Zum Tod von Janosch: Der Vater der Tigerente

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Illustrator und Geschichtenerzähler Janosch posiert am 25.09.2010 in der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen vor seinem Bild "Der Tiger mit grüner Nase".
Illustrator und Geschichtenerzähler Janosch posiert am 25.09.2010 in der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen vor seinem Bild "Der Tiger mit grüner Nase". © picture alliance / dpa / Roland Weihrauch
Von Sören Brinkmann |
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Der kleine Tiger, der kleine Bär und die Tigerente: Horst Eckert alias Janosch hat die bekanntesten Kinderbuchfiguren Deutschlands geschaffen. Jetzt ist er im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa gestorben.
Es sind vor allem die Erfahrungen aus seiner Kindheit und frühen Jugend, die Janosch beschäftigen, sein Leben prägen und zwischendurch fast zugrunde richten: „Ich musste diesen ganzen Mist aus mir herausbringen. Ich habe eigentlich das ganze Leben aufgewendet, um die Kindheit zu vergessen. Vergessen ist natürlich eigentlich falsch. Das soll man verarbeiten. Da war einerseits die Kirche, dann war der Vater, der einen bedroht hat, dann war die HJ.“
Geboren wird Janosch als Horst Eckert am 11. März 1931. Das frühe Leben ist geprägt von einer unheimlichen Angst: Angst vor dem Vater, der trinkt und gewalttätig ist, und vor der strengen Erziehung in der Kirche. Er selbst nennt es später einmal seine "katholische Psychose".
Verknüpft sind diese Erinnerungen auch mit seinem Geburtsort Hindenburg, einer Bergarbeiterstadt in Oberschlesien, die ab 1945 Polnisch ist und Zabrze heißt. Jahrzehntelang besucht er diesen Ort nicht und doch sagt er im Alter ohne Zögern: „Meine Heimat ist eigentlich Polen, da wo ich geboren bin.“

Bücher für Kinder und Erwachsene

Die Eindrücke aus seiner Geburtsstadt fließen auch in eines seiner Bücher ein. Kein Kinderbuch. Ein Roman für Erwachsene aus der sogenannten Schlesien-Trilogie: „Von dem Glück, Hrdlak gekannt zu haben“.

Auch Menschen, die irgendwo wegen eines Verbrechens gesucht wurden, waren hierhergekommen, weil man sie da nicht fand. Sie konnten in den Kohlegruben unter der Erde verschwinden, meinten, das sei immer noch besser als die Guillotine oder Zwangsarbeit.

Als das Fallbeil vielleicht ja, doch als die Zwangsarbeit – nein. Wer einmal in die Grube einfuhr, kam sein Lebtag nicht mehr heraus. An den Sonntagen für ein paar kurze Stunden, aber sonst: Fehlanzeige. Und alle, die da gezwungenermaßen als Soldaten oder freiwillig auf Arbeitssuche oder unfreiwillig auf der Flucht durchgekommen waren, sie alle hatten ein paar Kinderchen hinterlassen.

Aus „Von dem Glück, Hrdlak gekannt zu haben“ von Horst Eckert

In diesem kulturell durchmischten Umfeld wächst Janosch auf. In der Familie wird eigentlich Polnisch gesprochen. Mit dem Sohn aber spricht man Deutsch.
Wie so viele aus seiner Generation erlebt Horst Eckert als Kind die Nazi-Herrschaft, das Grauen des Krieges und anschließend Flucht und Vertreibung. Mit 13 Jahren macht er eine Schmiede- und Schlosserlehre.
Nach dem Krieg arbeitet er in einer Textilfabrik in Oldenburg. Dann – 1953 – geht er mit Anfang 20 nach München mit dem Vorsatz, Maler zu werden. Nach einigen Probesemestern muss er die Kunstakademie aber verlassen. Ihm wird mangelndes Talent bescheinigt.
Er verfällt jahrelang dem Alkohol, seit den späten 50er-Jahren nennt er sich Janosch, schreibt erste Bücher. Damals sagt er in einem Interview: „Ich verbringe mehr Zeit damit, herauszustreichen. Also, ich schreibe erst den ganzen Schund, der mir einfällt, hin. Und dann schreibe ich das mindestens noch 22 Mal, um alles wegzustreichen, was nicht sein muss.“

Durchbruch erst mit 47 Jahren

Sein Durchbruch kommt 1978 mit den Geschichten vom Bär, dem Tiger und dessen Tigerente. Janosch ist damals schon 47. Mit dem Buch „Oh, wie schön ist Panama“ etabliert sich Janosch als Deutschlands erfolgreichster und bekanntester Bilderbuchkünstler.
Tiger und Bär machen sich auf den Weg, um das Ziel ihrer Träume in Panama zu finden. Doch dieses Ziel finden sie schließlich zuhause. Freundschaft, Wärme, Toleranz und Sinnsuche; es sind die typischen Motive in vielen der Janosch-Geschichten.
In den 80er-Jahren werden in „Janoschs Traumstunde“ etliche seiner Geschichten für das Fernsehen produziert, seine Figuren sind inzwischen überall präsent.
Die Urheberrechte an den Janosch-Figuren und -Geschichten werden 2001 in einer eigenen Gesellschaft zusammengefasst, die Anteile daran verkauft der Autor später. Immer wieder behauptet Janosch, über den Tisch gezogen worden zu sein und lediglich ein geringes Honorar zu erhalten.

In Deutschland war er nicht gerne

In all dem Trubel, der so oft um Janosch herrscht, wenn er in Deutschland auftritt, gibt er sich ruhig. Mit seiner scheuen und zurückhaltenden Art versteht er es aber auch, sich zu inszenieren. Seinen Unwillen etwa, Interviews zu geben, erwähnt er so oft, dass er irgendwann ständig darauf angesprochen wird.
Er gibt sich verschlossen, um dann doch alle Fragen auf seine eigene Art zu beantworten. Oft verwischen dabei die Grenzen zwischen Ironie und Ernst.
Dazu sagt er selbst: „So eine Verwirrung habe ich gerne. So dass man sich fragt: was ist denn mit dem los? Ist der so dumm? Das ist mein Spieltrieb.“
Und diesen Spieltrieb hat er sich bis ins hohe Alter bewahrt. „Ich habe immer Antworten auf Fragen, die gar nicht gestellt wurden.“ Nur eine Frage nervt ihn doch. „Diese scheiß Tigerente“, sagt er einmal in einem Interview. Von seinen Kritikern wird dieser großgewachsene Mann mit buschigem Schnurbart auch als konservativ und derbe chauvinistisch bezeichnet.
Seit 1980 lebt Janosch mit seiner Lebensgefährtin zurückgezogen in einem alten Backofenhaus in den Bergen von Teneriffa. „Ich bin nicht so gern in Deutschland, ich weiß nicht warum. Keine Ahnung. Mit gefällt es da besser. Das sind Felder, da ist alles wild.“
Und er fügt hinzu, wie gerne er dort unterwegs ist. Vielleicht ist dies sein Panama – weit entfernt von den Erinnerungen, die Janosch zeitlebens begleiten.
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