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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 29.05.2019

James Donovan: "Apollo 11: Der Wettlauf zum Mond"Über die Dimensionen der ersten Mondreise

Von Gerrit Stratmann

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Das Buchcover vor dem Hintergrund des vom Mond aus aufgenommenen Erdglobus. (Buchcover: Deutsche Verlags Anstalt / Imago)
Es war ein langer, beschwerlicher Weg zum Mond. In seinem neuen Buch vermittelt James Donovan einen guten Einblick in die Hindernisse, die dafür überwunden werden mussten. (Buchcover: Deutsche Verlags Anstalt / Imago)

Die Mondlandung jährt sich in diesem Sommer zum 50. Mal. James Donovans Buch über die Mondmission gestattet detailreiche Einblicke in die Abläufe. Für Astronaut Michael Collins ist es "das beste Buch über die Apollo-Mission, das es gibt."

"Wir haben uns die Angst buchstäblich abtrainiert", erinnert sich Walter Schirra, Kommandant von Apollo 7. Dabei gab es genügend Gründe, Angst zu haben: Millionen Bauteile, die einen Defekt aufweisen konnten, machten jeden Raketenstart zu einem riskanten Unternehmen. In seinem Buch "Apollo 11" fasst der amerikanische Sachbuchautor James Donovan den langen und gefahrvollen Weg des Menschen zum Mond pünktlich zum 50. Jubiläum noch einmal zusammen.

Angefangen bei Wernher von Brauns V2-Rakete im Zweiten Weltkrieg, rekapituliert Donovan die Chronologie der Raumfahrt bis zum erfolgreichen Abschluss der ersten Mondlandemission im Juli 1969. Auslöser für den Wettlauf zum Mond war bekanntlich der "Sputnik-Schock". Die UdSSR hatte 1957 den ersten Satelliten in einen Erdorbit geschossen. Das Selbstverständnis der Amerikaner, technologisch führende Weltmacht zu sein, geriet dadurch gehörig ins Wanken.

Armstrong, Aldrin und Collins waren nur die sichtbaren Helden

Auch wenn die USA diesen Wettlauf mit Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins gewinnen sollten, macht der Autor deutlich, dass die drei Astronauten nur die sichtbarsten Helden dieses Unterfangens gewesen sind. Seine Nacherzählung der Ereignisse zollt auch vielen Beteiligten hinter den Kulissen namentlich Respekt, die für Verwaltung, Planung, Flugaufsicht, Training, Programmierung und Raketenbau zuständig waren.

Die tastenden Fortschritte des amerikanischen Raumfahrtprogramms kontrastiert Donovan mit wagemutigen Erfolgen der Sowjets (der erste Mensch im All, die erste Kapsel mit drei Kosmonauten an Bord, der erste Weltraumspaziergang). Auch die politischen Ereignisse der 60er Jahre bettet er ein – die Kuba-Krise, den Mord an Kennedy, Vietnamkrieg, die Bürgerrechtsbewegung.

Ein ungeheuerliches Vorhaben

Im Zentrum seiner gut lesbaren Erzählung stehen jedoch die Menschen und Missionsverläufe der Mercury-, Gemini- und Apollo-Raumfahrtprogramme der NASA. Auf Formeln und Raketengleichungen verzichtet er komplett. Donovan reichen wenige Zahlen, um die Komplexität der Raumfahrt zu verdeutlichen: Beim Start wog die ebenfalls von Wernher von Braun konstruierte Mondrakete Saturn V 3000 Tonnen. Die Kapsel, die vom Mond zurückkehrte, war nur noch fünf Tonnen schwer.

Dutzende auf Hochglanzpapier gedruckte Fotos in der Buchmitte bebildern jede Phase dieses Menschheitsabenteuers. James Donovan hat im Zuge seiner Recherchen noch einmal viele der Beteiligten interviewt.

Wesentliche neue Facetten kann er der Geschichte der Mondlandung zwar nicht hinzufügen, dennoch gelingt ihm ein detailreicher Ein- und Überblick, mit dem er sehr nah an den beteiligten Personen bleibt, und es geschickt versteht, die Dimension dieses ungeheuerlichen Vorhabens auch heute noch erlebbar zu machen.

James Donovan: "Apollo 11. Der Wettlauf zum Mond und der Erfolg einer fast unmöglichen Mission"
Aus dem Englischen von Hainer Kober
Deutsche Verlags Anstalt, München 2019
544 Seiten, 28  Euro

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