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Fazit / Archiv | Beitrag vom 06.05.2018

Internet-Kampagne von Sibylle Berg"Wir wollen das Netz neu errichten"

Moderation: Vladimir Balzer

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Die Schriftstellerin Sibylle Berg nimmt an der Internetkonferenz "re:publica" teil. (dpa/Jens Kalaene)
Sibylle Berg geht es nicht nur um technischen Schutz im Internet, sondern um das Selbstverständnis als Bewegung. (dpa/Jens Kalaene)

Google und Facebook müssen sich auf eine neue Kontrahentin einstellen: Die Schriftstellerin Sibylle Berg will das Internet grundlegend reformieren. Kommuniziert wird ausschließlich verschlüsselt. Berg versteht ihre Genossenschaft als gesellschaftliche Bewegung.

Hinter der "Bürgerbewegung p≡p coop" stehen neben Sibylle Berg auch die Schriftsteller Marc-Uwe Kling und Juli Zeh. Ihr Ziel ist es, die digitale Kommunikation sicher zu machen und mit nur einem Klick zu verschlüsseln. Im Deutschlandfunk Kultur benannte Sibylle Berg das große Ziel der von ihr und ihren Partnern gegründeten Genossenschaft: "Wir wollen das Netz neu errichten."

Der programmierte Datenschutz solle unabhängig von Betriebssystem und Anwendung funktionieren. "Wir streben eine automatische Verschlüsselung für alle Systeme an", sagte Berg.

Ein Mittel gegen die Ohnmacht

Der Schutz vor Datenverlust funktioniere, ohne ihn jedes mal neu aktivieren zu müssen. Die Schriftstellerin und Kolumnistin will ihre Genossenschaft nicht als lukrative Geschäftsidee, sondern als eine gesellschaftliche Bewegung verstanden wissen.

"Warum knallen wir das nicht einfach in den App-Store und verkaufen das? Weil das eine Bewegung werden soll. So, dass Menschen nicht mehr ohnmächtig dem bösen großen Internet ausgeliefert sind, sondern selbst bestimmen können: 'Ich will mich schützen!'"

Geht es nach Berg und ihren Mitstreitern, sollen sich auf der Website ihrer Genossenschaft die Mitglieder auch untereinander austauschen und selbst bestimmen, was als nächstes programmiert wird. 

"Je mehr Mitglieder wir haben", sagt Berg, "desto mehr Menschen sind geschützt und verschlüsselt." Allerdings sei ihr bewusst, dass die Menschen in Deutschland bislang massive Verstöße gegen den Datenschutz überwiegend ignorieren. Vermutlich seien die bisherigen Enthüllungen und die täglichen Fälle von Datenmissbrauch für viele zu abstrakt und nicht nachzuempfinden.

"Wir können das glauben oder auch nicht. Es ist wie eine Krankheit, die man nicht spürt."

In ihren neuen Theaterstück "Wonderland Ave.", das am Schauspiel Köln uraufgeführt wird, setzt sich die Autorin ebenfalls mit der Digitalisierung auseinander. Es geht um künstliche Intelligenz, das Stück soll ein utopischer Blick auf eine Arbeitswelt ohne arbeitende Menschen sein.

(mau)

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