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Interview / Archiv | Beitrag vom 28.08.2015

Interview mit Wiglaf DrosteDer Westfale, das sture, aber sympathische Wesen?

Moderation: Katja Schlesinger und Frank Meyer

Der Journalist und Autor Wiglaf Droste; Aufnahme von 2006 (picture-alliance/ dpa)
Der Journalist und Autor Wiglaf Droste; Aufnahme von 2006 (picture-alliance/ dpa)

Die Westfalen sind ein buntes Völkchen. Dazu zählen die Sauer- und die Siegerländer, die Wittgensteiner, die Minden-Ravensberger, die Münsterländer, aber auch die Menschen im östlichen Ruhrgebiet. Der Publizist und Satiriker Wiglaf Droste erklärt uns ihren speziellen Charakter.

Westfalen, das ist heute der größere Teil des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, das 1946 von der britischen Besatzungsmacht geschaffen wurde. Die Region feiert ihren 200. Geburtstag. Denn in ihrer heutigen Form entstand sie durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses von 1815 als preußische Provinz.

Die Westfalen, um deren Mentalität sich Mythen ranken, sind ein buntes Völkchen. Dazu zählen die Sauer- und die Siegerländer, die Wittgensteiner, die Minden-Ravensberger, natürlich die Münsterländer, aber auch die Menschen im östlichen Ruhrgebiet.

Das besondere Wesen des Westfalen haben wir mit dem Publizisten und bekennenden Westfalen Wiglaf Droste erörtert. Genau genommen stammt er aus Ostwestfalen. "Da ist ja eigentlich ein wunderbarer Widerspruch drin, das hebt sich ja gegenseitig auf", so Droste. "Mein leider nicht mehr sterblicher Freund Harry Rowohlt hat immer gesagt: Ostwestfalen ist sinnlos. Da bleibt doch nur 'Falen' übrig."

"Mischung aus Festigkeit und Melancholie"

Für Wiglaf Droste sind Westfalen eher melancholische, sentimentale Wesen mit katholischer Prägung, die aber durchaus zur Komik neigen. Jedoch nicht zur "Zwangslustigkeit" der Rheinländer. "Ich habe ja als Vorleser oft das Vergnügen in Köln aufzutreten. Und wenn ich dann morgens Brötchen kaufe oder ein Croissant, dann denke ich auch immer: Mensch, die frühstücken aber schon sehr früh einen Clown. Die sind immer so - lustig!" Der Westfale hingegen sei "tief melancholisch", betont Droste. "Und deswegen ist das vielleicht auch alles langsamer in Westfalen."

Auch die westfälische Mundart ist eigenwillig: "Wir haben eine eigene Art zu reden, und die geht auch nicht weg." In einer Welt, in der die Marketingsprache immer mehr überhand nehme, sei der Westfale stur und behalte seine Sprache bei, betont Droste.

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