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Tonart | Beitrag vom 21.12.2020

Jazz-Newcomerin Yazmin LaceyDer "Work from Home"-Sound

Von Sophia Fischer

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Sängerin Yazmin Lacey (imago images / Pacific Press Agency)
Von der Sozialarbeiterin zum Jazz-Star: Yazmin Lacey (imago images / Pacific Press Agency)

Kultur wirkte dieses Jahr wie eingefroren. Keine Konzerte, keine Kinofilme und musikalisch passierte wenig Neues. Doch davon lässt sich die Jazz-Newcomerin Yazmin Lacey nicht aufhalten.

Das Jahr 2020 war ja nicht gerade die beste Zeit, um karrieremäßig so richtig durchzustarten. Die Soul-Sängerin Yazmin Lacey hat es trotzdem geschafft und sich in den vergangenen Monaten einen Namen in der britischen Jazz-Szene gemacht. Ende März hat die in Nottingham lebende Sängerin ihre EP "Morning Matters" veröffentlicht – gerade als das Arbeiten im Homeoffice für viele Menschen zum Alltag wurde.

Tatsächlich passt die Platte erstaunlich gut in diese Zeit, denn auch Yazmin Lacey hatte so ihre Probleme mit dem zu Hause bleiben und das nicht erst seit Beginn der Pandemie, sondern seitdem sie ihren Job und damit auch die gewohnte Tagesstruktur an den Nagel gehängt hat, um sich mit aller Zeit und Kraft der Musik zu widmen.

Songs als Botschaften an sich selbst

Was Yazmin Lacey dabei hilft, ist Routine und der Versuch, mit einer Intention in den Tag zu starten. Das kann ein Spaziergang sein oder ein ausgewähltes Musikstück. Als "Morgenmensch" hat sich Yazmin Lacey bisher nie gesehen. Nun hat sie den frühen Stunden gleich eine ganze EP gewidmet. "Morning Matters" ist ein Plädoyer für Selbstbestimmung.

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Getragen werden die Songs von Yazmin Laceys warmer Stimme, die kraftvoll ist, aber immer eine angenehme Bescheidenheit ausstrahlt. Dazu kommen die unkaschiert ehrlichen Texte der Sängerin. Der Titel "Own Your Own" richtet sich zuallererst an Yazmin Lacey selbst:

"Ich glaube, ich habe mich nicht so stark gefühlt, als ich den Song geschrieben habe. Das war meine Art, mich aufzubauen. So wie im Film, wenn jemand vor dem Spiegel steht und sich selbst motiviert. Der Song 'Own Your Own' ist eine Art Selbstgespräch: 'Du und deine Erfahrungen haben eine Berechtigung. Deine Geschichte und deine Worte haben Geltung. Dein Körper ist würdig.' Gleichzeitig soll der Song daran erinnern, ab und an zu überprüfen, wie es einem eigentlich selbst geht. Manchmal ändern sich die Dinge in Lichtgeschwindigkeit und wir vergessen, auf uns selbst zu achten."

"Irgendwann habe ich einfach gelernt, mich zu entspannen"

Wenn sie singt, findet Yazmin Lacey zu ihrem ganz eigenen Ausdruck. Das war schon immer so. Nur brauchte sie dafür kein Publikum. Warum auch. Eine Karriere im Musikbusiness hatte sie nicht im Sinn und auch mit ihrem Job als Sozialarbeiterin im britischen Nottingham war sie durchaus zufrieden.

Irgendwann passierte es dann aber doch: An einem Abend – mit dem eventuell ein oder anderen Drink – ließ sich Yazmin Lacey überreden und fing spontan an zu singen. Auf das Ständchen im Raucherbereich folgte die Einladung, einen kleinen Gig zu spielen. Danach kam eins zum anderen.

"Ich hatte Lust darauf, aber es war auch ein Schock für mich. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Musik etwas Ernstes für mich werden würde. Erst waren da ein paar Gigs, dann plötzlich immer mehr Auftritte. Das hat sich angefühlt, als hätte ich das Hochstapler-Syndrom. Als würde ich eine Rolle spielen: Heute Abend tue ich so, als sei ich eine Sängerin und morgen geht es dann zurück in meinen eigentlichen Job. Aber irgendwann habe ich einfach gelernt, mich zu entspannen."

Yazmin Lacey begann zunächst, die beiden Jobs parallel zu meistern. Dann wurde die Musik zum Hauptberuf.

Inspiriert von Dodo Greene

Mittlerweile hat sich die Sängerin zu einem festen Bestandteil der britischen Jazz-Szene gemausert. Auf dem Album "Blue Note Re:imagined", einer britischen Hommage an das legendäre Jazz-Label (unsere Besprechung), steht Yazmin Lacey in einer Reihe mit KünstlerInnen wie Nubya Garcia, Shabaka Hutchings und Jorja Smith. Mit ihrer Version des Pop-Standards "I’ll Never Stop Loving You" zeigt Lacey, dass sie sich den Platz in der so gefeierten jungen Szene verdient hat.

Für ihre Interpretation des Songs hat sich Yazmin Lacey von der Sängerin Dodo Greene inspirieren lassen, die den Song 1962 für Blue Note aufgenommen hat.

"Blue Note ist Kult! Aber Dodo Greene kannte ich am Anfang gar nicht so gut. Es war total spannend, ihre Geschichte zu erforschen und ich liebe ihre Stimme. Der Klang ist einzigartig! Aber ich habe keine langjährige Verbundenheit zu ihr als Künstlerin. Also konnte ich den Titel mit einem ganz neuen Blick angehen. Ich hatte nicht den Druck, jemandem gerecht werden zu müssen."

Kunst und Jugendarbeit

Genau diese Herangehensweise, diese Leichtigkeit, macht die Musik von Yazmin Lacey im Jahr 2020 aus. Die Sängerin weiß ihr Können zu schätzen, aber sie nimmt sich selbst nicht zu ernst. Es scheint, als habe sie schlussendlich erkannt, welches Riesenpotenzial in ihr steckt.

Dass sie auf ihrem Weg zur Musik einige Schlenker gemacht hat, stört die Sängerin nicht. Im Gegenteil: Sie will in Zukunft eine Möglichkeit finden, ihre Kunst und die Jugendarbeit zu verknüpfen. Eintauschen würde Yazmin Lacey die Musikkarriere aber um keinen Preis.

(hte)

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