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Studio 9 | Beitrag vom 14.10.2016

Jobmesse "Her Career" in MünchenNetzwerkerinnen unter sich

Von Tobias Krone

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Sonja Mayer auf der Jobmesse "Her Career" (Deutschlandradio / Tobias Krone)
Sonja Mayer auf der Jobmesse "Her Career" (Deutschlandradio / Tobias Krone)

Frauen sollen in Führungspositionen von Unternehmen kommen. Doch schon beim Einstieg in den Beruf sind Frauen bisher vor allem mit einer männlich dominierten Geschäftswelt konfrontiert. Auf einer Jobmesse in München ist das anders.

"Also ich versuche, wenn ich in Interviews gehe, nicht zu weiblich rüberzukommen, nachdem ich auch langes blondes Haar hab' dann lieber hochgesteckt, ordentlich, Ausschnitt nicht zu weit, Kleid eher mal lieber ein bisschen länger, zumindest Kniehöhe."

Sonja Mayer hat schon einige Praktika in Unternehmen hinter sich – und weiß, mit welchem Auftreten sich Frau Respekt verschafft. Heute aber trägt die 26-jährige Studentin der Psychologie und Germanistik ihr Haar offen. Hier auf der Karrieremesse "Her Career" fühlt sie sich wohl. Wohler als auf den üblichen Jobmessen, wo sie mit Männern konkurriert.

"Es ist schwieriger ins Gespräch zu kommen mit Unternehmensvertretern, weil man ja als Frau immer eher ein bisschen zurückhaltender ist, vielleicht erstmal schaut, wie geht man da langsamer an ein Gespräch ran. Und meine Kommilitonen eher stürmerisch auf diese Stände zu gehen. Und man als Frau ein bisschen im Abseits steht."

Das Jobumfeld ist wichtiger als die Branche

Auf der "Her Career" will Sonja Mayer erste Kontakte zu Unternehmen knüpfen. Ihr Wunsch wäre ein Job in der Personalabteilung oder in der Unternehmensberatung. Die Branche ist ihr nicht so wichtig. Eher das Jobumfeld:

"Wie ist der Job ausgestaltet, was gibt es da für Weiterentwicklungsmöglichkeiten, was ist da an Work-Life-Balance geboten?"

Neugierig flaniert die junge Frau an Unternehmensständen vorbei. Beim Spielzeughersteller Lego spricht sie die Dame am Stand an. 

"Können Sie mir vielleicht mal so nen kurzen Überblick geben, in welche Richtung das so geht? Weil bei einem Automobilhersteller ist klar: Gut, die suchen Ingenieure, aber bei Lego wüsste ich jetzt gar nicht so."

In den nächsten fünf Minuten erfährt Sonja Mayer, dass das Unternehmen in München doch eher erfahrene Kräfte sucht.  Einen Tipp nimmt sie dennoch mit: Identifikation hilft. Hat also eine Bewerberin früher selbst Lego gebaut – steigen die Chancen.

"Weil da guckt man ja auch sehr stark drauf, dass Sie einen Bezug zur Marke haben und zum Produkt."

Und schon lässt sich die Job-Einsteigerin zum nächsten Stand treiben. Doch nicht nur Berufsanfängerinnen knüpfen auf der Messe Kontakte. In Halle Drei unterhalten sich die Start-Up-Gründerin Vanessa Lewerenz-Bourmer und die Bloggerin Natascha Wegelin auf weißen Sitzwürfeln über ihre anstehende Kooperation – das Start-Up will Frauen für Finanzprodukte gewinnen und Bloggerin Natascha Wegelin alias Madame Moneypenny soll die Texte dafür liefern:

"Also ich duze ja meine Leserinnen, vielleicht müsste man dann auf so sprachliche Aspekte nochmal eingehen."

"Ah, das passt perfekt, weil das hatte ich auch schon mal mit meine Team diskutiert, ob wir eher das förmliche Du oder das Sie nehmen wollen, und wir haben uns auch auf das Du geeinigt."

Beide Seiten finden das Du besser. Darauf hätten sie sich auch in Berlin einigen können, denn beide leben und arbeiten dort. Trotzdem wollte Lewerenz-Bourmer nach München zur Messe, weil sich die weibliche Start-Up-Szene hier angeblich leichter vernetzt.

Große Investoren lassen sich nicht blicken

Das Problem: Noch sind die Frauen unter sich. Große Investoren wie Banken sind auch diesem Jahr nicht da. Ein Problem, das Gründerinnen generell haben. Das fehlende Vertrauen der Geldgeber. Das aber beruhe auf einem Missverständnis zwischen weiblichen Gründerinnen und den meist männlichen Investoren. 

"Frauen – das kenne ich von mir – neigen dazu, dass sie ihre Idee verkaufen, aber im nächsten Satz sagen 'aber …' und dann den Investor damit rausquatschen, weil man dann ja nochmal erzählt, was so alles das Risiko ist, was alles so schlecht laufen könnte. Um zu zeigen, dass man eine differenzierte Betrachtungsweise hat. Aber das ist ein Schuss, der nach hinten los geht."

Dennoch ist Vanessa Lewerenz-Bourmer optimistisch:

"Ich bin mir ganz sicher, dass sich das irgendwo auflösen wird, wenn wir mehr weibliche Gründerinnen haben, die dann auch irgendwann weibliche Investoren werden."

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