Zum Tod von Jean-Jacques Sempé

"'Der kleine Nick' macht ihn unsterblich"

03:29 Minuten
Jean-Jacques Sempé sitzt an einem Schreibtisch und zeichnet
Jean-Jacques Sempé in seinem Studio in Paris, jetzt ist er im Alter von 89 Jahren gestorben. © Getty Images/Luc Castel
Andreas Platthaus im Gespräch mit Marietta Schwarz · 11.08.2022
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Der französische Zeichner Jean-Jacques Sempé ist tot. Seine Figuren zeigten alle eine „unglaubliche Freundlichkeit“, sagt Comic-Experte Andreas Platthaus. In „Der kleine Nick“ entdeckten viele Leser auch eigene Wesenszüge.
Der französische Cartoonist Jean-Jacques Sempé ist im Alter von 89 Jahren gestorben. International bekannt wurde er mit seiner Reihe "Der kleine Nick" über eine Kindheit im Frankreich der 1950er-Jahre.
Den Comic-Experten Andreas Platthaus haben die Zeichnungen und Geschichten von Sempé ein Leben lang begleitet: „Man konnte in den letzten 40 Jahren überhaupt nicht Kind gewesen sein, ohne irgendwann mal auf den kleinen Nick zu stoßen – diesen unvergleichlichen Klang der Texte von René Goscinny und natürlich die unglaublichen Zeichnungen von Sempé dazu zu sehen", sagt der Literatur-Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Eindeutiger Ausdruck trotz einfachem Stil

Bemerkenswert sei Sempés Stil gewesen: die Einfachheit, der „fantastisch simple Strich“, etwa für die Gesichter seiner Figuren, die alle eine „wahnsinnige Freundlichkeit“ auszeichne.
Eine Comic-Zeichnung von Jean-Jacques Sempé: ein rennender Junge hält einen Finger vor den Mund
"Der kleine Nick" ist Sempés bekanntestes Werk.© picture alliance/dpa
„Selbst in seinen Karikaturen sind die Leute nie boshaft, auch, wenn es richtig bitterer Humor ist, der da bei ihm teilweise herrscht.“

Bedeutsames Schaffen

Wie jede große Literatur ragten die Werke Sempés aus ihrer Zeit heraus. Vor allem für Menschen, die sich für anspruchsvolle Dinge interessierten, seien diese immer wieder von „allergrößtem Reiz“.
Auch Frankreichs Premierministerin Élisabeth Borne würdigte den Zeichner und schrieb auf Twitter: "Sempé, das war die Zeichnung, das war der Text. Es war das Lächeln und die Poesie. Manchmal gab es Tränen vor Lachen, heute Abend sind es Tränen der Rührung".

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Für Platthaus bleibt Sempé unsterblich. In den Figuren im „kleinen Nick“ könne man immer Wesenszüge von sich selbst oder von Freunden ausmachen. Das beschränke sich auch nicht auf Kinder, so Platthaus:
„Das Schöne ist ja, dass einen diese Figur auch immer weiter begleitet. Das hört ja als Erwachsener nicht auf. Darum wird Sempé in gewisser Weise auch ewig leben. Mit Sempé ist wirklich einer meiner richtigen Götter gestorben.“
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