Islamistische Ideologie

    Ein Imam gegen die Taliban

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    Eine gemalte Taliban-Flagge an einer Wand
    Machtübernahme: Die Taliban platzierten ihr Logo sogar an der US-Botschaft in Kabul. © imago images / Adrien Vautier / Le Pictorium
    Von Joseph Röhmel · 15.09.2021
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    Die Taliban haben Afghanistan erobert. Ihre Ideologie findet auch außerhalb des Landes immer mehr Anhänger, die hinter verschlossenen Türen den Rechtsstaat verteufeln. Ein Münchner Imam stellt sich dagegen – und wird dafür bedroht.
    Der schnelle Vormarsch der Taliban, der überstürzte Abzug der Bundeswehr und ihrer Verbündeten, dramatische Bilder vom Flughafen in Kabul. Viele Menschen waren über die Lage in Afghanistan, 20 Jahre nach Kriegsbeginn, entsetzt.

    Afghanische Helfer in Gefahr

    Nun sind die Taliban an der Macht und sagen ganz offen, dass sie keinen demokratischen Staat wollen. Ehemalige Helfer der Bundeswehr und anderer westlicher Militärs bangen um ihr Leben. Betroffene, die bereits in Sicherheit sind, müssen tatenlos zusehen.
    Einer von ihnen ist ein Münchner Imam. Schekeb Popal wurde in der bayerischen Hauptstadt geboren und ist dort aufgewachsen. Aber Afghanistan fühlt er sich verbunden. Gerade jetzt nach der Machtübernahme der Taliban. Popal kennt die Islamisten. Er predigt schon seit Jahren gegen sie – für Radiosender in Afghanistan, in Münchner Moscheen und in sozialen Netzwerken.
    Doch die Ideologien der Taliban existieren auch in Europa. Popal berichtet von Leuten, denen in Vorträgen Handys abgenommen wurden, wo hinter verschlossenen Türen demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien verteufelt werden.

    Kritik und Drohungen gegen den Imam

    Durch sein Engagement sieht der Imam sich immer wieder Kritik und auch Drohungen ausgesetzt. Trotzdem möchte er weiter seinen Beitrag leisten – anreden gegen die Taliban, gegen deren Anhänger und wenn es darauf ankommt, auch gegen die gesamte islamistische Welt.
    Auch wenn moderate Muslime ihn kritisieren und erklären, ein Imam solle sich aus der Politik heraushalten: Popal findet, der Sieg der Taliban habe Islamisten auch in Deutschland bestärkt.
    Zum Beispiel den Salafisten und selbsternannten Gefangenenhelfer Bernhard Falk, der Terrorverdächtige der salafistisch-dschihadistischen Szene unterstützt. Popal sagt, Falk wolle ihn diffamieren. Falk wiederum behauptet, Popal sei kein Repräsentant für die Afghanen. Die Machtübernahme der Taliban wäre ohne die Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung nicht denkbar gewesen, sagt Falk – und eher westlich orientierte Afghanen würden jetzt eben "einige Nachteile" zu spüren bekommen.
    Genau gegen diese Sicht kämpft der Münchner Imam Popal.
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