Irgendwann will er den Vorleser spielen
Die Verfilmung von Bernhard Schlinks Bestseller-Roman "Der Vorleser" hat einen Oscar bekommen. Beteiligt war an diesem Erfolg auch der junge deutsche Nachwuchsproduzent Michael Simon de Normier. Es ist sein erster großer Kinofilm.
Normier: "Hölderlin, wunderschönes Gedicht: "Der Jüngling an die klugen Ratgeber", und da heißt es: "Hesperiens Garten gewährt die Früchte nur dem heißen Strahle."Und das ist auch etwas, warum ich so furchtbar gerne brenne und viele Leute denken dann, ich sei ein Schwärmer, halten mich für naiv, aber ich glaube auch wirklich, es braucht dieses Feuer, sonst kann man ja was anderes machen, was Vernünftiges."
Michael Simon de Normier brennt. Für Literatur. Für Bernhard Shaw, Thomas Mann und Bernhard Schlink. Der schlanke 35-Jährige mit dem freundlichen Gesicht, blonden Haaren und Geheimratsecken liebt Zitate, wie eben das von Hölderlin.
Noch immer erinnert er sich gern an seine Deutschlehrer, erzählt er und krempelt die Ärmel seines grauen Hemdes ein Stück hoch. Dass ausgerechnet "Der Vorleser" sein erster großer Kinofilm wurde, den er mitproduziert hat, ist für ihn so etwas wie eine Fügung des Himmels.
Normier: "Ich bin ja in Bonn aufgewachsen, in Bonn zur Schule gegangen und zur Universität und habe dann parallel zu dem Sohn von Bernhard Schlink studiert, also, wir waren im Studium Freunde, sind es jetzt noch immer, das heißt, ich hatte ihn schon früh auf dem Bildschirm, es gehörte damals bei uns in Bonn im Freundeskreis zum guten Ton, Bernhard Schlinks Romane zu lesen und zu kennen."
Bis zur Verfilmung des Vorlesers ist es ein langer Weg für Michael Simon de Normier. Nach dem Abitur studiert er Betriebswirtschaftslehre und Psychologie. Sein Ziel hat er klar vor Augen: Er will Personal-Manager werden, sich auf Assesmentcenter und Eignungsdiagnostik spezialisieren. Strikt zieht er sein Studium durch und trainiert Triathlon – Laufen, Schwimmen, Radfahren. Ausdauer hoch drei. Er hat seine erste Anstellung bei einer Versicherung, dann kommt vor gut zehn Jahren der unfreiwillige Schnitt.
Normier: "Dann hatte ich einen schweren Verkehrsunfall. Und der hat ganz, ganz vieles geändert. Dann kam so ein Entschluss, so etwas zu machen, was andere so als Kinder oder nie haben, zu sagen, ich will zum Film. Das wollte ich eigentlich nie, das war nie mein Ziel. Aber da war ne Idee da, und da dachte ich, da muss sich ja jemand drum kümmern. Und da es niemand sonst gemacht hat, bin ich dann dabei geblieben."
Bei der Frontalkollision mit einem Auto hat der Radfahrer Normier wenig Chancen. Der Mittzwanziger wird berufsunfähig, ist ein halbes Jahr lang krank geschrieben, hat Probleme mit dem Nacken und schlimme Kopfschmerzen. Ein Buch halten, den Kopf beugen – das ist nicht möglich. Die Lösung: Hörbücher. Das bringt ihn auf eine Idee: So etwas will er auch machen. Sein erstes Projekt.
Für die Henry-Maske-Stiftung lässt er Prominente vorlesen. Später arbeitet er mit Iris Berben und Mario Adorf an Bernhard Shaws "Geliebter Lügner". Mit seinem ersten Kurzfilm ist er beim Filmfestival in Cannes dabei. In Richtung Film soll es weiter gehen, deshalb gründet er 2001 zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin das Unternehmen "Senfkornfilm" mit Sitz in Köln. Der Name ist eine Anspielung auf seine christliche Erziehung.
Musik:
"Kleines Senfkorn Hoffnung, mir umsonst geschenkt. Werde ich dich pflanzen, dass du weiter wächst."
