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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.09.2019

Jim Rakete über Peter Lindbergh"Kein typisch feiner Modefotograf im gebügelten Anzug"

Jim Rakete im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Peter Lindbergh und Jim Rakete in einer hölzernen Sitzecke (Getty Images)
Aus einem einfachen Fax von Peter Lindbergh an Jim Rakete entstand eine Freundschaft, die 40 Jahre anhielt. (Getty Images)

Peter Lindbergh und Jim Rakete zählen nicht nur zu den bekanntesten deutschen Fotografen, sie waren auch enge Freunde. Im Interview erinnert sich Rakete an feuchtfröhliche Nächte, Beachvolleyball am Set und schier unerschöpfliche Kreativität.

Peter Lindbergh revolutionierte die Modefotografie. Er fing die Identität und Lebenserfahrung seiner Models ein, die Spuren des Lebens und auch die Unvollkommenheiten. Nun ist Peter Lindbergh im Alter von 74 Jahren gestorben.

Einer, der ihn gut kannte, ist der berühmte Fotograf Jim Rakete. Lindbergh und Rakete waren mehr als Kollegen, sie waren Freunde, und das schon seit den 80er-Jahren. Alles begann mit einem Fax von Lindbergh, erzählt Rakete im Deutschlandfunk Kultur: "Er schrieb mir, dass er nach Berlin käme. Also habe ich mir ausgerechnet, wann er landet, und ihn vom Flughafen abgeholt."

Bis weit nach Mitternacht saßen die heutigen Starfotografen zusammen – und legten in dieser feuchtfröhlichen Nacht den Grundstein zu einer langen Freundschaft: Der ständige "Wackelkontakt" zwischen den beiden, wie Rakete sagt, hielt 40 Jahre lang.

Beachvollyball zwischen den Fotoaufnahmen

Die Bilder von Lindbergh hatten die Kraft, aus gewöhnlichen Models Superstars zu machen. Was war sein Geheimnis? Rakete sagt: "Wenn ich es kennen würde, würde ich es nicht erzählen." Vielleicht hing es mit der einzigartigen Persönlichkeit des Fotografen zusammen. "Er war einfach vollkommen ungewöhnlich für die Branche. Kein typisch feiner Modefotograf, der im gebügelten Anzug am Set steht. Er hat lieber in den Pausen zwischen den Shots Beachvolleyball gespielt oder laut Red Hot Chili Peppers aufgedreht."

Peter Lindbergh im Mai in der ZDF-Sendung Markus Lanz. (imago images / APress)Peter Lindbergh im Mai in der ZDF-Sendung Markus Lanz. (imago images / APress)

Perfektion hätte Lindbergh überhaupt nicht interessiert, so Rakete. Er erzählt von einem Shooting, nach dem Lindberg aus 40 Bögen mit Fotos nur eines ankreuzte, das ihm gefiel, und den Rest einfach beiseite warf. Dieser scharfe Blick für ein gelungenes Bild unterschied Lindbergh von den meisten seiner Kollegen, glaubt Rakete. "Er war sein eigener Artdirector."

"Die Sonne verschluckt"

Sein Freund habe "die Sonne verschluckt" gehabt. Lindbergh sei ein "offenherziger, gutlauniger, liebenswerter Kerl gewesen", der Dinge erfunden habe, die andere heute noch nachmachten. Seine Kreativität schien dabei kein Ende zu kennen.

Rakete erinnert sich noch heute an einen Tag, an dem das Model Linda Evangelista ins Studio kam und fragte: Wer bin ich heute? - Daraufhin habe Lindbergh die Augen zusammengekniffen und gesagt: Ich glaube, Marlene Dietrich.

"Er hatte immer eine Hommage im Kopf, die hinter der ganzen Session stand. So hat er sich selbst immer wieder neu herausgefordert."

(rod)

Einen Nachruf auf Peter Lindbergh von Sigrid Fischer und eine Würdigung seines Schaffens von der Galeristin Ute Hartjen hören Sie hier:

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