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Fazit / Archiv | Beitrag vom 15.04.2018

"Junk" von Ayad Akhtar in HamburgEin Wirtschaftsthriller mit wunderbaren Figurenporträts

Christoph Leibold im Gespräch mit Sigrid Brinkmann.

Zwei Schauspieler in der Hamburger Inszenzierung von Ayad Akthars Wirtschaftsthriller "Junk" (Hamburger Schauspielhaus)
Altes Wirtschaftssystem trifft neues: Erich Stötzner (re.) und Samuel Weiss in der Inszenierung von "Junk" am Hamburger Schauspielhaus. (Hamburger Schauspielhaus)

Ayad Akhtars Stück "Junk" ist wie eine Mischung aus Königsdrama und Wirtschaftsthriller - und genauso hat Regisseur Jan Philipp Gloger es am Hamburger Schauspielhaus auch inszeniert. Eine gute Entscheidung, meint unser Kritiker. Auch das großartige Ensemble trage zum Erfolg des Abends bei.

Der Pulitzer-Preisträger Ayad Akhtar ist zur Zeit einer der meistgefragten amerikanischen Dramatiker. "Theater Heute" wählte sein Stück "Geächtet" 2016 zum "Ausländischen Stück des Jahres", im November 2017 erhielt Akhtar für das Werk in Wien den Nestroy-Autorenpreis. Am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg fand die deutschsprachige Erstaufführung von "Junk" statt.

Worum geht es? Ayad Akhtars Wirtschaftsthriller beruht auf den wahren Begebenheiten um den "Junk-Bond-King" Michael Milken, der in den 80er-Jahren, dem "Jahrzehnt der Habgier", den Finanzmarkt irreversibel veränderte und so viel verdiente, wie vor ihm nur Al Capone. Die Entkoppelung des Finanzsektors von der Realwirtschaft, die Milken lostrat, ist verantwortlich für die völlige Entfesselung der Finanzwirtschaft und die daraus resultierenden globalen Wirtschaftskrisen der letzten 30 Jahre. In Akhtars Stück heißt der Protagonist Robert Merkin, Investmentbanker bei "Sacker Lowell".

Kluge Entscheidung

Es sei eine kluge Entscheidung des Regisseurs Jan Philipp Gloger, das Stück zunächst  - eher konventionell - als Wirtschaftskrimi zu inszenieren, findet unser Kritiker Christoph Leibold - mit Musik, die sich bewegt "zwischen CNN-Newsshow und Millionenquiz. Aber er macht das sehr gekonnt". Zumal viel gepokert, geblufft, verhandelt werde - mit wenig äußerer Handlung, also eine Herausforderung für das Theater.

Der Vergleich mit einem Köngisdrama sei bei Akhtars Stück durchaus angebracht: Es gehe um einen Kampf der Systeme - ein altes Wirtschaftssystem kämpfe mit einem neuen. Und bei all dem sei das Stück "Schauspielerfutter - und es gelingen in diesem wirklich insgesamt großartigen Ensemble, das gut geführt ist von Gloger, wunderbare Figurenporträts."

"Junk" von Ayad Akhtar, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, weitere Vorstellungen:
19. April, 23. April, 29. April jeweils 20 Uhr

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