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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 15.04.2020

Journalistin Elisabeth NiejahrWie der Shut-Down der Demokratie gefährlich werden kann

Elisabeth Niejahr im Gespräch mit Anke Schaefer

Ein Mensch im Kapuzenpulli sitzt vor einem Computerbildschirm. (imago / Panthermedia / master1305)
Menschen, die in der Coronakrise viel Zeit einsam vor dem Computer verbringen, könnten Opfer extremistischer Agitation werden, warnt Elisabeth Niejahr. (imago / Panthermedia / master1305)

In der Coronakrise verbreiten sich auch Verschwörungstheorien und extremistisches Gedankengut. Die Journalistin Elisabeth Niejahr sieht darin eine Gefahr für die Demokratie: Man dürfe die Mobilisierung, die im Netz stattfinde, nicht unterschätzen.

Auch für die Demokratie ist die Coronapandemie ein Stresstest. Die Journalistin Elisabeth Niejahr denkt in diesem Zusammenhang allerdings weniger an Grundrechtseingriffe durch die Anti-Coronamaßnahmen der Regierung als an das Potenzial, das die Krise Extremisten und Populisten bietet.

Potenzial für Extremisten und Populisten

"Ich glaube, die eigentliche Gefahr liegt darin, dass wir die Mobilisierungen, die im Moment im Netz stattfinden, unterschätzen", sagt Niejahr und beruft sich beispielsweise auf Warnungen der Sicherheitsbehörden, dass Extremisten derzeit etwa auf Gamer-Plattformen ihr Gedankengut verbreiteten - "die sozusagen hijacken und das ausnutzen, dass im Moment mehr Menschen als sonst jemals wahrscheinlich einsam vor dem Computer sitzen und auch anfällig für solche Agitation sind", so die Journalistin.

Coronavirus-NewsletterImmer auf dem neuesten Stand: Abonnieren Sie den Coronavirus-Newsletter.Auch vor Verschwörungstheorien über den Ursprung des Coronavirus und der Pandemie warnt die Journalistin: Dass sie von vielen geglaubt würden, finde sie erst einmal nicht erstaunlich, weil es ja auch viele Fantasyfilme gebe, die genau solche Plots hätten.

Demokratie braucht Vertrauen

"Ich weiß auch nicht, ob alle Leute hundertprozentig das für richtig halten, total davon überzeugt sind. Aber es reicht ja schon, das für im Rahmen des Möglichen zu halten und ein bisschen zu raunen", erklärt Elisabeth Niejahr. Das sei insofern gefährlich, als Demokratie nur funktionieren könne, wenn es ein Grundvertrauen zu den Handelnden und den Institutionen gebe.

(uko)

Elisabeth Niejahr ist seit 2019 Co-Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Zuvor war sie Chefreporterin der "Wirtschaftswoche" und Hauptstadtkorrespondentin der Wochenzeitung "Die Zeit". Niejahr studierte Volkswirtschaft in Köln und Washington, parallel dazu verlief ihre Ausbildung an der Kölner Schule für Wirtschaftsjournalisten. Sie schreibt vor allem über Demografie, Arbeit, Gender und Fragen der politischen Kultur.
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