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Kompressor | Beitrag vom 26.03.2021

Jan Böhmermanns "ZDF Magazin Royale"Im Netz noch besser als im Fernsehen

Leonhard Dobusch im Gespräch mit Gesa Ufer

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Jan Böhmermann blickt kritisch-spöttisch in die Kamera, eine Augenbraue hochgezogen. Er trägt Anzug und Krawatte und steht im Dunklen. Ein Spalt rotes Licht leuchtet auf seine Augenpartie und setzt diese so in den Fokus des Fotos. (ZDF / Jens Koch)
Jan Böhmermanns "ZDF Magazin Royale" funktioniert auf Youtube noch besser als im Fernsehen, meint Leonhard Dobusch. (ZDF / Jens Koch)

Jan Böhmermann hat es mit den "ZDF Magazin Royale" ins Hauptprogramm des Senders geschafft. Dort erklärt er Kolonialismus mit einem "Candy Crush" spielenden Kolumbus. Die Show bringe digitale Kultur ins TV, findet Leonhard Dobusch.

Seit gut einem halben Jahr läuft das "ZDF Magazin Royale" mit dem Satiriker Jan Böhmermann im Hauptprogramm des Senders. Für viele Zuschauerinnen und Zuschauer ist die Sendung zu einem festen Termin am Freitagabend geworden.

Böhmermann kommentiere in seiner Show nicht nur satirisch die Nachrichtenlage, betont Leonhard Dobusch, Wirtschaftswissenschaftler und Mitglied im ZDF-Fernsehrat für das Internet. Seit dem Wechsel ins Hauptprogramm gelinge es dem Satiriker auch, auf Basis eigener Recherchen oder Recherchekooperationen Themen zu setzen. Ein Beispiel dafür sei die Sendung zum Berliner Humboldt-Forum gewesen.

Diese zeigte unter anderem ein Erklärvideo "Kolonialismus in 100 Sekunden", das lauter zeitgenössische Referenzen beinhaltet: Kolumbus will darin nach dem Abi "Work and Travel" in Indien machen und spielt auf der Überfahrt "Candy Crush".

Voller Referenzen, Gags und Memes

"Es ist mehr als nur Parodie", sagt Dobusch. "Es entspricht zeitgemäßer digitaler Remix- und Memekultur." Die Shows seien fast schon überladen mit Referenzen und Subtexten.

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"Ich glaube, kaum jemand wird überhaupt all diese unzähligen Anspielungen einer Sendung mitbekommen. Das ist aber kein Bug, sondern ein Feature." Im Internet gebe es viele Teilöffentlichkeiten. Diese würden alle durch den Überschuss an Referenzen, Anspielungen, Remixes, Gags und Memes abgeholt.

Eine Show fürs Internet   

Dobusch findet, dass Böhmermanns Sendung im Internet noch besser funktioniert als im linearen Fernsehen. Das zeige beispielsweise die mehr als 1,5 Millionen Mal auf Youtube abgerufene Parodie "Ischgl-Fieber": Jan Böhmermann gibt in dem Video den Sänger "Tommy Tellerlift", das Lied klingt wie ein Après-Ski-Hit.

Er habe eine halbe Stunde damit verbracht, die Kommentare unter dem Video zu lesen und sich dabei "prächtig unterhalten" gefühlt, sagt Dobusch: Unter den Youtube-Videos vom "ZDF Magazin Royale" fänden sich dutzende, bisweilen hunderte Kommentare, die die Gags aufgriffen und weiterspönnen.

Best-of der US-Satire

Mit seiner Show habe Böhmermann eine Art Best-of diverser US-amerikanischer Satiresendungen geschaffen, findet der Wirtschaftswissenschaftler. Auch das andere große Satireformat im ZDF, die "heute-show", orientiert sich an einem Vorbild aus den USA, der "Daily Show". Die "heute-show" sieht Dobusch allerdings kritisch.

Die Grundidee, politische Nachrichtensatire nach Deutschland zu holen, sei gut und begrüßenswert, die Kopie aber nur teilweise gelungen: "Es gibt kaum eine Sendung, die ohne irgendwelche Zoten und Kalauer auskommt, die teilweise auch Minderheiten abwerten", meint Dobusch. Das wirke ab und an wie aus den 60er- oder 70er-Jahren und sei nicht mehr zeitgemäß.

(jfr)

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