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Interview | Beitrag vom 19.11.2020

Internationaler MännertagNeue Räume für Männer – dringend gesucht

Richard Schneebauer im Gespräch mit Ute Welty

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Der FC Bayern München ist deutscher Meister 1989/1990 und feiert im Whirlpool. Manfred Bender und Hansi Flick stoßen mit Sektflaschen an, Ludwig Kögl und Thomas Kastenmaier können nicht ohne Ball, Roland Grahammer und Alan McInally halten sich mit ihrem Sekt etwas abseits. (imago images / Fred Joch)
Als die Männerwelt noch in Ordnung war: Die deutschen Meister im Männerfußball 1989/1990 feiern mit Sekt, Schale und Ball im Whirlpool. (imago images / Fred Joch)

Männer müssen eine authentische und klare Antwort auf den Feminismus finden, sagt der Soziologe und Männerforscher Richard Schneebauer. Dabei bräuchten sie Unterstützung - auch am Arbeitsplatz. Und einen eigenen Song.

Als Provokation oder zumindest als verunsichernd empfinden viele Männer den Feminismus oder die #Metoo-Bewegung. Und als Reaktion darauf flüchten sich manche in den sogenannten Maskulismus. Sie sehen sich als Opfer und wenden sich erst recht traditionellen Rollenmustern zu.

Hilflosigkeit schlägt in Wut um

Der Soziologe Richard Schneebauer, der seit 20 Jahren über Männer forscht und sie berät, findet: Das ist die falsche Reaktion. Hier würden nur Hilflosigkeit und Verletztheit in Wut umgewandelt, und das sei gefährlich.

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Dennoch stelle der Feminismus Männer vor die Frage nach ihrer Identität, sagt er. Schneebauer hält es deswegen für angezeigt, sich mit der Frage zu beschäftigen, was einen Mann überhaupt ausmacht. Es gelte, eine authentische und klare Antwort auf den Feminismus und die neue Frauenbewegung zu finden: "Aber eben in Verbundenheit, und nicht im Kampf."

Eine neue Identität braucht einen geschützten Rahmen

"Wir Männer bräuchten einen Song – quasi ein Pendant zum weiblichen 'I am what I am'", meint der Soziologe. Auf der Suche nach ihrer Rolle bräuchten Männer Räume, in denen sie unter sich sein können. "Eine neue Identität zu finden, braucht einen geschützten Rahmen", betont er.

Ein wesentlicher Aspekt dabei sei, dass Männer lernten, offen über ihre Gefühle sprechen: "Das größte Problem ist, dass die meisten Männer nicht mitbekommen, dass die anderen Männer auch ihre Schwächen haben und dass die auch scheitern", sagt Schneebauer. So sei es für die Teilnehmer seiner Seminare eine "Riesenerleichterung", wenn sie merkten, den anderen gehe es genauso. 

Den Ort für solche Vorhaben sieht der Soziologe auch im Arbeitsleben. "Neben Frauenförderprogrammen in Unternehmen braucht es auch, dass man die Männer in dieser Art und Weise unterstützt."

(uko)

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