nasser)Die südkoreanische Girlgroup Itzy wird von ihren Fans gefeiert. (Picture alliance / abaca / Berzane Nasser)

Dieser Dauerstress prägt auch die Musikbranche des Landes. Wer dort etwas werden will, muss früh anfangen: Mit zehn, zwölf Jahren bewerben sich jedes Jahr Hunderte von Jungen und Mädchen in eigens dafür veranstalteten Castings bei Plattenfirmen. Wer gut ist, darf an einem Ausbildungsprogramm teilnehmen: Tanzen, Singen, Sprachen (vor allem Englisch, Japanisch plus Mandarin) Schauspielen und Probeaufnahmen. Ein 15-Stunden-Tag ist da normal. Schon während der Ausbildung gibt es strenge Vorgaben zur Ernährung oder zu Aktivitäten im Internet. Selbst das Privatleben der Stars wird von den Labels kontrolliert. So sollten K-Pop-Idole niemanden daten und lieber keine Beziehung eingehen.

Moderation: Max Oppel

(gem)

 

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