Seit 15:05 Uhr Tonart
Freitag, 14.05.2021
 
Seit 15:05 Uhr Tonart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 03.01.2020

Journalist über Iran-USA-Konflikt"Voll gegen die Wand gefahren"

Amin Farzanefar im Gespräch mit Marietta Schwarz

Ein Graffiti in Teheran zeigt eine Waffe in amerikanischen Farben mit verbogenem Lauf. (picture alliance/Anton Bystrov/Sputnik/dpa)
Graffiti vor der ehemaligen US-Botschaft in Teheran (picture alliance/Anton Bystrov/Sputnik/dpa)

Die Tötung von General Soleimani durch die USA habe auch Auswirkungen auf die Kulturszene im Iran, sagt der Journalist und Film-Kurator Amin Farzanefar. Dort noch bestehende Hoffnungen auf eine Beruhigung des Konflikt seien nun zerstört worden.

Drei Tage Staatstrauer hat das iranische Regime angeordnet, nachdem General Soleimani bei einem US-amerikanischen Raketenangriff in Bagdad getötet wurde.

"Vor allen Dingen bedeutet das, dass auch viele Kulturaktivitäten nicht stattfinden dürfen. Theater, Galerien, Kinos haben überwiegend geschlossen", sagt Amin Farzanefar, Journalist und Kurator mit Schwerpunkt Film, der in Deutschland lebt, aber regelmäßig in den Nahen Osten reist.

Der Autor und Programmkurator des iranischen Filmfestival Köln Amin Farzanefar lächelt in die Kamera. (Horst Galuschka/dpa)Trotz aller Schwierigkeiten gebe es im Iran eine lebendige Kulturszene, sagt der Journalist Amin Farzanefar. (Horst Galuschka/dpa)

Einige Kulturschaffende hätten Soleimani tatsächlich sehr nahe gestanden, sagt Amin Farzanefar: "Diejenigen, die dem Regime opportune Filme, beispielsweise über den Iran-Irak-Krieg gedreht haben." Oder in letzter Zeit Spiel- und Dokumentarfilme über den Kampf gegen den IS in Syrien.

Iranische Kulturszene erlebt ein Auf und Ab

Auf der anderen Seite gebe es aber auch Filmemacher, die sich selbst als unabhängig bezeichnen und "auch mal den Finger in Wunden legen", berichtet Farzanefar. Zensur sei aber immer ein Thema: "Die iranische Kulturszene hat ein Auf und Ab von Engstellung der Räume, von schwärzesten Zeiten und dann wieder auch Reform-Zeiten erlebt." 

Das Nuklear-Abkommen hatte Hoffnungen geweckt. "Und die ist jetzt voll gegen die Wand gefahren", sagt Amin Farzanefar. Die Tötung Soleimanis werde nicht zur Beruhigung der Lage beitragen. "Das kann nur nach hinten losgehen, das kann nur in Richtung Konfrontation wirken", betont der Film-Kurator.

"Eine Zivilgesellschaft in Bewegung"

Ungeachtet aller Schwierigkeiten gebe es im Iran eine "lebendige, pluralistische" Kulturszene. "Wir haben Trends, wir haben eine Zivilgesellschaft in Bewegung. Der Iran steht jetzt ganz woanders als vor zehn, wenn nicht gar vor 40 Jahren, jenseits aller politischen Ereignisse", meint Amin Farzanefar.

(beb)

Mehr zum Thema

Politologe zur Tötung von iranischen Topgeneral - Das war "eine Kriegserklärung"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 03.01.2020)

Eskalation zwischen Iran und USA - Eine bitterernste Drohung an den Westen
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 03.01.2020)

Berlin-Teheran-Travellers - Der Iran und die Musik heute - ein neuer Frühling?
(Deutschlandfunk Kultur, Musikfeuilleton, 29.11.2019)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsFragen an die Zeit nach der Pandemie
Illustration: Draufsicht auf einen Tisch, um den sich viele Menschen zum Frühstück treffen. (imago / Ikon Images / Marcus Butt )

Vielleicht ist die Welt bald wieder „normal“: Cafés, Kino und Theater offen. Doch was bleibt von der Pandemie? In welcher Hinsicht wirkt das Erlebte sich dauerhaft auf das Zusammenleben aus? Diese Fragen stellt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur