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Im Gespräch | Beitrag vom 20.09.2018

Jesuit und Philosoph Michael Bordt"Nur wer sich selbst führen kann, kann andere führen"

Moderation: Klaus Pokatzky

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Jesuit und Philosoph Michael Bordt (Hochschule für Philosophie/Bordt)
Er bringt Topmanagern bei, auf ihr Inneres zu hören Michael Bordt. (Hochschule für Philosophie/Bordt)

Ein Jesuit als Vorstand eines Instituts für Leadership: Michael Bordt trainiert regelmäßig Topmanager und Nachwuchskräfte. Das Ziel: Sich selbst erkennen und Empathie entwickeln, nur dann könne man eine gute Führungskraft sein, sagt Bordt.

Pater Michael Bordt beginnt jeden Tag mit einer Meditation, denn die sei grundlegend für die Selbsterkenntnis. Führungskräfte sollten meditieren, "weil das die Informationsbasis über sich selbst erweitert: Ich weiß, wer ich bin." Die Führungskräfte machten die Erfahrung, dass sie deutlich empathischer werden: "Weil man in der Lage ist, immer mehr bei sich selbst wahrzunehmen – eine immer differenziertere Selbstwahrnehmung zu haben –, spürt man ganz anders die Gegenwart anderer Menschen, anderer Atmosphären, ist näher an seinen Intuitionen dran."

Enttäuschungen sind wichtig – auch für Manager

Seitdem Bordt 2011 das Institut für Philosophie und Leadership an der Hochschule für Philosophie in München gegründet hat, unterrichtet er regelmäßig Manger aus der Wirtschaft. Ihnen bringt er auch bei, wie wichtig Enttäuschungen sind. "In jeder Ent-täuschung wird ja eine Täuschung weggenommen. Das heißt, wir kommen der Realität in jeder Enttäuschung näher." Und damit sei man eher in der Lage "realitätsangemessenere Entscheidungen zu treffen."

Bordt traf als 28-Jähriger die Entscheidung, in den Orden der Jesuiten einzutreten. Nach Theologie- und Philosophiestudium überlegt er, Dirigent zu werden. Er habe aber erkannt, "Musik ist keine Quelle, aus der ich leben kann". Seiner Leidenschaft für Musik geht er nun als regelmäßiger Opernbesucher nach.

Jeder braucht einen inneren Rückzugsort

Der 58-Jährige lebt in einer Wohngemeinschaft mit sieben Jesuiten. Eine große Säule dieses Ordens sei neben der Bildung die Spiritualität: "Wir leben nicht in Klöstern mit äußeren Mauern, sondern wir müssen so ein inneres Kloster bauen, einen inneren Rückzugsort finden." Bordt betont, die große Krise in seinem Jesuitenleben habe er wegen der sexuellen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche erlebt. "Das war wirklich eine Enttäuschung, die ganz massiv war." Er habe es nicht für möglich gehalten, "dass quasi Verbrecher im Jesuitenorden in Deutschland so was machen."

Seit 1997 arbeitet Bordt an der Hochschule für Philosophie in München, deren Präsident er von 2005 bis 2011 war. Er lehrt als Professor und leitet regelmäßig Fortbildungsseminare.

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