Normier: "Und aus dieser Tradition heraus, christlich erzogen zu sein, war es tatsächlich das Liedchen "Kleines Senfkorn Hoffnung", was ich gerne singen können würde, weil es wirklich so ein wunderschönes Lied ist …"
Normier: "Das Senfkorn in der Bibel steht ja auch für diese zwei Sachen: Einerseits für den Glauben an die Wirkung von etwas, das Potenzial von Ideen und von Funken. Wenn man so sagt, eine Idee allein ist nicht viel wert - und ich weiß heute wirklich, was es bedeutet, diesen ganzen langen Marsch zu gehen, bis dann irgendwann mal das Ding fertig ist. Es dauert lange von der Idee zum Produkt."
Normier redet gern ohne Punkt und Komma, ausführlich, scheint alles in seiner Ganzheit darstellen zu wollen. Jede Information wird zu einer Geschichte, die er gern in voller Länge präsentiert. Auch hier die Lust am gesprochenen Wort. Als er nach dem Unfall von Musik träumt, anfängt Gedichte zu schreiben und Künstler werden will, legen ihm seine Eltern, beide Ingenieure für Garten-Landschaftsbau, keine Steine in den Weg, erinnert er sich und lächelt.
Normier: "Ich habe nach dem Unfall das Wort üben müssen: Ich bin Künstler. Das war schwierig. Heute sollte ich es wieder weniger benutzen, weil, ich bin ja Produzent. Für mich war das nur sehr schwierig, mich loszulösen von dieser Vorstellung, die ich lange Zeit hatte, dass man eben einem bürgerlichen Ideal zur Genüge, ordentliches Mitglied der Gesellschaft sein müsste …"
Das bürgerliche Leben ist wohl passé. Inzwischen hat Michael Simon de Normier, dessen Name übrigens aus dem Hugenottischen stammt, zwei Wohnsitze. In Köln lebt er in einer WG, unter anderem mit seiner Ex-Freundin und heutigen Geschäftspartnerin und dem gemeinsamen Hund Ikarus. In Berlin hat er eine kleine Wohnung im Prenzlauer Berg. Beruflich will er Bernhard Schlink treu bleiben. Er hat die Rechte für dessen Krimi-Trilogie um den Detektiv Gerhard Selb optioniert. Privat möchte er eigene Kinder haben, so Gott will, sagt er und lacht. Eines ist sicher: Für sie wird er dann den Vorleser spielen.
Michael Simon de Normier brennt. Für Literatur. Für Bernhard Shaw, Thomas Mann und Bernhard Schlink. Der schlanke 35-Jährige mit dem freundlichen Gesicht, blonden Haaren und Geheimratsecken liebt Zitate, wie eben das von Hölderlin.
Noch immer erinnert er sich gern an seine Deutschlehrer, erzählt er und krempelt die Ärmel seines grauen Hemdes ein Stück hoch. Dass ausgerechnet "Der Vorleser" sein erster großer Kinofilm wurde, den er mitproduziert hat, ist für ihn so etwas wie eine Fügung des Himmels.
Normier: "Ich bin ja in Bonn aufgewachsen, in Bonn zur Schule gegangen und zur Universität und habe dann parallel zu dem Sohn von Bernhard Schlink studiert, also, wir waren im Studium Freunde, sind es jetzt noch immer, das heißt, ich hatte ihn schon früh auf dem Bildschirm, es gehörte damals bei uns in Bonn im Freundeskreis zum guten Ton, Bernhard Schlinks Romane zu lesen und zu kennen."
Bis zur Verfilmung des Vorlesers ist es ein langer Weg für Michael Simon de Normier. Nach dem Abitur studiert er Betriebswirtschaftslehre und Psychologie. Sein Ziel hat er klar vor Augen: Er will Personal-Manager werden, sich auf Assesmentcenter und Eignungsdiagnostik spezialisieren. Strikt zieht er sein Studium durch und trainiert Triathlon – Laufen, Schwimmen, Radfahren. Ausdauer hoch drei. Er hat seine erste Anstellung bei einer Versicherung, dann kommt vor gut zehn Jahren der unfreiwillige Schnitt.
