Israelisches Liedgut

Von Luigi Lauer |
Für die Musikerin Noa haben die Lieder auf ihrem neuen Album "The Israeli Songbook" die Kraft über sprachliche oder geografische Grenzen hinauszuwirken. Die Werke zählen zum Schatz des populären Liedgutes in Israel.
Noa, Album "The Israeli Songbook", Track 2, Yalda im Tzamot

"Das israelische Liederbuch, Shir Eretz Israel, bildet die Grundlage unseres neuen Albums. Das Buch ist eine Sammlung klassischer israelischer Lieder, die in etwa zwischen den 1930er- und 1980er-Jahren entstanden. Diese Lieder sind für die israelische Kultur sehr wichtig, weil sie zum einen die Wiedergeburt der hebräischen Sprache reflektieren. Zum anderen spiegeln sie Israels Suche nach Identität innerhalb seines vielfältigen Hintergrunds und seiner Bevölkerung wieder, die ja aus aller Welt nach Israel kam. Diese Leute brachten die Einflüsse aus ihren Ländern mit, die dann langsam die moderne israelische Identität formten. Die Dichter und Komponisten kamen vor allem aus Europa, wundervolle Texte in Hebräisch, die dann vertont wurden. All das zusammen hat diese wundervolle Musiktradition hervorgebracht, die in Israel auch heute noch sehr stark ist."

Noa, Album "The Israeli Songbook", Track 7, Hayu leilot

Noa wuchs mit diesen Liedern auf, doch ihre musikalische Sozialisation ist weit umfassender. Sie ist zwar 1969 in Tel Aviv geboren, wuchs aber in New York auf mit Musik von Jazzgrößen wie Ella Fitzgerald, mit Kompositionen von George Gershwin, Songwriter wie Leonard Cohen und mit klassischer Musik. Jetzt sei die Zeit einfach reif gewesen, sagt sie, sich an "The Israeli Songbook" zu wagen. Zumal die Lieder eine Kraft hätten, die weit über sprachliche oder geografische Grenzen hinaus wirke.

"Man muss nicht Israeli oder Jude sein, um diese Lieder zu mögen. Jeder kann etwas damit anfangen, der sich für hervorragende Musik interessiert, feine Texte, gute Arrangements und Kompositionen, für schöne Harmonien und Melodien. Es ist einfach wundervolle Musik. Das war einer der Gründe, warum ich dieses Projekt verwirklichen wollte. Was für Flamenco oder Fado oder andere Musikstile gilt, gilt auch für diese Lieder: Man muss nicht unbedingt Hebräisch sprechen, um sie zu genießen."

Noa, Album "The Israeli Songbook", Track 5, Yesh ey sham

Bei den Liedern des "Israeli Songbook", das ist Noa wichtig, handelt es sich nicht vorrangig um Volksweisen oder Folk. Die Lieder stammten überwiegend von Komponisten, die eine klassische Ausbildung haben. Dass sie dennoch zum Schatz des populären Liedgutes in Israel zählen, erklärt Noa so:

"Zusammen zu singen ist eine fest verankerte Tradition in Israel. Man singt in der Öffentlichkeit, bei kulturellen oder sozialen Veranstaltungen. Man trifft sich zuhause oder in irgendwelchen Kultureinrichtungen und singt zusammen. Sie lieben es, zu singen, und ganz besonders diese Lieder."

Und diese Lieder, aufgenommen mit dem Jerusalem Symphony Orchestra, seien mal fröhlich, mal düster, mal melancholisch oder nostalgisch, immer aber: liebenswert. Bodenständigkeit bei gleichzeitig hohem Niveau – das scheint nicht nur das Album "The Israeli Songbook" auszuzeichnen, sondern auch eine Charaktereigenschaft von Noa zu sein. Denn sie will keineswegs nur für die vergleichsweise kleine Gemeinde der Freunde klassischer Musik auftreten.

"Ich mache Musik für Menschen, für alle, die offen sind, und das beschränkt sich keineswegs auf Intellektuelle oder wen auch immer. Ich spreche alle an, die sich an Musik erfreuen und sie fühlen wollen. Das wird hoffentlich auch passieren, wenn wir zu Konzerten nach Deutschland kommen mit dem herausragenden Solis Streichquartett. Wir werden Auszüge aus dem Album 'Israeli Songbook' spielen sowie Stücke aus anderen Projekten. Ich glaube, dass wir absolut wunderbare Konzerte präsentieren werden, wenn ich das sagen darf. Ich bin sicher, das deutsche Publikum wird die Musik lieben, wir spielen Sachen, die sie noch nie gehört haben und die ganz bestimmt ihre Herzen bewegen werden."

Noa, Album "The Israeli Songbook", Track 14, Layla