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Das Blaue Sofa / Archiv | Beitrag vom 21.03.2019

Johannes Fried über "Kein Tod auf Golgatha"Hat Jesus die Kreuzigung überlebt?

Johannes Fried im Gespräch mit Marie Sagenschneider

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Die Kreuzigung Christi, historische Illustration  (imago stock&people)
Ein Artikel eines Mediziners hat den Historiker Johannes Fried darauf gebracht, der Frage nach dem Überleben von Jesus nachzugehen. (imago stock&people)

Wie ein Mediziner analysiert der Historiker Johannes Fried die Schilderungen der Kreuzigung von Jesus in seinem Buch "Kein Tod auf Golgatha". Er geht der Frage nach, ob Jesus tatsächlich überlebt haben kann und findet erstaunliche Argumente dafür.

Hat Jesus überlebt? Ja, meint der Historiker Johannes Fried. Er sei zwar ans Kreuz geschlagen worden, aber dort nicht zu Tode gekommen. Der Historiker geht der These in seinem Buch "Kein Tod auf Golgatha. Auf der Suche nach dem überlebenden Jesus" nach. Zum ersten Mal begegnet sei er diesem Gedanken in einem Artikel, den ihm ein Biologe in die Hand gedrückt habe, sagt Fried. "Wieso kann man heute sagen, dass Jesus nicht gestorben ist?" fragt er sich fasziniert.

Der Artikel beziehe sich auf den Schluss des Johannesevangeliums. "Jesus hängt am Kreuz, der Soldat zerschlägt ihm nicht die Beine, weil er ihn schon für tot hält, sticht ihm in die Seite, medizinisch korrekt Pleura, und sofort fließen Blut und Wasser raus." Dies habe der Mediziner interpretiert. Fried selbst vertraut zudem auf das Urteil eines Metzgermeisters, der ihm bestätigte: "Ganz klar, wenn Blut fließt, schlägt das Herz." Also sei Jesus nicht tot. Und auch das fließende Wasser deute daraufhin.

Rüttelt Fried am Gründungsmythos des Christentums?

Auch der Hinweis im Evangelium, dass Jesus Essig gereicht wurde, lässt Fried zufolge eine spannende Deutung zu. Denn die Verletzung der Pleura könne zu Atemnot führen, und die könne durch Essig gemildert werden. "Dass Jesus Schwierigkeiten mit dem Atmen hatte, zeigt der Hinweis auf den Zusammenbruch beim Kreuztragen." Der allerdings sei bei Johannes nicht erwähnt.

Der Historiker Johannes Fried, aufgenommen 2013 (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)Der Historiker Johannes Fried (picture alliance / dpa / Uwe Zucchi)

Rüttelt Johannes Fried damit am Gründungsmythos des Christentums? "Diese Beobachtung kann ich nicht ganz leugnen", antwortet der Historiker. "Gemäß diesen medizinischen Beobachtungen, und der anschließenden Versorgung durch Joseph von Arimathäa und Nikodemus nach der Kreuzabnahme im Grab, wenn das zutrifft, dann starb Jesus nicht." Und dann müssten die beiden Helfer auch jene sein, "die die Geschichte von der Auferstehung, oder gemäß den griechischen Vokabeln vom 'Aufstehen' und 'Fortgehen', in die Welt gesetzt haben."

"Mehr als Hypothesen schaffen wir Historiker nicht"

Eine Tradition der jüdischen Gemeinde, die sich mehrere Jahrhunderte gehalten habe, sei auch davon ausgegangen, dass Jesus nicht gestorben sei, dass er weitergelehrt habe. Fried verweist hier zudem auf Belege durch die Begegnung mit dem Toten, dem Auferstandenen, zum Beispiel mit Maria Magdalena und Thomas. Von Auferstehung in unserem Sinne sei dort noch keine Rede und die Tradition kenne auch keinen Tod am Kreuz.

Paulus, der nie in Jerusalem gewesen sei und Jesus nie getroffen habe, habe jedoch etwas anderes daraus gemacht und gesagt, er habe den Auferstandenen "geschaut". "Er hatte eine Vision", sagt Fried, "solche Visionen können so eindringlich sein, dass sie ein ganzes Menschenleben verformen und prägen." Seine Auseinandersetzung mit dem Tode, dem Überleben Jesus' sei ein Gedankenspiel, sagt Fried. "Mehr als Hypothesen, Rekonstruktionen schaffen wir Historiker nicht. Und das gilt in gleicher Weise für die Evangelien auch."

(cwu)

Illustration des Messegeländes in Leipzig mit fliegenden Büchern, die auf das Messegebäude zufliegen. Darauf steht der Text: Leipziger Buchmesse. Die besten Bücher des Frühlings. © Foto: Bianca Schaalburg

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