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Aus der jüdischen Welt | Beitrag vom 13.09.2019

Jüdischer Podcast "anti & semitisch"Kitsch ist ein Zeichen von Normalität

Chajm Guski im Gespräch mit Gerald Beyrodt

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Kippas mit bunten Mustern vor einem Laden in Jerusalem. Am Ständer hängt ein Schild mit der Aufschrift: "We make names on your Kippa." (Gerald Beyrodt)
Kippas: Wenigstens hier ist ein bisschen jüdischer Kitsch zu finden. Chajm Guski wünscht sich davon mehr. (Gerald Beyrodt)

Jüdische Musik, jüdisches Museum, jiddische Wörter: All das spießt der Podcast „anti & semitisch" auf. Und auch Kitsch wird hier zum Thema: Analog zu Christbaumkugeln und Osterhasen bräuchten Juden mehr Kitschartikel, sagt Podcaster Chajm Guski.

Chajm Guski mag keine Klezmer-Musik. Der Podcast "anti & semitisch" beginnt mit einigen Klarinettenklängen, dann sagt der Blogger: "Orr, mach das aus, bitte."

Juna Grossmann und Chajm Guski haben den Judentums-Klischees den Kampf angesagt. Am Anfang jeder Folge arbeiten sie sich an einigen jiddischen Wörtern wie Chuzpe oder Mischposche ab. Wörter, die nicht-jüdische Hörer erwarteten: "Wir wollen Erwartungen enttäuschen", sagt Guski.

Ein Podcast als elektronischer Stammtisch

Dann kommen die Podcaster zum eigentlichen Inhalt. Der Podcast möchte ein "elektronischer Stammtisch" sein. Die Kenntnis hebräischer Wörter setzen die Blogger voraus. "Ich höre immer wieder von jüdischen Gesprächspartnern, dass es schwierig ist, wenn man im Gespräch immer wieder sich und Dinge erklären muss. Und dass es einfacher ist, wenn man untereinander spricht, wenn das Gespräch einfach fließt", sagt Guski.

Chajm Guski bloggt aus jüdischer Perspektive. (Chajm Guski )Chajm Guski bloggt aus jüdischer Perspektive (Chajm Guski )

Von der Mehrheitsgesellschaft erwarte er "ein bisschen Empathie", mehr nicht. Doch Antisemitismus sei der Mehrheitsgesellschaft oft egal, beklagt er. Das Problem werde kleingeredet. Juden, die von antisemitischen Erlebnissen berichteten, bekämen oft von Bekannten zu hören: "Ach, das glaube ich nicht." Oder: "Das hast du falsch verstanden."

Chajm Guski: "Es gibt das geflügelte Wort oder den Kalauer vom Mann, der zum Psychologen geht und sagt: 'Niemand nimmt mich ernst.' Und der Psychologe: 'Ach, das glaube ich nicht.'"

In der aktuellen Folge von "anti & semitisch" geht es nun um jüdischen Kitsch – um jüdische Aquivalente zu Osterhasen, Christbaumkugeln und Lametta. Guski findet, Juden in Europa bäuchten definitiv mehr Kitsch-Artikel. Denn:

"Kitsch ist ein Zeichen von Normalität, dass man ganz normal seine Religion und sein Brauchtum überall leben kann. Das sollte man ganz normal überall einkaufen können. Kann man aber nicht."

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