Normier: "Dann hatte ich einen schweren Verkehrsunfall. Und der hat ganz, ganz vieles geändert. Dann kam so ein Entschluss, so etwas zu machen, was andere so als Kinder oder nie haben, zu sagen, ich will zum Film. Das wollte ich eigentlich nie, das war nie mein Ziel. Aber da war ne Idee da, und da dachte ich, da muss sich ja jemand drum kümmern. Und da es niemand sonst gemacht hat, bin ich dann dabei geblieben."
Bei der Frontalkollision mit einem Auto hat der Radfahrer Normier wenig Chancen. Der Mittzwanziger wird berufsunfähig, ist ein halbes Jahr lang krank geschrieben, hat Probleme mit dem Nacken und schlimme Kopfschmerzen. Ein Buch halten, den Kopf beugen – das ist nicht möglich. Die Lösung: Hörbücher. Das bringt ihn auf eine Idee: So etwas will er auch machen. Sein erstes Projekt.
Für die Henry-Maske-Stiftung lässt er Prominente vorlesen. Später arbeitet er mit Iris Berben und Mario Adorf an Bernhard Shaws "Geliebter Lügner". Mit seinem ersten Kurzfilm ist er beim Filmfestival in Cannes dabei. In Richtung Film soll es weiter gehen, deshalb gründet er 2001 zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin das Unternehmen "Senfkornfilm" mit Sitz in Köln. Der Name ist eine Anspielung auf seine christliche Erziehung.
Musik:
"Kleines Senfkorn Hoffnung, mir umsonst geschenkt. Werde ich dich pflanzen, dass du weiter wächst."
Normier: "Und aus dieser Tradition heraus, christlich erzogen zu sein, war es tatsächlich das Liedchen "Kleines Senfkorn Hoffnung", was ich gerne singen können würde, weil es wirklich so ein wunderschönes Lied ist …"
Normier: "Das Senfkorn in der Bibel steht ja auch für diese zwei Sachen: Einerseits für den Glauben an die Wirkung von etwas, das Potenzial von Ideen und von Funken. Wenn man so sagt, eine Idee allein ist nicht viel wert - und ich weiß heute wirklich, was es bedeutet, diesen ganzen langen Marsch zu gehen, bis dann irgendwann mal das Ding fertig ist. Es dauert lange von der Idee zum Produkt."
Normier redet gern ohne Punkt und Komma, ausführlich, scheint alles in seiner Ganzheit darstellen zu wollen. Jede Information wird zu einer Geschichte, die er gern in voller Länge präsentiert. Auch hier die Lust am gesprochenen Wort. Als er nach dem Unfall von Musik träumt, anfängt Gedichte zu schreiben und Künstler werden will, legen ihm seine Eltern, beide Ingenieure für Garten-Landschaftsbau, keine Steine in den Weg, erinnert er sich und lächelt.
Normier: "Ich habe nach dem Unfall das Wort üben müssen: Ich bin Künstler. Das war schwierig. Heute sollte ich es wieder weniger benutzen, weil, ich bin ja Produzent. Für mich war das nur sehr schwierig, mich loszulösen von dieser Vorstellung, die ich lange Zeit hatte, dass man eben einem bürgerlichen Ideal zur Genüge, ordentliches Mitglied der Gesellschaft sein müsste …"
Das bürgerliche Leben ist wohl passé. Inzwischen hat Michael Simon de Normier, dessen Name übrigens aus dem Hugenottischen stammt, zwei Wohnsitze. In Köln lebt er in einer WG, unter anderem mit seiner Ex-Freundin und heutigen Geschäftspartnerin und dem gemeinsamen Hund Ikarus. In Berlin hat er eine kleine Wohnung im Prenzlauer Berg. Beruflich will er Bernhard Schlink treu bleiben. Er hat die Rechte für dessen Krimi-Trilogie um den Detektiv Gerhard Selb optioniert. Privat möchte er eigene Kinder haben, so Gott will, sagt er und lacht. Eines ist sicher: Für sie wird er dann den Vorleser spielen.