Jeremy Rifkin: "Das Zeitalter der Resilienz"

Weniger Wachstum!

06:04 Minuten
Buchcover: "Das Zeitalter der Resilienz" von Jeremy Rifkin
© Campus Verlag

Jeremy Rifkin

Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer

Das Zeitalter der Resilienz. Leben neu denken auf einer wilden ErdeCampus Verlag, Frankfurt am Main 2022

360 Seiten

32,00 Euro

Von Johannes Kaiser · 09.11.2022
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Die Menschheit droht unterzugehen, ändert sie nicht ihre Haltung zum traditionellen Modell des Wirtschaftswachstums. Statt dem Fortschritt weiter zu huldigen, gilt es, die Widerstandsfähigkeit aller Systeme zu stärken, so der Ökonom Jeremy Rifkin.
Es ist wohl nicht übertrieben, Jeremy Rifkins neuestes Werk als sein Opus Magnum zu bezeichnen. In ihm greift der Ökonom noch einmal alle Themen auf, die ihn in den letzten 40 Jahren umgetrieben haben: vom verhängnisvollen Fleischverbrauch über die Förderung erneuerbarer Energien und die Wasserstoffrevolution bis zum Internet der Dinge.
In aller Ausführlichkeit stellt er seine Thesen nun in den Dienst seiner jüngsten Forderung nach einem Zeitalter der Resilienz. Er geht in seiner Argumentation bis ins Mittelalter zurück, zitiert frühe Naturwissenschaftler und Technikerfinder. Das ist bisweilen arg ausführlich und etwas ermüdend, ist aber wahrscheinlich der Geschichtsvergessenheit seiner Landsleute geschuldet.

Abkehr vom falschen Wirtschaftsmodell

Die weit ausholende Rückschau soll erklären, warum die Menschheit seit 500 Jahren einem falschen Wirtschaftsmodell folgt. Er nennt es das ‚‚Zeitalter des Fortschritts“. Effizienz ist sein Leitgedanke.
Die Wirtschaft will immer mehr Gewinn in immer kürzerer Zeit erzielen, die Ausbeutung und den Verbrauch natürlicher Ressourcen optimieren, und strebt nur nach materiellem Reichtum. Doch je effizienter wir wirtschaften, so Rifkin, desto größer sind die Schäden der Natur. Das Artensterben hat bedrohliche Ausmaße angenommen und der Klimawandel droht mit immer größeren Katastrophen.
Das „Zeitalter des Fortschritts“ sei gescheitert. Statt uns die Natur zu unterwerfen, ginge es jetzt darum, uns der Natur anzupassen. Jüngste Forschungsergebnisse zeigten, dass der Mensch selbst ein Ökosystem ist, das sich ein Leben lang erneuert. In und mit uns leben Milliarden an Mikroben, Bakterien, Viren. Wir sind auf sie angewiesen. Biologische Uhren steuern uns. Wir sind selbst ein Stück Natur.

Kreisläufe und Anpassungsfähigkeiten

Die Wirtschaftswissenschaften müssten umdenken und sich an die Natur anpassen. Der Kapitalismus habe – so Rifkin – in seiner heutigen Form keine Überlebenschance.
Digitale Netzwerke werden an seine Stelle treten: statt Eigentum Zugang, statt Käufer und Verkäufer Anbieter und Nutzer. Kreislaufwirtschaft ist angesagt und Anpassungsfähigkeit an die Natur. Dann wird das Wirtschaftssystem resilient, also widerstandsfähig.
Rifkins Argumentation ist nicht immer widerspruchsfrei. Nachdem er das Effizienzdenken heftig kritisiert und das Bruttosozialprodukt als falsche Maßeinheit für Wirtschaftswachstum gegeißelt hat, argumentiert er mit beidem in einem Plan für eine resiliente amerikanische Infrastruktur:
Der würde zu einer Verdoppelung der Arbeitseffizienz und einem Zuwachs der Bruttoinlandproduktion führen. Ein wenig überzeugendes Zugeständnis an das traditionelle Wirtschaftsdenken.

Und mehr Demokratie!

Bleibt noch der Umbau der Demokratie angesichts der zunehmenden Politikverdrossenheit der Bürger. Sie wird man nur um Mitmachen gewinnen, gibt man ihnen auf lokaler Ebene mehr Mitspracherechte.
Rifkin fordert eine Peerocracy, das heißt mehr direkte Beteiligungsmöglichkeiten der Bürger. Dann haben resiliente Projekte eine Chance. Man kann Rifkins Einsichten und Vorschlägen nur viele Leserinnen und Leser wünschen.

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