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Das Blaue Sofa / Archiv | Beitrag vom 14.10.2017

Jürgen Kaube: "Die Anfänge von allem"Wie der Fortschritt seinen Anfang nahm

Jürgen Kaube im Gespräch mit Thorsten Jantschek

(Foto: picture alliance/dpa / Cover: Verlag Rowohlt Berlin)
Seit wann und warum gibt es den aufrechten Gang? (Foto: picture alliance/dpa / Cover: Verlag Rowohlt Berlin)

Sprache, Schrift, Geld oder aufrechter Gang - in seinem Buch "Die Anfänge von allem" spürt der FAZ-Herausgeber und Autor Jürgen Kaube den Ursprüngen kultureller und sozialer Errungenschaften nach. Und präsentiert überraschende Erkenntnisse.

"Wir sind nicht die Krone der Schöpfung. Wir sind merkwürdig", schreibt Jürgen Kaube. In seinem neuen Buch "Die Anfänge von allem" nimmt der FAZ-Herausgeber und Börne-Preisträger die Ursprünge sozialer und kultureller Errungenschaften wie Sprache, Schrift, Geld oder den aufrechten Gang unter die Lupe.

"Wenn man sich beschäftigt mit diesen verschiedenen Anfängen sozialer Errungenschaften, kommt man meistens auf Ergebnisse, die man überhaupt nicht erwartet hat", so Kaube im Deutschlandfunk Kultur. "Also, es ist sehr überraschend, was die Menschheit macht. Es ist sehr unwahrscheinlich."

Warum brauchte der Mensch den aufrechten Gang?

Schon der aufrechte Gang sei ein ganz unwahrscheinlicher Vorgang gewesen, sagt der FAZ-Herausgeber. "Es ist zunächst einmal biologisch überhaupt nicht einzusehen, warum ein Wesen mehrere Millionen Jahre lang umgebaut wird in seiner Anatomie. Ja, wofür? Um die Hände freizubekommen?"

Jürgen Kaube, Man mit Brille und vor grüner Wand, in die Kamera blickend. (dpa/picture alliance/Arno Burgi)Der Journalist Jürgen Kaube, einer der Herausgeber der FAZ (dpa/picture alliance/Arno Burgi)

Oder die Sprache: "Warum investiert die Natur in Wesen, die artikulierte Laute von sich geben sollen? Was ist die Pointe davon?", fragt Kaube. Zu dieser Frage gibt es in der Forschung unterschiedliche Motive. Zum einen: "Wer Laute von sich geben kann, der kann täuschen. Der kann zum Beispiel durch tiefe Artikulation sich größer machen, als er eigentlich wirklich ist."

Eine andere Theorie sehe dagegen in der Sprache eine ursprünglich vertrauensbildende Maßnahme. "Ein englischer Forscher, der, wenn man es kurz fasst, sagt: Das Sprechen ist etwas Ähnliches wie das Lausen der Affen. Sie helfen sich gegenseitig! Sie streichen sich über das Fell. Es ist eine Art Kontaktpflegesystem die Sprache. Eine sehr, sehr interessante Theorie."

Die Sprache als Motor der menschlichen Entwicklung

So wie die menschliche Entwicklung viel Fahrt aufgenommen habe, nachdem der aufrechte Gang erreicht worden sei, sei auch die Sprache "der erste Motor für ganz, ganz viel", betont Kaube. "Und der nächste ist dann eigentlich die Schrift."

Auch was deren Ursprung angehe, hat der Autor interessante Einsichten zu bieten. Denn Schrift sei nicht einfach verschriftliche Sprache, wie häufig angenommen: "Schrift war einfach ein Merkposten", sagt Kaube. In Mesopotamien gab es Tempel, diese Tempel hatten Beamte oder Priester, das kann man gar nicht unterscheiden, und da wurde eingeliefert, Abgaben. Und die ersten Schriftzeichen sind Schriftzeichen für Zahlen, Maßeinheiten und Warentypen: Vier Liter Öl!" Erst später sei man auf die Idee gekommen, dass man diese Zeichen auch dazu verwenden könne, um gesprochene Worte mitzuteilen. (uko)

Jürgen Kaube: "Die Anfänge von allem"
Verlag Rowohlt Berlin 2017
400 Seiten, 24,95 Euro

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Aus den Feuilletons - Geplauder von der Buchmesse
(Deutschlandfunk Kultur, Kulturpresseschau, 14.10.2017)

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