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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 23.11.2016

Jörg-Uwe NeumannEin Zahnarzt als Retter der Kunsthalle Rostock

Moderation: Katrin Heise

Jörg-Uwe Neumann ist seit 2009 Direktor der Kunsthalle Rostock. (Jan Scholz / Ostseesparkasse)
Jörg-Uwe Neumann verhinderte die Schließung der Kunsthalle Rostock und ist seit 2009 ihr Direktor. (Jan Scholz / Ostseesparkasse)

Die Kunsthalle Rostock galt als Prestigeobjekt der DDR-Kulturpolitik. Doch vor zehn Jahren stand sie vor dem Aus. Zu ihrem Retter wurde Jörg-Uwe Neumann, der 2009 die Direktion des Ausstellungshauses übernahm. Davor hatte der gebürtige Rostocker 15 Jahre lang als Zahnarzt praktiziert.

Sie galt als Prestigeobjekt der DDR-Kulturpolitik – die Kunsthalle Rostock. Doch dann stand das Ausstellungshaus 2006 kurz vor dem Aus. Zu ihrem Retter wurde Jörg-Uwe Neumann. Der gebürtige Rostocker übernahm 2009 die Direktion des Kunstmuseums.

Davor hatte er fünfzehn Jahre lang als Zahnarzt praktiziert. Zum Ende seiner Zahnarztkarriere hatte ihn die schwere Krankheit und der Tod seines älteren Bruders bewogen. "Da wird einem bewusst, dass alles endlich ist", sagt Jörg-Uwe Neumann.

Er war ein Neuling im Museumsbetrieb. Seine Kunsterfahrung beschränkte sich auf Ausstellungen in seiner Praxis. Mit viel Skepsis wurde der heute 55-Jährige beäugt, als er die Leitung übernahm.

"Ich bin besucherorientiert"

Kritik gab es an seiner Idee, die Kunsthalle als Veranstaltungsort für Filmabende und Technoparties zu nutzen. Jörg-Uwe Neumann ließ sich aber nicht beirren. Er wollte die zeitgenössische Kunst einem möglichst breiten Publikum nah bringen.

"Ich bin besucherorientiert, und ich wollte von Anfang an die Kunsthalle zu einem sehr besucherorientierten Haus entwickeln. Ein Kollege sagte mal, er empfinde sein Museum wie ein Hotel. So ähnlich empfinde ich das auch. Jeder Gast hat ja unterschiedliche Herangehensweisen. Der eine möchte ein schönes Zimmer haben, für den anderen ist der Spa-Bereich ganz wichtig oder das Restaurant. Und so sehe ich das Museum auch. Für den einen sind die Ausstellungen ganz wichtig, für die anderen das Café oder dass er da ein bisschen Ruhe findet. Und so versuchen wir das Haus immer mehr zu entwickeln, dass wir ein Wohlfühlen des Besuchers haben."

Mittlerweile verbucht die Kunsthalle 70.000 Besucher im Jahr. Dazu trägt neben den Ausstellungen auch Jörg-Uwe Neumanns Projekt  "Rostock Kreativ" bei:

"Jeder darf was abgeben, zum Beispiel ein Bild, und es wird für ein Wochenende gezeigt. Wir machen keine Auswahl, es wird gleich hingehängt im Erdgeschoss. Ein großartiger Erfolg. Im letzten Jahr waren über 600 'Abgeber' und über 15.000 Besucher da. Es ist wie eine Volksfeststimmung und es gehen viele, die unten sind, dann auch zu den musealen Ausstellungen nach oben."

Dienstleister für Künstler

Jörg-Uwe Neumann sieht bei sich selbst keine große künstlerische Fähigkeit, sondern versteht sich eher als Dienstleister für Künstler – aber durchaus mit einem Anliegen.

"Tagespolitisch sollte Kunst sich nicht einmischen, aber ein Statement sollten wir auf jeden Fall abgeben. Und das ist bei uns ganz klar Menschlichkeit, Vielschichtigkeit und Offenheit, all das, was wir jetzt haben, diese ganze Buntheit unserer Gesellschaft. Wir sollten uns darum bemühen, dass jeder so bleibt, wie er ist, das sollten wir uns erhalten und dazu sollten wir als Kunsthalle eintreten."

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