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Fazit / Archiv | Beitrag vom 12.02.2011

Integration mal urkomisch, mal rührend

"Almanya" erzählt die Geschichte der Familie Yilmaz

Von Gesa Ufer

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Nesrin Samdereli und Yasemin Samdereli vor der Premiere ihres Films. (AP)
Nesrin Samdereli und Yasemin Samdereli vor der Premiere ihres Films. (AP)

Außer Konkurrenz lief heute im Wettbewerbsprogramm die Komödie "Almanya" der deutsch-türkischen Schwester Yasemin und Nesrin Samdereli. Zur Premiere kam auch Bundespräsident Christian Wulff mit seiner Frau Bettina.

Und tatsächlich – aus einer der dicken schwarzen Limousinen am Potsdamer Platz stieg er aus: Bundespräsident Christian Wulff samt Gattin Bettina. Festival-Leiter Dieter Kosslick glänzte einmal mehr in seiner Paraderolle als charmanter Gastgeber, nahm die prominenten Gäste herzlich in Empfang und lies sich einen kleinen Gag zum Thema Migration dann aber doch nicht nehmen:

"Sagt mal alle Sarrazin"

Der Film "Almanya" zeigt nicht die Schattenseiten der Migration. Kein Problemfilm über Ehrenmord, herrschsüchtige Patriarchen, oder Getto-Kids. Da kam der Bundespräsident gleich doppelt gern:

"Das Thema Integration und Identität ist ja ein sehr ernstes Thema. Das ist auch richtig so. Trotzdem zeigt dieser Film, dass man bei diesem Thema auch Humor bewahren kann. Im Übrigen zeigt der Film ja auch, wie wichtig das Thema Sprache ist. Denn als die Familie zurück in der Türkei fährt, können die Kinder auch kein Türkisch. Man sollte Verständnis füreinander aufbringen. Im Übrigen wird dieser Film dazu beitragen, das Fremde besser zu verstehen."

"Almanya" erzählt mal urkomisch, mal sehr rührend die Geschichte der Familie Yilmaz. Papa Hüseyin kommt in den 60erJahren als Eine-Million-und-erster-Gastarbeiter nach Deutschland – und holt bald darauf seine Familie aus dem kleinen anatolischen Dorf nach. Über einen Zeitraum von 45 Jahren begleitet "Almanya" die Familie und erzählt, wie sie langsam in Deutschland heimisch wird. Befremdlich scheinen dieser Familie anfangs nicht nur Toilettensitze und Dackel an der Leine, besonders die fremde Sprache irritiert sie.

Der Schauspieler Vedat Erincin setzte dieses Thema auf der Pressekonferenz am Nachmittag bewusst fort:

"Ich kann natürlich auch in Türkisch reden, hier in Berlin – nehme ich an – kann das ja jeder. Wenn nicht, haben wir hier wohl ein Integrationsproblem."

Das sieht Katharina Thalbach entspannt. Sie spielt in "Almanya" eine grantelnde Alte, die in der U-Bahn sehr abschätzig über türkische Einwanderer herzieht. Tatsächlich – so die Schauspielerin und Regisseurin – empfindet sie den täglichen Umgang von Deutschen und Türken miteinander aber als recht entspannt:

"Wir leben doch ganz gut miteinander. Ich war letztes Jahr das erste Mal in Istanbul. Tolle Stadt. Ich finde, wenn Berlin nur halb soviel davon hat, können wir stolz auf uns sein."

Vedat Erincin, der Familienvater aus "Almanya" schildert ganz in diesem Sinne, was für viele Türken der ersten Generation in Deutschland gilt:

"Dieses Land hat uns geändert, ich bin mit 20 Jahren nach Deutschland gekommen und ich kann nicht antworten ob ich Deutscher oder Türke bin, ich bin Neu-Europäer."

Von diesem Prozess erzählt Almanya. Christian Wulff hat das gefallen. Was für Filme er sonst gern hat?

"Das ist ja ganz unterschiedlich. Man hat ja eh immer zu wenig Zeit, aber im Moment gehe ich mit dem größten Enthusiasmus in 'Keinohrhasen'. Aber das sind ja Filme, die auf diesem Festival nicht so groß geschrieben werden. Letztes Jahr habe ich John Rabe gesehen. Und morgen schauen wir uns den Tanzfilm an von …"

"Von Wim Wenders", ergänzt seine Frau Bettina und beide lachen in die Kameras.

Die Komödie "Almanya" kommt am 10. März in die Kinos - und zwar in deutscher und türkischer Version.

Zum Thema:
Filmhomepage "Almanya"

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