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Tonart | Beitrag vom 25.07.2016

Jazzmusiker Nils Wogram & Bojan ZDer präzise Drive zweier Rhythmiker

Von Jan Tengeler

Die Jazzmusiker Bojan Z (links) und Nils Wogram (Corinne Haechler)
Bojan Z (links) und Nils Wogram (Corinne Haechler)

Der Posaunist Nils Wogram und der Pianist Bojan Z sind zwei Schwergewichte der europäischen Jazzszene. Seit 2012 arbeiten die beiden als Duo, jetzt veröffentlichen sie ihr erstes Album. Jan Tengeler hat Nils Wogram gesprochen und stellt das neue Album vor.

Beim Festival Jazzdor Straßburg Berlin kommt es immer wieder zu fruchtbaren Begegnungen von Musikern aus der französischen und der deutschen Jazzszene. 2012 standen dort Nils Wogram und Bojan Z. erstmals gemeinsam im Duo auf der Bühne.

Nils Wogram: "Da habe ich gemerkt, dass die Art zu komponieren, sich gut ergänzt, das sind prägnante Songs, wir haben auch gemerkt, dass wir eher auf Songs setzen, die Stärken sind in konventionellen Räumen und wir stellen den Groove in den Vordergrund.

Seit dieser ersten Begegnung hat sich Einiges getan. Wir sind auf Tour gegangen mit dem Repertoire, es kamen neue Songs dazu. Man lernt sich immer besser kennen. Man entwickelt neue Ideen, man erkennt die Stärke des Anderen und die Stärken der Band, wo sind die Gemeinsamkeiten. Das lernt man besser kennen, je länger man spielt. Deshalb bin ich auch ein Anhänger von langen Bandprojekten."

Die ganze Klangfülle des Klaviers

Dass Nils Wogram schon zuvor mit einem anderen Pianisten intensiv im Duo zusammengearbeitet hat, nämlich mit Simon Nabatov, macht ihn zu einem Kenner dieser speziellen Instrumentierung: der großen Klangfülle des Klaviers einerseits, dem Posaunenton mit seinem tiefen, im besten Fall lyrischen Timbre andererseits.

"Ich habe lange mit Simon Nabatov zusammengearbeitet, 19 Jahre, ich habe viel Input mitbekommen. Irgendwann haben sich die Wege getrennt. Das ist tragisch, aber es findet sich der Raum für Neues, eben Bojan. Es ist schwierig, Musiker zu vergleichen, ich respektiere den individuellen Stil, Nabatov ist ein perfekt ausgebildeter Konzertpianist einer russischen Eliteuniversität, der die klassische Literatur auswendig kennt. Das ist bei Bojan anders - der eher von der U-Musik kommt, vom Jazz, Rock Pop – es ist groovebetont, seine stücke sind einfach, aber trickreich. An Bojan liegt mir, dass wir ein gutes Timing haben, ein Verständnis für den Fluss, mit Simon war es eher: an die Grenzen des Machbaren gehen mit viel Dynamik, beides hat seinen Reiz."

Seit Ende 2013 sind Nils Wogram und Bojan Zulfikarapsic regelmäßig auf Tour, ein gemeinsames Album war da nur eine Frage der Zeit. In dem Album-Titel ‚Housewarming’ stecken auch die Attribute, die sich Wogram als Gastgeber zu Gute schreibt. Er koche gerne, sitze mit seinen Freunden beisammen und empfange seine Gäste offenen Herzens. Diese Wärme ist auch auf den Aufnahmen zu hören, die in einem Studio in Polen entstanden sind.

"Bojan spielt gerne auf Fazioli, starke Bässe, was charakterischer klang, das haben wir gesucht, dann wurde uns das studio empfohlen. – Ok da gehen wir hin – für fünf tage gebucht – drei tage proben und zwei Aufnahmen, dann mischen wir in Bonn, das ganze Ding ist in einer Woche komplett fertig gewesen."

Die CD "Housewarming" enthält Stücke, die die Künstler vorher noch nicht veröffentlicht haben. Einige Songs haben sich im Laufe der Live-Zusammenarbeit entwickelt, andere sind im Vorfeld der Aufnahmen neu komponiert worden, dann wiederum gibt es Stücke, die während der Aufnahmen entstanden sind, wie z.B. der Song "Good Wine".

Freie Improvisation ist der gemeinsame Nenner

"Housewarming" – das erste gemeinsame Album von Nils Wogram und Bojan Z mutet im Oeuvre der beiden Musiker vergleichsweise traditionell an. Der Song ist bei dieser Zusammenkunft eher der gemeinsame Nenner als z.B. die freie Improvisation. Die CD lebt dementsprechend von schönen Themen, abgeklärter Musikalität und einer Prise Nostalgie, die sich auch klanglich durch das Werk zieht.

Dass die beiden Musiker präzise Rhythmiker sind, sorgt für genau den Drive, den es braucht, um nicht nur in der Vergangenheit zu schwelgen, sondern dabei auch noch mit dem Fuß zu wippen.

"Es gab ein paar Parameter: das waren Songstrukturen, Rhythmik und Groove sollten im Vordergrund stehen, trotzdem Raffinesse. Ein Popmusiker findet meine Musik immer komplex, Anthony Braxton findet das traditionell. Ein Stück von mir 'off to the train station', das könnte auch von Benny Golson sein, wie ein Standard…"

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