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Interview | Beitrag vom 14.11.2019

Jahresbericht von "The Lancet Countdown"Der Klimawandel bedroht unsere Gesundheit

Annette Peters im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Das Foto zeigt einen Notfalleinsatz in einem Rettungswagen - die Szene ist gestellt. (picture alliance / imageBROKER / Jochen Tack)
Notfalleinsatz bei Herzpatient (gestellte Szene): Besonders chronisch kranke Menschen leiden unter der zunehmenden Hitze im Sommer in Deutschland. (picture alliance / imageBROKER / Jochen Tack)

Nicht nur die Pflanzen leiden in Deutschland unter dem Klimawandel, sondern inzwischen auch immer mehr die Menschen. Vor dem Hintergrund einer neuen Studie verlangt die Epidemiologin Annette Peters, das Gesundheitssystem darauf einzustellen.

Der Klimawandel bedroht die Gesundheit von Menschen überall auf der Welt. Zu dieser Einschätzung kommt der Jahresbericht des Klimaforschungsprojekts "The Lancet Countdown".

Das Problem ist keines zukünftiger Generationen – es ist der Studie zufolge bereits jetzt virulent. Und auch gemäßigte Klimazonen sind schon jetzt betroffen.

Gefährlich ist vor allem die Hitze

Gefahr für Leib und Leben besteht auch hierzulande, in Deutschland. "Nicht nur die Gletscher schmelzen, wir sind jetzt in einer Situation, wo der Klimawandel anfängt, unsere Gesundheit zu beinträchtigen", sagt Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München.

Problematisch sind Peters zufolge besonders die heißen Sommer und die Hitze. Deutschland habe dieses Jahr einen Rekordsommer erlebt, 2018 sei der zweitheißeste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Wenn man die Daten des Augsburger Herzinfarktregisters auswerte, sehe man einen Zusammenhang zwischen der Hitze und mehr Herzinfarkten, der in gemäßigteren Jahren nicht zu beobachten gewesen sei, so Peters.

Blutgerinnung, Blutdruck, Entzündungsmarker

"Die Hitze kommt jetzt auch bei uns an", warnt Peters. Bei Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei zu beobachten, dass sich Blutgerinnung und Blutdruck veränderten, Entzündungsmarker gingen hoch an Tagen mit hoher Hitze-Belastung. Auch eine Zunahme von Infektionskrankheiten sei zu beobachten. So seien Tropenkrankheiten in Deutschland auf dem Vormarsch. Da sich die Blütezeiten von Pflanzen verändern, müssten Allergiker ebenfalls mehr leiden.

Das gesamte deutsche Gesundheitssystem müsse sich auf den Klimawandel einstellen, fordert die Expertin. Notwendig sei unter anderem die Ausarbeitung von Notfallplänen. Zudem sei es wichtig, die medizinischen Berufe auf die klimatischen Veränderungen vorzubereiten – an heißen Tagen könnten chronisch kranke Patienten, die sonst als stabil gelten, große Probleme bekommen. "Hier ist Vorsorge notwendig", sagt Peters – Prävention sei besser, als den kranken Menschen dann behandeln zu müssen.

(ahe)

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