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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.04.2017

Jens Balzer zur Echo-Verleihung "Nächstes Jahr wird Helene Fischer wieder nominiert sein"

Jens Balzer im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

Die Sängerin Helene Fischer posiert am 26.03.2015 in Berlin nach der Verleihung des Musikpreises Echo mit ihren vier Trophäen. (picture-alliance / dpa / Jens Kalaene)
Die Sängerin Helene Fischer dominierte in den letzten Jahren die Echo-Verleihungen. Diesmal ist sie nicht dabei. (picture-alliance / dpa / Jens Kalaene)

Am Abend werden in Berlin die Echo-Musikpreise verliehen. Mit neuen Regeln sollte die Zeremonie attraktiver werden. Doch der Popkritiker Jens Balzer rügt, dass der Verkaufserfolg unverändert der entscheidende Faktor für die Preise ist.

Fest steht, dass Helene Fischer in diesem Jahr keinen Echo-Musikpreis erhält. Die Sängerin hatte die Veranstaltung in den letzten Jahren so dominiert, dass die Preisverleihung einigen  Kritikern bereits wie ein Helene-Fischer-Festival vorkam. Aber auch die schlechte Einschaltquote in der ARD und die Intransparenz der Jury-Entscheidungen sorgten dafür, dass in diesem Jahr vieles anders laufen soll. Aber die Kritik reißt an der Echo-Verleihung nicht ab.

Außenwirkung für deutsche Musik

"Helene Fischer ist nur deswegen nicht dabei, weil sie im vergangenen Jahr keine Platte gemacht hat", sagt der Pop-Kritiker Jens Balzer im Deutschlandradio Kultur. "Das neue Werk erscheint bekanntlich im Mai und dann bin ich sicher, dass sie auch beim nächsten Echo, falls es ihn nächstes Jahr nochmal gibt, wieder in mindestens sieben Kategorien nominiert sein wird." Balzer sitzt immer noch in der Kritiker-Jury, hat aber andere Gremien verlassen, weil sie ihm zu intransparent vorkamen. Dabei sei er trotz aller Kritik immer ein großer Freund dieses Preises gewesen. "Die deutsche Musik braucht so etwas für ihre Außenwirkung", sagte er. 

Zweifel an den Jurys 

Balzer begrüßte, dass dank der Umstellung jetzt bekannt sei, wer in den Jurys sitze. "Das war bisher völlig unbekannt", sagte er. Allerdings sei dadurch deutlich geworden, dass viele Nominierte zugleich in der Jury säßen. So sitze Andrea Berg in der Schlager-Jury und sei gleichzeitig für den Preis nominiert. "Da kamen mir doch Zweifel daran, ob das alles so mit rechten Dingen zugeht", sagt der Journalist. Hauptkritikpunkt sei aber unverändert, dass vor allem die Zahl der verkauften Platten für die Nominierung entscheidend ist. Viele Journalisten hätten sich deshalb erneut aus den Jurys zurückgezogen, außer aus der für den Kritikerpreis. Nach der Veranstaltung wolle man das Gespräch mit dem Bundesverband der Musikindustrie suchen, der die Verleihung organisiert.

Vox sendet Echo-Verleihung

Dass die ARD den Echo-Preis nicht mehr medial begleitet, sondern der Privatsender Vox die Verleihung einen Tag später sendet, hält Balzer für vertretbar. "Vielleicht  ist diese Art der Preisverleihung im Hauptabendprogramm der Öffentlich-Rechtlichen einfach falsch", sagt der Kritiker. Er würde sich die dreistündige Gala im Fernsehen auch nicht ansehen.


Musikindustrie ist zufrieden

Zufrieden mit der Reform des Echo zeigt sich dagegen nach eigenen Worten der Geschäftsführer des Verbandes der Musikindustrie, Florian Drücke. "Wir haben mit dem Echo jetzt das Momentum genutzt", sagt Drücke im Deutschlandradio Kultur.

Nach dem 25. Jubiläum des Musikpreises habe man sich im letzten Jahr intensiv zusammengesetzt und überlegt, wie man die Veranstaltung neu gestalten könne. "Da sind wir auf einem sehr guten Weg."  Er sei nun gespannt, ob alles auch so aufgehe. 

Die DNA des Echo

Der anhaltenden Kritik an der Bedeutung der Verkaufszahlen hält Drücke entgegen: "Das ist Teil der DNA des Echo, dass man sich eben auf die Charts und damit eben  auf den Verkaufserfolg fokussiert", sagt der Geschäftsführer. Das sei in Deutschland etwas besonderes. "Das ist ja so gesehen, erst einmal eine sehr demokratische Eintrittshürde, dass man sagt, hier haben die Fans, die Käufer nicht nur mit den Füßen abgestimmt, sondern eben auch sogar mit dem Portemonnaie." Nun werde zunächst heute Abend gefeiert, danach verschließe sich der Verband auch einer erneuten Diskussion nicht.

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