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Konzert / Archiv | Beitrag vom 15.06.2017

Joyce DiDonato und Ludovic Morlot bei den Berliner PhilharmonikernGans, Schlange und Vogel

Live aus der Philharmonie Berlin

Der Dirigent Ludovic Morlot (Sussie Ahlburg/DSO Berlin)
Der Dirigent Ludovic Morlot (Sussie Ahlburg/DSO Berlin)

Paris war früher häufiger europäische Hauptstadt der Musik. Die größten Schritte nach vorn lösten zumeist Ausländer aus wie Igor Strawinsky. Aber auch Einheimische wie Hector Berlioz und Maurice Ravel sorgten für Schwung. Daran erinnern die Berliner Philharmoniker mit ihrem Programm, das Ludovic Morlot als Debütant dirigiert. Joyce DiDonato singt Berlioz' "La mort de Cléopâtre". Den Abend eröffnet Maurice Ravels "Ma mère l'oye" - der zweite Teil ist allein Strawinskys Ballettmusik "Der Feuervogel" vorbehalten.

Märchenhaft gestaltet sich der gesamte Abend - und Märchen sind bekanntlich grausam. So fand die hellenistisch-ägyptische Königin Kleopatra ein böses Ende, weil ihr die römische Politik eine Beziehung zum geliebten Antonius untersagte. Ihr Freitod durch Schlangengift ist ein literarischer Topos und hat den jungen ehrgeizigen Komponisten Berlioz zu einer sehr ausdrucksstarken und damals revolutionär wirkenden "Lyrischen Szene" inspiriert. In der Berliner Philharmonie wird die US-amerikanische Mezzosopranistin Joyce DiDonato den Part der leidenden, dennoch aufrechten Königin singen. 

Und im Märchen spielen häufig Tiere eine Hauptrolle - neben der Mutter Gans (Ma mère l'oye) in Maurice Ravels Musik für Kinder, die er später zu einer Ballettmusik ausgebaut hat, ist es der sagenhafte Feuervogel aus dem alten Russland, der Musikgeschichte geschrieben hat. Nicht allein durch seine wunderbare Ausstrahlung, sondern weil sich ein begabter Komponist geehrt fühlte, einen Kompositionsauftrag anzunehmen, der eigentlich für einen gestandenen älteren Kollegen gedacht war. Mit dem Feuervogel begann die legendäre Trias der Diaghilew-Ballette Igor Strawinskys (Feuervogel, Petruschka und Frühlingsopfer), die das Pariser Musikleben und die Entwicklung der gesamten Musikkultur auf den Kopf stellten. Spätestens seitdem galten Skandal, Erfolg und musikalische Relevanz als unveränderliche Dreifaltigkeit. Heutzutage sind die Ballette Strawinskys konzertante Dauerbrenner, lassen sich skandalfrei genießen und geben doch einen Eindruck von der Genialität ihres musikalischen Schöpfers.

Für den erkrankten kanadischen Dirigenten Yannick Nézet-Séguin ist bei den Berliner Philharmonikern kurzfristig Ludovic Morlot eingesprungen. Er hat 2008 sein Debüt im Deutschlandradio Kultur in der Philharmonie gegeben und war seitdem mehrfach in der Bundeshauptstadt zu Gast, beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und beim Deutschen Symphonie-Orchester. Nun ist er also spontan zu seinem ersten Gastspiel bei den Philharmonikern eingeladen worden. Er ist noch bis zur nächsten Saison künstlerischer Leiter der Seattle Symphony in Washington State und mit seinen 43 Jahren und seiner großen Erfahrung kein "junger Debütant" mehr bei diesem Orchester. Aber andere Dirigenten waren deutlich älter, als sie das erste Mal von den Berliner Philharmonikern eingeladen wurden.

Live aus der Philharmonie Berlin

Maurice Ravel
"Ma mère l’oye", Suite für Orchest

Hector Berlioz
"'La mort de Cléopâtre", Scène lyrique für Mezzosopran und Orchester

ca. 20.50 Uhr Konzertpause, darin: Mascha Drost im Gespräch mit Joyce DiDonato

Igor Strawinsky
"L’oiseau de feu" (Der Feuervogel), vollständige Ballettmusik

Joyce DiDonato, Mezzosopran
Berliner Philharmoniker
Leitung: Ludovic Morlot

Surround Sound - Dolby Digital 5.1

Konzert

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