Ist seine Zeit gekommen?
"Meine Zeit wird kommen" – "Sterben werd’ ich, um zu leben": Gustav Mahler hat sich über die Zukunft seiner Musik in unterschiedlichen Zusammenhängen geäußert. Ist diese Zeit gekommen? Ist sie schon vorbei – oder kommt sie noch? Angesichts von Mahlers fast unheimlicher Präsenz im heutigen Musikleben stellen sich manche Fragen. Nicht zuletzt diese: Gibt es hier eigentlich noch etwas zu entdecken?
"Musste uns Mahler mit Holzhammer und Rute dialektisches Hören beibringen, damit wir ihn zum Grökaz küren und unsere Musentempel wieder etwas zum Räuchern haben?" Der Komponist Helmut Lachenmann schrieb sich 1975 förmlich in Rage, als er an die Popularität Gustav Mahlers dachte. 35 Jahre später scheint die Sache etwas entspannter auszusehen – Stücke des einstigen Rebells Lachenmann finden sich längst auf gediegenen Konzertprogrammen, und wenn er demnächst mit den Berliner Philharmonikern eine weitere Spitzen-Institution "einnehmen" wird, ist es nicht weiter verwunderlich, dass seine Musik ausgerechnet mit der Gustav Mahlers kombiniert werden wird.
Im Guten wie im weniger Guten scheint Mahlers Musik heute auf jede Gelegenheit zu passen. Zu Mahlers Lebzeiten wurde sein Werk wenig gespielt und galt – von wenigen Erfolgen abgesehen – als "Kapellmeistermusik". Nach seinem Tod 1911 hielten ihm vor allem jene Dirigenten die Treue, die noch im Banne der Mahlerschen Persönlichkeit standen. Im Zuge der Feiern zu seinem 100. Geburtstag 1960 wurde gewissermaßen der Hebel umgelegt: Mahler eroberte Konzertsäle und vor allem Plattenstudios, die zu seiner komplexen, oftmals "stereophon" gedachten Musik ideal zu passen schienen. Leonard Bernsteins ekstatische Mahler-Interpretationen rissen die Menschen hin – aber nicht notwendigerweise dahin, wo der Kern von Mahlers Schaffen liegen könnte.
Jahrzehnte später zeigt die Mahler-Interpretation viele Abnutzungserscheinungen. Die Neuveröffentlichungen zum derzeitigen Mahler-Gedenktag bringen nur selten wirklich Neues. Einige Impulse gehen indes von der Alte-Musik-Bewegung aus, die inzwischen auch bei Mahler nach dem "Urtext" und nach dem teils anderen Klang der zu seiner Zeit verwendeten Orchesterinstrumente sucht. Diese Ansätze will der Themenabend vorstellen und mit einigen historischen Aufnahmen vergleichen. Überdies freuen wir uns sehr, dass sich Dietrich Fischer-Dieskau kurzfristig bereit erklärt hat, seine durch jahrzehntelange Beschäftigung in Theorie und Praxis gewachsenen Ansichten zu Gustav Mahler mit uns, mit Ihnen zu teilen.
"Sterben werd’ ich, um zu leben"
Gustav Mahlers Musik, 100 Jahre nach dem Tod des Komponisten
Ausschnitte aus Neueinspielungen mit Christian Gerhaher, Thomas Hampson, Philippe Herreweghe, Sir Roger Norrington, David Zinman u.a. sowie aus wiederentdeckten historischen Aufnahmen mit F. Charles Adler, Jascha Horenstein, Bruno Maderna u.a.
Dietrich Fischer-Dieskau im Gespräch mit Karl Dietrich Gräwe
Moderation: Olaf Wilhelmer
ca. 20:45 Uhr Nachrichten
Im Guten wie im weniger Guten scheint Mahlers Musik heute auf jede Gelegenheit zu passen. Zu Mahlers Lebzeiten wurde sein Werk wenig gespielt und galt – von wenigen Erfolgen abgesehen – als "Kapellmeistermusik". Nach seinem Tod 1911 hielten ihm vor allem jene Dirigenten die Treue, die noch im Banne der Mahlerschen Persönlichkeit standen. Im Zuge der Feiern zu seinem 100. Geburtstag 1960 wurde gewissermaßen der Hebel umgelegt: Mahler eroberte Konzertsäle und vor allem Plattenstudios, die zu seiner komplexen, oftmals "stereophon" gedachten Musik ideal zu passen schienen. Leonard Bernsteins ekstatische Mahler-Interpretationen rissen die Menschen hin – aber nicht notwendigerweise dahin, wo der Kern von Mahlers Schaffen liegen könnte.
Jahrzehnte später zeigt die Mahler-Interpretation viele Abnutzungserscheinungen. Die Neuveröffentlichungen zum derzeitigen Mahler-Gedenktag bringen nur selten wirklich Neues. Einige Impulse gehen indes von der Alte-Musik-Bewegung aus, die inzwischen auch bei Mahler nach dem "Urtext" und nach dem teils anderen Klang der zu seiner Zeit verwendeten Orchesterinstrumente sucht. Diese Ansätze will der Themenabend vorstellen und mit einigen historischen Aufnahmen vergleichen. Überdies freuen wir uns sehr, dass sich Dietrich Fischer-Dieskau kurzfristig bereit erklärt hat, seine durch jahrzehntelange Beschäftigung in Theorie und Praxis gewachsenen Ansichten zu Gustav Mahler mit uns, mit Ihnen zu teilen.
"Sterben werd’ ich, um zu leben"
Gustav Mahlers Musik, 100 Jahre nach dem Tod des Komponisten
Ausschnitte aus Neueinspielungen mit Christian Gerhaher, Thomas Hampson, Philippe Herreweghe, Sir Roger Norrington, David Zinman u.a. sowie aus wiederentdeckten historischen Aufnahmen mit F. Charles Adler, Jascha Horenstein, Bruno Maderna u.a.
Dietrich Fischer-Dieskau im Gespräch mit Karl Dietrich Gräwe
Moderation: Olaf Wilhelmer
ca. 20:45 Uhr Nachrichten
