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Kompressor | Beitrag vom 07.11.2019

James Deans digitale AuferstehungEin Toter in der Hauptrolle

Thomas Klein im Gespräch mit Gesa Ufer

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James Dean schlägt Gegner nieder: Bild für den Film "Jenseits von Eden" (1955). (picture alliance / dpa / Collection Christophel / Warner Bros)
In den 50er-Jahren galt James Dean als Jugendidol - hier in "Jenseits von Eden" (1955). (picture alliance / dpa / Collection Christophel / Warner Bros)

In „Finding Jack“ soll der vor 65 Jahren verstorbene Filmstar James Dean mitspielen: digital reanimiert. Ein Publicity-Gag, glaubt Filmkritiker Thomas Klein. Lange kann es aber nicht mehr dauern, bis digitalkopierte Untote über Kinoleinwände geistern.

Wer bitte glaubt denn eigentlich noch an so altmodische Einrichtungen wie Tod oder Vergänglichkeit. Die Produzenten des Films "Finding Jack" jedenfalls nicht. Nachdem sie lange und vergeblich nach einem Hauptdarsteller für ihr Vietnam-Epos gesucht hatten, steht jetzt fest: James Dean soll die Rolle bekommen.

Wozu ausgerechnet James Dean?

Dass der vor fast 65 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam - kein Hinderungsgrund. Er wird einfach per Computergrafik ins Bild gemorpht. In der Romanverfilmung geht es eigentlich um Hunde, die nach dem Abzug der US-Truppen aus Vietnam dort zurückgelassen wurden. "Eine Fußnote der Geschichte, die da illustriert wird", sagt der Filmkritiker Thomas Klein.

Wozu bei diesem Filmthema ausgerechnet James Dean als Schauspieler gebraucht wird? – All das weiß man noch nicht. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Wiederauferstehung "eher ein Publicity-Gag sein soll, mit dem man sich ins Gespräch bringen will". Zumal die Produktionsfirma des Films kein großer Player in Hollywood ist, sondern eher eine "kleinere Bude".

Die Rückkehr der Hollywood-Legenden steht bevor

Schaut man sich den aktuellen Stand der Technik an, kann es aber nicht mehr lange dauern, bis Humphrey Bogart, Marilyn Monroe und alle anderen Hollywood-Legenden als digitalkopierte Untote über die Bildschirme geistern. "Es ist ja tatsächlich so, dass wir lange, lange Zeit geglaubt haben, dass uns derartige Sperenzchen erspart bleibt, weil die technischen Möglichkeiten nicht da sind", sagt Klein. Vergeblich.

Mittlerweile könne man jede x-beliebige Person im Video alles sagen und tuen lassen. Ein paar Fotos und ein paar Videos als Ausgangsmaterial genügen, um neue Videoaufnahmen zu generieren.

Eine bedenkliche Entwicklung

Geht der Beruf des Schauspielers und die Zeit der großen Hollywoodstars aufgrund dieser Entwicklung seinem Ende entgegen? – Schließlich genügt es mittlerweile, dass sich ein junger, unbekannter Schauspieler in einen Motion-Capture-Suit quetscht und bestimmte Bewegungen macht, die dann am Rechner Hollywoods Untoten auf den Leib geschneidert werden.

"Im Grunde heißt das für jeden großen Superstar wie Leonardo DiCaprio, wenn der keine Lust mehr hat, wenn der verstorben ist, kann es gut und gerne passieren, dass der Produzent sagt: 'So, wir drehen jetzt ‚The Beach II‘. Und wenn das Original nicht zur Verfügung steht, holen wir es uns von der Festplatte'", sagt Klein. "Das finde ich relativ bedenklich."

(lkn)

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