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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 24.05.2017

Journalistin Greta Taubert"Wir haben alles, nur eines nicht – Zeit"

Moderation: Katrin Heise

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Die Autorin und Reporterin Greta Taubert (Stephan Pramme)
Die Autorin und Reporterin Greta Taubert hat zuletzt "Im Club der Zeitmillionäre" veröffentlicht. (Stephan Pramme)

Die Autorin und Reporterin Greta Taubert ist immer auf der Suche nach außergewöhnliche Geschichten. Zuletzt hat Taubert "Zeitmillionäre" getroffen, Menschen, die ein anderes Verhältnis zur Zeit haben als die meisten von uns.

Die Autorin und Reporterin Greta Taubert ist immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Geschichten. Zuletzt hat Taubert "Zeitmillionäre" getroffen, Menschen, die ein anderes Verhältnis zur Zeit haben als die meisten von uns. Es geht ihnen darum, dem Zeit-Diktat unserer durchgetakteten Gesellschaft zu entkommen:

"In unserer Gesellschaft ist eigentlich alles vorhanden, wir haben alles was wir brauchen. Nur eines haben wir nicht und das ist – die Zeit. Und wenn wir darüber sprechen wollen, wie wir eigentlich unser Leben ökologischer, sinnvoller, glücklicher gestalten können, dann ist das genau der entsprechende Hebel, an dem wir ansetzen können."

Zeit zu haben oder sich zu nehmen als wichtige Ressource, als Reichtum nicht nur für den Einzelnen:

"Das ist das interessante an der Währung Zeit, dass sie dann mehr wird, wenn man sie mit anderen teilt."

Was mache ich eigentlich als gelerntes Wohlstandskind?

Zuvor hatte Greta Taubert einen radikalen Selbstversuch gewagt: Wie können Menschen nach einer Katastrophe, dem Zusammenbruch unserer Zivilisation überleben, ohne Geld, ohne Konsum? Sie suchte die Apokalypse:

"Am Anfang ging es mir darum selbst rauszufinden, was passiert eigentlich, wenn diese Strukturen des 'alles immer haben Könnens' vielleicht irgendwann nicht mehr da sind? Was mache ich dann eigentlich als gelerntes Wohlstandskind?"

Was sie dabei fand, war der Reichtum der Gemeinschaft. Denn nur gemeinsam, so ihre Erfahrung, nur in solidarischen Gruppen sind wir stark, etwa wenn wir unsere Nahrung wieder selbst erzeugen oder erjagen müssen.

Als gelernte Reporterin bereiste Greta Taubert Orte, an die die meisten Menschen nie gelangen. Sie berichtete von Kinderhändlern in Äthiopien und Blutrache-Häusern in Albanien, sie besuchte Transsexuelle in Serbien und begleitete radikale Tierrechtler in Deutschland bei ihren Aktionen am Rande der Legalität.

Greta Taubert schreibt für Publikationen wie "Die Zeit", "Vice" und das "SZ-Magazin" - ihre Arbeitsmethode orientiert sich an Vorbildern wie Hunter S. Thompson, der als sogenannter Gonzo-Journalist versuchte, ohne jede Distanz zu berichten. Mit extremer Nähe zu den Menschen und außergewöhnlich intensiver Teilhabe am Geschehen gewinnt Greta Taubert Erkenntnisse, die anderen Reportern fremd bleiben.

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