Hörspielmagazin, vom 15.02.2019

Jürgen M. Thie im DREIERPACKHörStücke eines sokratischen Nicht-Wissers

Von Klaus Pilger

Der Feature-Autor Jürgen M. Thie hat schon zu Beginn des digitalen Zeitalters die Rollen als Autor, Regisseur und Toningenieur in Personalunion perfekt ausgefüllt. Auch wenn seine Sendungen "nichts für Autofahrer oder Geschirrspüler sind", wie er selbst glaubt, so sind sie trotzdem höchst unterhaltsam.

Radiomacher, Feature-Autor, Toningenieuer und mehr in Personalunion: Jürgen M. Thie (Deutschlandradio / Klaus Pilger)
Radiomacher, Feature-Autor, Toningenieur und mehr in Personalunion: Jürgen M. Thie (Deutschlandradio / Klaus Pilger)

Jürgen M. Thie, 1947 in Köln geboren, hat Theater, -Film- und Fernsehwissenschaften studiert und wollte eigentlich einmal Filmemacher werden.  Aber aus ihm ist dann ein begnadeter "Radiomacher" geworden. "Viel besser als Filmemacher, da ich meine Kreativität im Gegensatz zum Film völlig autonom austoben konnte, ohne Team und völlig frei", sagt Thie heute zurückblickend.

Viele seiner aufwendigen Klang-Collagen oder "HörStücke", wie er sie nennt, liefen in den vergangenen Jahrzehnten im Deutschlandfunk auf dem Programmplatz "Freistil". Die komplexen Collagen bestehen in der Regel aus hundert oder noch mehr Einspielungen auf acht bis zehn Tonspuren. Jürgen M. Thie ist einer der wenigen, der schon ganz zu Beginn des digitalen Radiozeitalters in Personalunion die Rollen als Autor, Regisseur und Toningenieur perfekt ausfüllte.

Diese Stücke sind höchst unterhaltsam

Radiosendungen so zu machen, wie er sie selbst gerne hören möchte, das war stets sein Ziel: "Intellektuelles sollte mit Sinnlichem verschmelzen, sollte eine Symbiose zwischen Kopf und Bauch herstellen". Seine HörStücke sind assoziativ gestaltet und verlangen ein bewusstes Zuhören, "nichts für Autofahrer oder Geschirrspüler" wie es Jürgen M. Thie einmal ausdrückte. Und trotzdem sind diese Stücke höchst unterhaltsam.

Der Radiomacher schuf einstündige Sendungen zum Beispiel über James Ellroy, Stanley Kubrick, Michael Nyman, Romy Schneider, die Artusepik, Künstliche Menschen, Kryptologie, Labyrinthe und die Erotik der Stimme.

Thie: ein sokratischer Nicht-Wisser

Wer hat ihn inspiriert bei seiner Arbeit? "Jean-Luc Godard, Peter Greenaway, die Beat Generation, die Nouvelle Vague, Bob Dylan und Albert Camus". Und wie sieht er sich heute? "Ich bin ein sokratischer Nicht-Wisser, der an Chaos, Evolution und Schwarze Materie glaubt".

Drei von Jürgen M. Thies schönsten HörStücken werden als DREIERPACK an drei Märzsonntagen bei "Freistil" ausgestrahlt. In "Von Kopf bis Fuß" aus dem Jahr 2001 präsentiert Thie  am 10. März "Das Gesamtkunstwerk Marlene Dietrich". Am 17. März ist "Gefallene Engel" zu hören, seine Hommage an "Die flüchtige Ekstase der Beat Generation" von 1999. Und schließlich geht es am 24. März um böses Blut: In "Serienkiller Superstar" aus dem Jahr 2008 schuf Thie "Aufzeichnungen  über ein obskures Objekt der Begierde".

Von Kopf bis Fuß Das Gesamtkunstwerk Marlene Dietrich

Die flüchtige Ekstase der Beat Generation Gefallene Engel

Aufzeichnungen über ein obskures Objekt der Begierde Böses Blut - Serienkiller Superstar