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Buchkritik | Beitrag vom 09.08.2018

Isabel Allende: "Ein unvergänglicher Sommer"Ein abenteuerlicher Trip

Von Edelgard Abenstein

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Buchcover "Ein unvergänglicher Sommer" von Isabel Allende, im Hintergrund der Blick vom Empire State Building über Manhattan (Suhrkamp Verlag / imago)
Buchcover "Ein unvergänglicher Sommer" von Isabel Allende, im Hintergrund der Blick vom Empire State Building über Manhattan (Suhrkamp Verlag / imago)

In Isabel Allendes neuem Roman "Ein unvergänglicher Sommer" begegnen sich drei Menschen zufällig in New York nach einem Autounfall. Jede Figur bringt eine Fluchtgeschichte mit. Spannend ist vor allem eine dem Altwerden trotzende Liebesgeschichte.

Die einen verehren sie und sind süchtig nach ihren Büchern, die anderen verspotten sie als "Königin des Gefühle": Isabel Allende, eine der meistgelesenen Schriftstellerinnen der Gegenwart. Ihr erster Roman, "Das Geisterhaus", der auf ihrer eigenen Familiengeschichte basiert, begründete 1982 ihren Ruhm als Bestsellerautorin.  

Zwanzig Romane hat sie seither geschrieben, mit den Themen immer am Puls der Zeit. Es geht um Gewalt, Flucht und Vertreibung, Hass, Kindesmissbrauch, Armut. Und es geht immer um Liebe und starke Frauen. Wie in ihrem Erstling bezieht sie den Stoff für ihre Romane zuverlässig aus dem eigenen Leben. Als ihre Tochter Paula starb, hat sie daraus ein Buch gemacht, nachdem sie zwei Stiefsöhne durch Drogen verloren hatte, entstand "Mayas Tagebuch" . Seit Jahren erreicht Allende mit ihren unterhaltsam erzählten, generationenumspannenden Lebenszyklen ein Millionenpublikum. Allende, die soeben 76 wurde, hat auch immer wechselnde Genres ausprobiert.  

Nach einer Reihe historischer Romane – "Ines meines Herzens" über die Chile-Eroberin Ines Suarez, oder "Die Insel über dem Meer" über eine Sklavin, die sich in Haiti durch einen Aufstand die Freiheit erkämpft – ist sie mit dem Thriller um eine Teenie-Ermittlerin, "Amandas Suche" wieder in der Gegenwart angekommen.

Die Leiche muss weg

Auch ihr neuer Roman spielt heute: Drei Menschen werden während eines Schneesturms in New York durch einen harmlosen Auffahrunfall zufällig zusammengewürfelt. Evelyn stammt aus Guatemala und arbeitet bei einer reichen Familie als Kindermädchen. Sie hat sich unerlaubt das Auto ihres zwielichtigen Arbeitgebers ausgeliehen. Dass der eine Leiche im Kofferraum versteckt hatte, ahnt sie nicht. Richard, der den Unfall verursacht hat, ein eigenbrötlerischer Menschenrechts-Professor, fühlt sich zur Hilfe verpflichtet. Und da er alleine überfordert ist, bittet er seine Untermieterin Lucia, eine Gast-Dozentin aus Chile, um Beistand. Weil die Polizei als Option ausfällt – Evelyn hält sich illegal im Land auf – gibt es nur eine Lösung: Die Leiche muss weg. In einem abenteuerlichen Trip schlägt sich das Trio bis an die Küste durch.  

Spannendes Kammerspiel

Was als spannendes Kammerspiel mit komischen Anleihen bei Krimigrotesken wie "Arsen und Spitzenhäubchen" inszeniert ist , versetzt Allende wie gewohnt mit Rückblicken in die Historie der Figuren: Jede bringt eine Fluchtgeschichte mit: Richards hochbetagter jüdischer Vater flüchtete einst vor den Nazis über Lissabon in die USA; Lucia floh wie Allende selbst vor dem Pinochet-Regime; Evelyn, die um ihr Leben fürchten musste, nachdem ihre Brüder von einer brutalen Gang in Guatemala ermordet wurden, rettete sich unter Todesgefahr über die Grenze.

Gut und böse sind in diesem Roman zuverlässig verteilt, und wären da nicht der Allende-typische Humor, die unverbrüchliche Hoffnung auf Glück, mit dem sie ihre Figuren ausstattet, geriete der Roman ins Fahrwasser des Trivialen. Vor allem aber ist es die unerwartete, dem Altwerden trotzende Liebesgeschichte, die den Roman rettet.

Isabel Allende: "Ein unvergänglicher Sommer"
Aus dem Spanischen von Svenja Becker
Suhrkamp, Berlin 2018
350 Seiten, 24 Euro

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