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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 09.10.2017

Jenni Zylka zum Fall Weinstein"Struktureller Sexismus in der Filmbranche"

Moderation: Anke Schaefer

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Der US-Filmproduzent Harvey Weinstein.  (AFP / Yann COATSALIOU)
Konnte sich Frauen gegenüber offenbar nicht beherrschen: der US-Filmproduzent Harvey Weinstein. (AFP / Yann COATSALIOU)

Er zählte zu den mächtigsten Produzenten Hollywoods. Doch nun hat sein eigenes Studio Harvey Weinstein gefeuert - wegen zahlreicher Vorwürfe sexueller Belästigung. Journalistin Jenny Zylka wundert das wenig: "Die Filmbranche hat ein strukturelles Sexismus-Problem."

Er habe sich unangemessen verhalten, erklärte Harvey Weinstein lapidar zu den Anschuldigungen gegen ihn, ohne konkreter zu werden. Den Direktoren seiner Filmproduktionsfirma The Weinstein Company hat allerdings gereicht, was Mitarbeiterinnen und Schauspielerinnen über den Mogul der Filmbranche zu berichten wussten - über Jahrzehte hinweg soll er Frauen sexuell belästigt haben. Deshalb hat ihn die Firma nun fristlos entlassen.

Auch die Journalistin Jenni Zylka hat Weinstein im Zuge ihrer Arbeit kennen gelernt. Der Produzent sei "sehr flirty" aufgetreten, erzählt Zylka rückblickend im Deutschlandfunk Kultur. Dass nun zahlreiche Vorwürfe sexueller Belästigung im Raum stehen, wundert die Journalistin "gar nicht, weil diese ganze Filmbranche - und das ist ja auch nur ein Spiegel der Gesellschaft - ein strukturelles Sexismus-Problem hat".

Die Journalistin Jenni Zylka (Deutschlandradio / Andreas Buron)Alte Männer, die zuviel wollen - ein grundsätzliches Problem der Filmbranche, sagt Journalistin Jenni Zylka. (Deutschlandradio / Andreas Buron)

Das gelte vor allem für die wichtigen Plätze in Bereich der Produktion, so Zylka: "Da sitzen halt oft alte Männer, die auch mit einer ganz anderen Vorstellung von Gesellschaft und vom Mann- und Frau-Verhältnis aufgewachsen sind." Und diese hätten den Anspruch entsprechend behandelt zu werden.

Um das zu ändern, seien wir alle gefragt, ist die Journalistin überzeugt: "Wir sind ja schließlich auch die Unterhaltungsgesellschaft." Jeder könne entscheiden, welche Filme er goutiere. "Wenn man weiterhin in solche Blockbuster rennt, in denen solche Bilder vermittelt werden, dann wird sich auch nichts ändern."

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