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Aus der jüdischen Welt | Beitrag vom 18.06.2021

Jüdisches Kindermuseum Anoha"Dieser Ort ist wirklich magisch"

Carsten Dippel im Gespräch mit Miron Tenenberg

Zwei Kinder und ein Spiel-Orang-Utan in der Kinderwelt des Jüdischen Museums Berlin. (Jüdisches Museum Berlin / Yves Sucksdorff   )
Die Kinder sollen den Mythos rund um die Arche Noah spielerisch erfahren. (Jüdisches Museum Berlin / Yves Sucksdorff )

Am 27. Juni öffnet die "Kinderwelt" des Jüdischen Museums Berlin seine Tore. Dort steht auch eine stilisierte Arche Noah. Drumherum tummeln sich rund 150 Tiere - jedes ein von Künstlern gestaltetes Unikat. Das Spielen mit ihnen ist ausdrücklich erwünscht.

Miron Tenenberg: Was erwartet die Kinder zur Eröffnung?

Carsten Dippel: Eine riesige Welt zum Entdecken. Da ist eine begehbare Arche Noah - die ist wirklich richtig groß, sieben Meter hoch und 28 Meter im Durchmesser. Eine wunderbare Welt aus Holz, und darin und davor sind diese 150 Tiere, alle individuell gestaltet, ganz farbenfroh. Man hat das Gefühl, dass die Künstler, die das gestaltet haben, einmal über den Flohmarkt gegangen sind und aus den unterschiedlichsten Objekten diese Tiere geschaffen haben.

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Es ist verblüffend, wie genau man diese Tiere hinbekommen hat. Die sind zusammengeschraubt aus einer alten Ledertasche und einer Holzleiter und Teppich und einem Schuh und allen möglichen Elementen. Trotzdem ist es so, dass die Tiere Originalgröße haben und man sie wirklich erkennen kann. Das Kamel sieht wirklich nach Kamel aus, der Elefanten sieht nach Elefant aus, auch die kleine Schnecke sieht nach Schnecke aus. Da ist schon jedes Tier an sich eine Welt zum Entdecken. Ja, der Ort ist einfach richtig magisch.

Tenenberg: Wenn Sie von dieser überdimensionierten Arche sprechen, frage ich mich, wo diese im Jüdischen Museum überhaupt Platz gefunden hat? 

Dippel: Es gibt gegenüber dem Jüdischen Museum eine Akademie, die zum Museum gehört. Hinter dieser Akademie ist eine von außen betrachtet völlig unscheinbare, riesige Halle. Das war mal die Blumengroßmarkt-Halle, ein Betonbau, brutalistische Architektur, und darin ist diese Arche Noah jetzt gepflanzt worden. Von außen nimmt man das gar nicht wahr, und wenn man dann reinkommt, denkt man "Wow!".

Die Arche bleibt

Tenenberg: Und ist das nur ein vorübergehendes Projekt oder als Dauerausstellung konzipiert? 

Dippel: Das ist dauerhaft, fest installiert. Das ist ein eigenes Haus sozusagen, es wird vielleicht mal hier und da auch etwas ausgewechselt werden, aber die Arche, die ist fest verpflanzt.

Tenenberg: Sie haben von den vielen Tieren gesprochen und der Arche, was können die Kinder darin machen? Was ist denn das Besondere an dieser Kinderausstellung? 

Dippel: Zum einen können sie da einfach reingehen und sich wirklich austoben. Es ist alles begehbar, es ist alles zum Anfassen gemacht, sie können ganz, ganz viel entdecken. Sie können mit den Tieren spielen. Sie können Fragen stellen, es wird an verschiedenen Orten innerhalb dieser Arche sogenannte "Anohis" geben, das sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses, die die Kinder begleiten und auf Fragen eingehen können, die auch die Geschichte der Arche Noah erzählen. 

Tenenberg: Zwei Jahre lang haben die 15 Künstlerinnen und Künstler an diesen Tieren gebaut. Aber Hand aufs Herz, wenn Kinder mit Museumsstücken spielen, dann wird doch da regelmäßig auch etwas zu Bruch gehen. Wie hat denn das Museum dafür vorgesorgt, dass es nicht irgendwann weniger Tiere gibt? 

Dippel: Gute Frage. Jetzt ist alles noch frisch und neu, auch das Holz ist noch ganz hell, diese Tiere sind sehr filigran gestaltet. Natürlich wird da auch etwas zu Bruch und kaputt gehen, das ist ganz klar. Da wird mal ein Eselsohr abgerissen werden, auch mal ein Schuh nicht mehr in der Halterung sein. Aber das Museum hat sich darauf eingestellt, die Kinder sollen damit umgehen. Die sollen und dürfen damit spielen. Das Museum hat einen extra großen Etat dafür bereitgestellt, einen Wartungsetat, in der Hoffnung, dass der dann ausreicht. Das heißt, man hat das gewissermaßen schon eingepreist, das es Reparaturen geben wird. 

Tenenberg: Das heißt, es gibt keine Duplikate?! 

Veränderung gehört zum Konzept

Dippel: Es gibt keine Duplikate! Es sind wirklich alles komplette Einzelstücke. Es gibt Tiere, die doppelt vorkommen, aber auch die sehen jeweils verschieden aus. Wenn etwas kaputt geht oder verschwindet, wird es ersetzt werden, aber es wird dann anders aussehen - und das, finde ich, hat auch einen besonderen Reiz, weil das nochmal auf eine gewisse Weise lebendiger wirkt. Das Museum wird sich so verändern. 

Tenenberg: Für welches Alter ist das denn gedacht? 

Dippel: Gedacht ist es für die Drei- bis Zwölfjährigen, das ist die Kernzielgruppe. Aber natürlich ist es offen für alle, man kann auch als Erwachsener dahingehen.

Tenenberg: Ein modernes Kinderprogramm nimmt ja heutzutage auch die Eltern und Erziehenden mit. Hat Ihnen die Ausstellung denn auch aus der Erwachsenenperspektive gefallen?

Dippel: Absolut. Ich war wirklich angetan davon. Natürlich können auch die Erwachsenen viel erfahren. Zum einen, weil es zum Anschauen einfach schön ist, man fühlt sich wohl, mit diesen ganzen warmen Holztönen. Das ist eine sehr schöne Atmosphäre. Und natürlich kann man sich auch als Erwachsener nochmal mit der Geschichte der Arche Noah auseinandersetzen.

Anoha - Die Kinderwelt des Jüdischen Museums Berlin
Fromet-und-Moses-Mendelssohnplatz 1, 10969 Berlin
Weitere Informationen: anoha.de
 

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