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Kompressor | Beitrag vom 31.07.2018

Internetexpertin über Google-AlgorithmusWarum bei der Suche nach "Idiot" Donald Trump erscheint

Tina Reis im Gespräch mit Gesa Ufer

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US-Präsident Donald Trump  (imago/ZUMA Press/Olivier Douliery)
Wer bei Google-Bildersuche "Idiot" eingibt, bekommt ziemlich viel Trump angeboten. (imago/ZUMA Press/Olivier Douliery)

Ist Google parteiisch? Die Wahrheit ist vielmehr: Google wirkt wie ein Verstärker – der nach vorne holt, was sich als Mehrheitsmeinung durchgesetzt hat. Interessengruppen können das gezielt für sich nutzen, erklärt Suchmaschinenexpertin Tina Reis.

Wer über die Bildersuche nach "Idiot" sucht, findet derzeit an erster Stelle Bilder von Donald Trump. Auch wenn man das englische Wort "Racist" in die Suchmaske eingibt, landet man schnell beim US-Präsidenten. Als "Google Bombe" ging diese Aktion von Trump-Gegnern durch die Medien. Aber wie zündet man eine solche Google-Bombe?

In dem Fall sei es wahrscheinlich so gewesen, dass aus einem sogenannten Reddit-Forum heraus massiv Bilder von Trump mit der Bildunterschrift "Idiot" gepostet worden seien – daraus sei eine Spirale entstanden, erläutert die Soziologin und Suchmaschinenexpertin Tina Reis. Dadurch, dass immer mehr Medien darüber berichteten, sei dies für die Googlealgorithmen wiederum ein Beweis, dass es ein Zusammenhang zwischen dem Bild und dem Wort "Idiot" gebe.

Das zeige: Es gebe ein großes Mobilisierungspotential. "Wenn sich viele Menschen im Internet zusammentun und versuchen, einen Protest zu organisieren, dann kann man so etwas erreichen."  

Bei "Yoga" erscheinen Fotos von dünnen, weißen Frauen

Das Beispiel zeigt aber vor allem, dass Google-Ergebnisse nie eine objektive Wahrheit abbilden, sondern manipuliert oder beeinflusst werden können. Tina Reis: Andererseits sei aber auch der Algorithmus an sich nicht neutral. Wenn man etwa bei der Bildersuche "Yoga" eingebe, würde Google einem als Erstes Fotos von dünnen, weißen Frauen zeigen.

Screenshopt von der Google-Seite mit dem Suchauftrag "Bilder"- "Idiot": Wer bei Google-Bildersuche "Idiot" eingibt, bekommt ziemlich viel Trump angeboten. (Screenshot: Deutschlandradio)Screenshopt von der Google-Seite mit dem Suchauftrag "Bilder"- "Idiot": Wer bei Google-Bildersuche "Idiot" eingibt, bekommt ziemlich viel Trump angeboten. (Screenshot: Deutschlandradio)
Zum anderen habe Google die Tendenz zu verstärken, was der User ohnehin schon im Kopf habe: "Wenn ich einen Begriff, der explizit aus einem linken Spektrum kommt, google, dann lande ich auch auf linken Webseiten. Wenn ich einen Begriff eingebe, der ganz klar aus dem rechten Spektrum ist, dann lande ich auch auf rechten Webseiten." Sehr gut sei dies am Begriff "Genderismus" zu erkennen – ein "politischer Kampfbegriff der von der extremen Rechten erfunden wurde, um Feminismus und Gleichstellungpolitik zu diffamieren. Wenn ich den google, dann gelange ich fast nur auf rechten Seiten."

Wünschenswert wäre ein breites Spektrum an Seiten

Sprich: Wer Begriffe wie diesen geprägt hat, wird auch von Google bei der Suche bevorzugt. Wünschenswert sei aber, dass ein breites Spektrum auch von Seiten abgebildet werde, die kritisch Stellung nehmen und Begriffe hinterfragen, betont Tina Reis.

Google wirkt also wie ein Verstärker – der nach vorne holt, was sich auf jeweiligen Themengebieten als Mehrheitsmeinung durchgesetzt hat. Dies ist auch vor dem Hintergrund brisant, dass es offenbar vor allem die Rechten sind, die früh das Potential der Suchmaschinenoptimierung erkannt haben und bestimmte Themen massiv besetzen. Wer beispielsweise nach "Abtreibung" suche, finde meist Seiten der Lebensschutzbewegung, berichtet Tina Reis.

Wer neue Ideen transportieren will, braucht Buzz Words

Reis, die auch Betreiberin der Seite feministclickback.org ist und feministische Webportale bei der Neugestaltung berät, sagt weiter: "Es ist sehr schwer, mit einer komplett neuen Idee oder neuen Perspektive auf ein Thema Seiten für Suchmaschinen zu optimieren. Ich will nicht sagen, dass es unmöglich ist. Aber ich versuche mich immer daran zu orientieren, was die ersten fünf Webseiten – die auf den ersten fünf Plätzen sind – machen, die für einen bestimmten Suchbegriff relevant sind: Worüber reden die, wie sind die Texte aufgebaut? Wenn man das nicht ein Stück weit reproduziert, läuft man Gefahr, von Google nicht als relevant für dieses Thema eingestuft zu werden."

Mit anderen Worten: Bestimmte "Buzz Words" – relevante Begriffe – sollten auf den Seiten vertreten sein, damit ein neues Portal Chancen hat, überhaupt wahrgenommen zu werden und seine eigentlichen Ideen zu transportieren.

(mkn)

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