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Fazit | Beitrag vom 10.03.2020

Iranischer Filmemacher RasoulofDem Berlinale-Gewinner droht Gefängnis

Mani Tilgner im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Mohammad Rasoulof blickt nach vorn bei einem Photocall in Cannes 2017. (Sebastien Botella / MAXPPP / dpa)
Der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof wurde zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. (Sebastien Botella / MAXPPP / dpa)

Für seinen Berlinale-Film "Es gibt kein Böses" bekam der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof den Goldenen Bären in Abwesenheit – er steht unter Reiseverbot. Nun soll er auch ins Gefängnis. Sein Produzent Mani Tilgner erläutert die Hintergründe.

Der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof konnte bei der diesjährigen Berlinale nicht anwesend sein: Er darf den Iran nicht verlassen. Sein Beitrag "Es gibt kein Böses", ein Episodenfilm über die Todesstrafe, erhielt den Goldenen Bären. Nun droht Rasoulof eine Gefängnisstrafe.

Im Juli 2019 war der Regisseur wegen "Gefährdung der nationalen Sicherheit" und "Propaganda gegen die islamische Regierung" zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Urteil wurde in einem Revisionsverfahren im Dezember bestätigt, der Regisseur vor kurzem aufgefordert, die Haftstrafe anzutreten. 

Aufforderung zum Haftantritt ignoriert

Die Frist sei inzwischen abgelaufen, ohne dass Rasoulof der Vorladung Folge geleistet hätte, sagt sein deutscher Produzent Mani Tilgner, der in ständigem Kontakt zum Regisseur steht. Seine juristischen Vertreter hätten ihm geraten, sich nicht selbständig dort zu melden.

Er könne nicht genau sagen, wo Rasoulof sich derzeit befinde, sagt Tilgner. "Es geht Rasoulof aber nicht ums Verstecken. Das ist überhaupt nicht das Ziel."

Im Still aus "Es gibt kein Böses" steht ein Mann unter der Dusche und hält sie die Hände vor sein Gesicht. (Berlinale / Cosmopol Film)Für seinen Film "Es gibt kein Böses" wurde Mohammad Rasoulof erst kürzlich mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet. (Berlinale / Cosmopol Film)

Rasoulofs Anliegen sei immer gewesen, zu betonen, dass er nichts verbrochen habe und sich nicht zu verstecken brauche, dass er das Recht habe, im Iran zu leben und auch Filme zu machen. Er sei immer dafür eingestanden, dass er nichts Falsches gemacht habe und gegen keine Gesetze verstoßen habe. "Und insofern, glaube ich, hat er jetzt überhaupt kein Interesse, sich zu verstecken."

Klandestine Dreharbeiten

Die Dreharbeiten zu "Es gibt kein Böses" seien so organisiert gewesen, dass Rasoulofs Beteiligung an ihnen geheim blieb. Die episodische Form des Film habe einerseits inhaltliche Gründe, andererseits sei sie aber auch durch die teilweise klandestinen Dreharbeiten bedingt gewesen. Dadurch sei es möglich gewesen für die einzelnen Episoden jeweils Drehgenehmigungen zu bekommen. "Man kann also tatsächlich sagen, dass der Film mehr oder weniger legal gedreht wurde, aber nicht unter dem Namen von Herrn Rasoulof."

Alle Teilnehmer an diesem Film seien mit diesen Dreharbeiten ein großes Risiko eingegangen, so Tilgner. Die Schauspielerinnen und Schauspieler stünden mit ihren Gesichtern für diesen Film ein und gefährdeten möglicherweise ihre Karriere damit.

"Es ist wichtig, das auf dem Schirm zu haben, dass es nicht nur Herr Rasoulof ist, sondern auch viele andere Menschen für diesen Film, für die Aussage dieses Films, einiges riskieren", sagt Mani Tilgner. "Aber bisher hat, zum Glück, niemand von diesen Personen Probleme bekommen."

Er denke, dass die internationale Aufmerksamkeit und die Preise, die der Film bekommen hat, einen gewissen Schutz bieten könnten, meint Tilgner. Wenn Rasoulof tatsächlich ins Gefängnis gebracht würde, würde es internationale Aufmerksamkeit und Proteste hervorrufen. Wann der Film in die deutschen Kinos komme, könne er aber noch nicht sagen.

(rja)

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