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Interview / Archiv | Beitrag vom 05.09.2016

Internationaler KopfschmerztagWarum unseren Kindern der Kopf weh tut

Hartmut Göbel im Gespräch mit Andre Hatting

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Ein jugendliches Mädchen mit Kopfschmerzen (dpa/picture alliance/Frank Rumpenhorst)
Mädchen mit Kopfschmerzen: Vielen Kindern geht es regelmäßig so (dpa/picture alliance/Frank Rumpenhorst)

Fast drei Viertel aller Siebtklässler leiden regelmäßig unter Kopfschmerzen. Deswegen gibt es die "Aktion Mütze - Kindheit ohne Kopfzerbrechen". Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel erläutert, wie man den nervenden Schmerzen am besten vorbeugen kann.

Die "Aktion Mütze - Kindheit ohne Kopfzerbrechen" wurde vor rund zwei Jahren ins Leben gerufen. Sie liefert zum einen Material an Schulen zur Aufklärung und Prävention, zum anderen hat sie eine umfangreiche Befragung durchgeführt und einige Fakten zusammengetragen. Demnach haben drei von vier Kindern in den siebten Klassen oft Kopfschmerzen. Diese seien das gesundheitliche Hauptproblem an den Schulen, sagte Hartmut Göbel, Direktor der Schmerzklinik Kiel, im Deutschlandradio Kultur. Er begleitet die Aktion aus medizinischer Sicht.

Die Kopfschmerzen sind offenbar auch ein Phänomen unserer Zeit. Internationale Zahlen zeigten, dass die Schmerzen in den Kinderköpfen in den letzten Jahrzehnten um 300 Prozent zugenommen hätten, sagte Göbel.

Reizüberflutung - Verspannungen - Kopfschmerzen

Zumeist leiden die Kinder heute unter migräneartigen Kopfschmerzen – der Grund sind Verspannungen. Grund: die Reizüberflutung: "Wenn alles zu schnell, zu plötzlich kommt, alles auf einmal kommt, alles simultan kommt, alles abrupt kommt und zu viel kommt an Reizen, dann können die Nervenzellen das nicht verarbeiten", sagte Göbel. Ergebnis: Kopfschmerzen.

Was dagegen tun? Göbel empfiehlt vor allem Prävention, ein regelmäßiges Leben im Gleichtakt. Kein "Stop and go" für das Nervensystem, sondern viel Konstanz. Immer zur selben Zeit aufstehen, ein Frühstück in Ruhe einnehmen, viele Kohlenhydrate morgens aufnehmen, Pausen in der Schule, am Nachmittag nicht zu viele Termine, "eins nach dem anderen machen", und immer zur selben Zeit ins Bett gehen. Und wenn dann doch Schmerzen auftreten: Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure. Paracetamol werde zwar immer noch empfohlen, wirke aber sehr schwach und helfe nur in einem von 14 Fällen, sagte Göbel. (ahe)

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