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Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.11.2015

Journalismus im KrisengebietLibyen hat erstmals eine unabhängige Nachrichtenagentur

Martin Hilbert im Gespräch mit Patrick Wellinski

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 Bemalte Mauer in der libyschen Hauptstadt Tripolis: Zu sehen ist eine libysche Flagge in den Nationalfarben, die Aufschrift "Game over - Freedom finally" und ein Gaddafi, der aus einem Abfluss schaut und "hier bin ich, hier bin ich" ruft. (dpa/ picture-alliance/ Matthias Tödt)
"Endlich Freiheit" sprühte ein Graffitikünstler 2011 an diese Wand in Tripolis. Die Libyan Cloud News Agency will nun dazu beitragen, dass diese Freiheit tatsächlich eintritt. (dpa/ picture-alliance/ Matthias Tödt)

Die Libyan Cloud News Agency ist eine kleine Sensation: Als erste Nachrichtenagentur soll sie unabhängig von politischen Interessen aus dem Land berichten.

Die libysche Medienlandschaft befinde sich derzeit in einem "unhaltbaren Zustand", sagte Martin Hilbert, Koordinator des Projektes, im Deutschlandradio Kultur. Unabhängige, auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfte Nachrichten seien dringend notwendig.

"Zur Zeit gibt es keine Nachrichten aus Libyen", betonte Hilbert. "Die libysche Bevölkerung lebt in so einer Grauzone, alles basiert auf Gerüchten." Zeitungen seien eingestellt, alle Fernsehsender würden von Milizen oder politischen Parteien gesteuert. Jeder wisse das und vertraue den Meldungen entsprechend nicht. 

Die Libyan Cloud News Agency soll in erster Linie libysche Medien informieren, sowohl im In- als auch im Ausland. Aber auch Medien arabischer Nachbarstaaten seien die Zielgruppe, genauso wie internationale Auslandssender.

Faktencheck musste erst geübt werden

Angeschoben wurde das Projekt mit EU-Mitteln. Die Deutsche Welle Akademie bildete die libyschen Journalisten ein Jahr lang aus. Das Wichtigste sei der sogenannte Faktencheck gewesen, also die Tatsache, dass Redakteure die Meldungen ihrer Korrespondenten überprüfen, bevor sie sie veröffentlichen. Diese Methode sei in der arabischen Welt unüblich. 

Aus Sicherheitsgründen bleiben die in Libyen tätigen Reporter anonym. Ihre Berichte werden durch eine außerhalb Libyens operierende Nachrichtenredaktion geprüft und dann in einem geschützten Raum auf einem externen Rechner, der "Cloud" der Nachrichtenagentur, freigegeben. Die Deutsche Welle ziehe sich nun von dem Projekt zurück, kündigte Hilbert an. Denn nur wenn es wirklich eine rein libysche Agentur sei, würden die Menschen ihr vertrauen.

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