Seit 09:05 Uhr Im Gespräch
Samstag, 15.05.2021
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Kompressor | Beitrag vom 19.04.2021

Jan Böhmermanns "Freizeit Magazin Royale"Angriff auf den Erfindungsgeist der Klatschpresse

Mats Schönauer im Gespräch mit Gesa Ufer

Jan Böhmermann, TV-Entertainer, und Gewinner des Preises für Unterhaltung bei der Preisverleihung der „Journalistinnen und Journalisten des Jahres 2019“ (picture alliance / Christophe Gateau)
Der Satiriker und Moderator Jan Böhmermann hat ein Heft mit dem Titel "Freizeit Magazin Royale" zwischen die Klatschpresse geschmuggelt. (picture alliance / Christophe Gateau)

Mit "Freizeit Magazin Royale" war Jan Böhmermann am Wochenende im Regal zwischen den Klatschblättern vertreten. Mats Schönauer vom Medienblog "Übermedien" war an der Produktion beteiligt und erklärt, warum er die Regenbogenpresse für gefährlich hält.

"Phillipp Welte – Horrordiagnose Krebs", darunter klein gedruckt: "Oder ist er Jungfrau oder Steinbock?". Außerdem: "Verlegerkönig Hubert Burda – Wie er mit Intrigen, Inzucht und Inkontinenz Millionen machte": Auf diese Überschriften stieß man am Wochenende beim Blick ins Zeitschriftenregal. Der Satiriker und Moderator Jan Böhmermann hatte ein Heft mit dem Titel "Freizeit Magazin Royale" zwischen die Klatschpresse geschmuggelt. Entstanden sind das Heft und das flankierende "ZDF Magazin Royale" in Zusammenarbeit mit der Redaktion des Medienblogs "Übermedien".

Manche Leser vertrauen der Klatschpresse 

Mats Schönauer von "Übermedien" hält den Einfluss der sogenannten Regenbogenpresse für nicht trivial. Es gebe noch ganz viele Menschen, die glauben, was in diesen Heften stehe.

"Ich finde gefährlich, dass hier die Grenze zwischen Fakt und Fiktion verwischt wird", sagt Schönauer und nennt als jüngstes Beispiel die Berichterstattung zum Tod von Prinz Philip.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

"Ich habe einige Reportagen gelesen, die so geschrieben waren, als hätten die Redakteure quasi mit am Sterbebett gesessen. Wo detailliert geschildert wurde, was er in seinen letzten Minuten gemacht hat, gesagt hat, wie die Queen sich verhalten hat. Und das war ganz klar so aufgeschrieben, als wäre es echt passiert", berichtet der Journalist.

"Nun habe ich aber in drei verschiedenen Zeitschriften drei verschiedene Szenarien gelesen, das heißt mindestens zwei müssen ja schon mal erfunden worden sein."

Verletzung journalistischer Mindeststandards

In diesen Zeitschriften würden regelmäßig und konsequent journalistische Mindeststandards verletzt, was Jan Böhmermann in seiner Sendung auch gezeigt habe.

In der Fernsehsendung "ZDF Magazin Royale" wurde der Medienanwalt Christian Schertz zitiert, der davon ausgeht, dass unwahre Behauptungen im Vorfeld mit einberechnet würden. "Also ich gehe auch davon aus, Beweise haben wir dafür erst mal nicht", sagt Schönauer dazu. "Woran wir das gut erkennen können, ist, dass die Prominenten, die dafür bekannt sind, dagegen vorzugehen – Helene Fischer oder Günther Jauch –, dass die vorsichtiger angefasst werden." Diese Artikel seien so formuliert, dass sie wenig juristische Angriffsfläche böten.

(cwu)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Fazit

Residenztheater München"Hamlet" überzeugt nur teilweise
Johannes Nussbaum als Hamlet steht auf der Bühne und hält einen Totenkopf. (Rezidenztheater München / Birgit Hupfeld)

191 Tage war das Münchner Residenztheater zu. Nun hat es für 200 Gäste wieder seine Türen geöffnet und startet mit einer Inszenierung von Shakespeares „Hamlet“. Kritiker Michael Laages lobt den ersten Teil und ist vom zweiten umso mehr enttäuscht. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur