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Interview / Archiv | Beitrag vom 25.08.2018

Justus Frantz erinnert sich an Leonard Bernstein "Seine Genialität hat sich keineswegs nur auf Musik erstreckt"

Justus Frantz im Gespräch mit Liane von Billerbek

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Der amerikanische Künstler am 8. Juli 1987 mit dem deutschen Pianisten Justus Frantz (l) in Salzau. Leonard Bernstein war ein erfolgreicher Pianist, Dirigent und Komponist, sein Musical "Westside Story" wurde auch als Film ein Welterfolg. Er wurde am 25. August 1918 in Lawrence (Massachusetts) geboren und ist am 14. Oktober 1990 in New York gestorben. | Verwendung weltweit (dpa)
Der verstorbene Musiker Leonard Bernstein und der Pianist Justus Frantz waren enge Freunde - hier in Salzau 1987 (dpa)

Am 25. August wäre der US-amerikanische Musiker und Komponist Leonard Bernstein 100 Jahre alt geworden. Der Pianist Justus Frantz war eng mit ihm befreundet und erinnert sich an viele gemeinsame Momente voller musikalischer Genialität und Inspiration.

"Leonard Bernstein machte aus den trivialsten Momenten des Tages etwas ganz besonderes", erinnert sich der Pianist Justus Frantz an schöne, gemeinsame Stunden mit dem 1990 verstorbenen Freund. "Seine Genialität hat sich keineswegs nur auf Musik erstreckt", sagte der Gründer und frühere Intendant des Schleswig-Holstein-Musikfestivals im Deutschlandfunk Kultur. Bernstein habe das Leben und jeden Moment geliebt.

Gemeinsame Erlebnisse

"In der Zusammenarbeit mit ihm als Pianist habe ich wunderbare Inspirationen erhalten, die ich in meinem Leben nie vergessen werden", erinnerte sich Frantz an gemeinsame Proben und Konzerte. Allerdings sei Bernstein manchmal so spontan gewesen, dass er einer plötzlichen Eingebung folgte und beispielsweise das Tempo im Konzert völlig veränderte. "Er lebte das Grün eines Waldes und das Licht eines Tages und die Ausstrahlung eines Menschen immer wieder neu und das inspirierte ihn", sagte der Pianist. Bernstein sei jeden Tag ein neuer Mensch gewesen, der Musik als etwas Innovatives erlebt habe.

Der amerikanische Dirigent Leonard Bernstein wagt ein Tänzchen auf dem Wiener Opernball. im Hintergrund verdeckt die Balloganisatorin Christl Schönfeldt. Wiener Staatsoper. 18. Februar 1971. Photographie. | (picture alliance / IMAGNO/Votava)Der Dirigent und Komponist Leonard Bernstein war ein lebensfroher Mensch, der die Gesellschaft suchte. Hier beim Wiener Opernball 1971. (picture alliance / IMAGNO/Votava)

Bernstein habe sich oft in Frantz´ Ferienhaus auf Gran Canaria aufgehalten. Dort sei es nach gemeinsamen Abendessen immer mal wieder dazu gekommen, dass sich der Musiker am späteren Abend an den Flügel setzte. "Dann spielte er plötzlich in einer Solo-Aufführung, spielte und sang er den gesamten Rosenkavalier und das machte er so faszinierend, das war eine der schönsten Aufführungen meines Lebens, die ich vom Rosenkavalier erlebt habe, war ohne Orchester und ohne große Sänger." 

Für die Herzen der Menschen

"Wahrscheinlich objektiv gesehen wäre das nichts für Ihre Mikrophone gewesen, aber für die Herzen der Menschen. Für diesen Moment war das etwas Unglaubliches." Frantz sagte, er bedauere, dass er diese Abende nicht aufgezeichnet habe. "Es ging auch um Fidelio oder es ging um Wozzek – das beherrschte er wirklich auswendig." Diese Abende hätten ein Weltpublikum verdient. (gem)        

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