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Buchkritik | Beitrag vom 08.03.2019

Isabel Sánchez Vegara: "Little People, Big Dreams"Von der Kindheit ganz großer Frauen

Von Eva Hepper

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Das Bild zeigt das Buchcover des Bandes "Coco Chanel" von Isabel Sánchez Vegara - im Hintergrund ist eine Porträtaufnahme der Designerin aus dem Jahr 1909 zu sehen. (picture alliance / dpa / akg-images / Insel Verlag)
Die kleine Coco Chanel neben der erwachsenen - das Foto zeigt eine Porträtaufnahme aus dem Jahr 1909. (picture alliance / dpa / akg-images / Insel Verlag)

Isabel Sánchez Vegaras Kinderbuchreihe "Little People, Big Dreams" erscheint erstmals auf Deutsch: In ihren inspirierenden Geschichten erzählt die spanische Autorin aus der Kindheit bekannter Frauen.

Am Anfang stand ein Mangel: Spannende Geschichten für ihren Neffen auszusuchen, war noch leicht gewesen, Ritter, Detektive und Draufgänger ließen sich schließlich überall in der Kinderliteratur finden. Ihren Nichten aber wollte Isabel Sánchez Vegara auch von Abenteurerinnen vorlesen, von mutigen Mädchen also, die die Welt erobern. Aber diese ließen sich kaum entdecken im eigentlich vielschichtigen Kosmos der Kinderbücher. Also schrieb die spanische Autorin kurzerhand die Geschichten selbst.

Heute gehört "Little People, Big Dreams" zu den erfolgreichsten Kinderbuch-Reihen in Spanien und Großbritannien. Tatsächlich erreicht Isabel Sánchez Vegara mit den (realen) Lebensgeschichten von großen Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen und Aktivistinnen aller Couleur eine große Fangemeinde. Mit den ersten jetzt auch auf deutsch erscheinenden Bänden könnte diese noch größer werden.

Sechs Bücher zum Auftakt

Den Auftakt machen zunächst sechs Bücher: Coco Chanel, Marie Curie, Amelia Earhart, Anne Frank, Frida Kahlo und Rosa Parks. Die Texte stammen jeweils von Isabel Sánchez Vegara, die Illustrationen von verschiedenen Gestalterinnen wie etwa der chinesischen Zeichnerin Gee Fan Eng oder dem spanischen Grafikbüro Mariadiamantes.

Das Besondere der Biografien ist ihr erzählerischer Ansatz, denn die Spanierin legt vor allem Gewicht auf die Kindheit ihrer Heldinnen. Sie alle werden eingeführt als eigensinnige Persönlichkeiten, die Mut zum Träumen haben und sich nicht verbiegen lassen.

So nimmt sich die kleine Marie Curie regelrecht vor, Forscherin zu werden, Coco Chanel fällt schon im Waisenhaus als Querdenkerin auf und die junge Amelia Earhart wünscht sich nichts sehnlicher, als zu fliegen. Gekonnt wählt die Autorin wichtige Szenen im Leben ihrer Protagonistinnen aus, und erweckt sie mit kurzen, pointierten Sätzen zum Leben.

Kongenial zu der prägnanten Erzählweise passen die jeweiligen Bildsprachen der hochwertigen Bücher (mit Leinenrücken und festem Einband). Die Illustratorinnen setzen bis auf eine Ausnahme auf bunte, flächige Bilder mit Retrocharme.

Wehende Schals und endlose Weiten

So erfasst Mariadiamantes Amelia Earharts Lust, durch die Lüfte zu reisen, mit hinreißenden Grafiken von Flugzeugen, Pilotinnenkappen, wehenden Schals und endlosen Weiten. Marta Antelo versteht bravourös den amerikanischen Süden Rosa Parks entstehen zu lassen, und Ana Albero lässt Coco Chanel in geradezu konstruktivistischer Weise von ihrem späteren Logo – den ineinander verwobenen Cs – träumen. Allein das Leben von Anne Frank wird konsequent in Schwarz-Weiß illustriert (von Sveta Dorosheva), und versucht so eine behutsame Annäherung an deren von Verfolgung und Gewalt geprägtes kurzes Leben.

Nicht alle Bände sind gleich stark, doch als Reihe überzeugt durchweg. Sie ist inspirierend und macht Mut, den eigenen Weg zu gehen und seine Träume nicht zu verraten. "Wer anders ist, bringt auch andere auf neue Gedanken", schreibt Isabel Sánchez Vegara über Coco Chanel. Wie Recht sie hat, zeigen ihre eigenen Bücher.

Isabel Sánchez Vegara: Little People, Big Dreams
Coco Chanel - mit Ana Albero (Illustration)
Marie Curie - mit Frau Isa (Illustration)
Amelia Earhart - mit Mariadiamantes (Illustration)
Anne Frank - mit Sveta Dorosheva (Illustration)
Frida Kahlo - mit Gee Fan Eng (Illustration)
Rosa Parks - mit Marta Antelo (Illustration)
Insel Verlag, Berlin 2019, je 32 Seiten, 13,95 Euro

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