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Kompressor | Beitrag vom 23.07.2019

Instagram ohne öffentliche LikesEin guter Schritt – aber der nächste muss folgen

Caren Miesenberger im Gespräch mit Gesa Ufer

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Smartphone zeigt ein Like auf Instagram (imago / Rüdiger Wölk)
Es kann sehr schmerzen, wenn einem auf der Plattform der Herzen wenig Herzen zufliegen. Instagram schafft seine Like-Herzchen deswegen jetzt teilweise ab. (imago / Rüdiger Wölk)

Öffentliche Likes in sozialen Medien wie Instagram erzeugen sozialen Druck. Das führt immer wieder zu Kritik. Instagram hat die Likes deshalb in einigen Ländern testweise abgeschafft. Ein richtiger Schritt, aber kein selbstloser, sagt unsere Social-Media-Redakteurin.

Millionen Likes für Kim Kardashians Baby oder für ein Hühnerei – nicht jeder Nutzer kommt so messbar gut an auf Instagram wie diese beiden. Insbesondere viele junge Menschen fühlen sich unter Druck, wenn sie keine Gefällt-mir-Herzchen sammeln, oder entwickeln darüber sogar psychische Probleme.

Laut mehreren wissenschaftlichen Studien sind besonders junge Frauen und Mädchen betroffen, eine Haupt-Nutzergruppe des Netzwerks in Deutschland. Das soziale Netzwerk hat jetzt Konsequenzen gezogen und in einigen Ländern testweise die öffentliche Anzeige von Likes abgeschafft, unter anderem in Kanada, Irland, Italien, Japan und Brasilien.

Strategische Entscheidung eines Unternehmens

"Es ist ein guter Schritt, dass Instagram zukünftig auf die Likes verzichten will", sagt Caren Miesenberger aus der Social-Media-Redaktion von Deutschlandfunk Kultur: "Ich glaube aber auch, dass das eine strategische Entscheidung eines Unternehmens ist, das seine Kunden binden möchte und das sich damit einen humanen Anstrich gibt."

Instagram gehört zum gewinnorientierten Facebook-Konzern und gründet sein Geschäftsmodell auf Daten, die User zur Verfügung stellen. Natürlich müsse es auf Kritik reagieren, wenn es die Nutzer nicht vergraulen wolle, sagt Miesenberger. Edelmütig oder selbstlos sei das mitnichten.

Aber wie bemisst sich dann der "Erfolg" eines Postings, wo Likes doch eine der sichtbarsten Währungen der Plattform sind? Miesenberger sagt, es gebe auch andere Arten zu messen, wie gut Inhalte auf Instagram funktionieren. Statt auf Likes, Shares und Kommentarmenge zu schauen, könne man beispielsweise auch "Soft-Monitoring" betreiben, indem man schaue: Wo werden Debatten angestoßen?

"Ein Anfang, aber es kann nicht alles sein"

Wünschenswert wäre auch, dass das Netzwerk die Kommentare der Nutzer besser moderiere, etwa mit Blick auf Hassrede, so Miesenberger: "Dass sie ihr Community Management so weit bekommen, dass sie bestimmte diskriminierende Inhalte von Anfang an gar nicht mehr zulassen beziehungsweise dort stärkere Filter einbauen." Diese seien ja momentan auch schon im Gespräch. Den ständigen Wettbewerb um Likes einzudämmen, sei ein Anfang: "Aber es kann nicht alles sein."

(fmay)

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