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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.12.2019

Juan Moreno wird "Journalist des Jahres" "Journalismus ist ein Fundament der Demokratie"

Juan Moreno im Gespräch mit Vladimr Balzer

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Der Journalist Juan Moreno wurde zum Journalisten des Jahres 2019 gewählt. (picture alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB)
Journalist des Jahres 2019: Juan Moreno. (picture alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB)

Reporter Juan Moreno ist von der Zeitschrift "Medium Magazin" zum "Journalisten des Jahres" 2019 gewählt worden. Moreno entlarvte den notorischen Betrüger Claas Relotius, der jahrelang Artikel im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" gefälscht hatte.

Juan Moreno, der selbst überwiegend für den "Spiegel" arbeitet, war Relotius bei dessen Fälschungen von Artikeln auf die Schliche gekommen, als er an einer gemeinsamen Recherche mit Relotius arbeitete. Ausgezeichnet wurde er von  einer 100-köpfige Fachjury.

"Ich muss ehrlich sagen, ich freue mich darüber aufrichtig", so Moreno.

Relotius hat Branche erschüttert

"Der Fall Relotius hat ein Erdbeben für viele in der Branche bedeutet", sagt Moreno. Relotius habe dem Journalismus, der es ohnehin schwer habe, einen "Bärendienst erwiesen."

"Die Leichtigkeit mit denen ich früher den Fake-News-Krakeelern entgegen getreten bin, fehlt", sagt Moreno. Journalisten würden immer wieder der Lüge bezichtig und die wenigsten würden bei Relotius an den einen Hochstapler denken, sondern ihn mit allen anderen Journalisten gleichsetzten. "Es ist nicht selbstverständlich, dass man als Journalist lügt", so Moreno.

Sparzwang bringt keine Qualität

In der Branche sei nach Relotius viel über Richtlinien und Kontrollen debattiert worden, eine wichtige Konsequenz habe allerdings gefehlt: "Wir müssen in Qualität investieren und das geht nur, in dem man in die Menschen investiert, das ist nicht passiert", bemängelt Moreno. Sparzwänge der Verlage würden nicht zu mehr Qualität im Journalismus führen. Dabei sei guter Journalismus wichtiger den je.

"Der Journalismus ist ein Fundament der Demokratie", erklärt Moreno. Aktuell würden oft Debatten geführt, bei denen selbst Fakten infrage gestellt werden. "Dem kann man am Ende nur mit gutem Journalisten begegnen und der Überzeugungsarbeit, dass es Fakten gibt und die müssen eine Basis für die Diskussion sein."

Moreno hatte über den Fall Relotius ein Buch geschrieben. Relotius bezichtigte daraufhin Moreno als Lügner. "Mich mit ihm zu vergleichen, halte ich für absurd", sagt Moreno. Eine Klage gegen ihn sei bisher noch nicht eingereicht worden.

Der Journalist Claas Relotius wird am 27.03.2014 mit dem CNN Award 2014 in der Kategorie" Print" im Rahmen einer Gala im Künstlerhaus am Lenbachplatz in München (Bayern) ausgezeichnet. Eine Jury aus Vertretern der deutschsprachigen Medienlandschaft wählt die besten Beiträge aus den Kategorien TV, Radio, Print, Online und Foto und kürt den "Journalist of the Year 2014". (dpa / picture alliance / Ursula Düren)Claas Relotius wurde für seine Reportagen vielfach ausgezeichnet. Dann kam raus, dass viele seiner Texte gefälscht waren. (dpa / picture alliance / Ursula Düren)

Der "Spiegel" hatte den Betrugsfall im eigenen Haus im Dezember 2018 öffentlich gemacht. Der vielfach mit Preisen ausgezeichnete Relotius gab nach internen Nachforschungen Fälschungen zu und verließ das Haus. Der undotierte Preis "Journalistinnen und Journalisten des Jahres" wird seit 2004 vom "Medium Magazin" in mehreren Kategorien verliehen. Die Preise werden am 17. Februar 2020 in Berlin verliehen.

(nho)

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