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Fazit / Archiv | Beitrag vom 12.10.2016

"Inside IS" am Grips-TheaterBauchtanz, Bühnenebel und der Kalif mit Schmerbauch

Von Eberhard Spreng

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Davide Brizzi (r, als IS-Kämpfer) und Patrik Cieslik (vorn als Frederic Todenhöfer) stehen am 10.10.2016 bei der Fotoprobe des Theaterstücks "Inside IS" im Grips-Theater in Berlin auf der Bühne. (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)
Davide Brizzi (r, als IS-Kämpfer) und Patrik Cieslik (vorn als Frederic Todenhöfer) im Theaterstücks "Inside IS" auf der Bühne des Grips-Theater in Berlin (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)

Griffige Figuren, klare Muster von Gut und Böse: Mit fast naiver Unbefangenheit durchquert Yüksel Yolcu am Berliner Grips-Theater vermintes Gelände. Das gleichnamige Buch des Journalisten Jürgen Todenhöfer liefert dem Regisseur den roten Faden für sein Stück "Inside IS".

Frederic will seinen Vater davon abhalten, in das vom IS kontrollierte Gebiet einzureisen, um vor Ort mehr über dessen Ideologie zu erfahren. Und doch werden sich Vater und Sohn gemeinsam auf die "schwierigste Reise meines Lebens" machen. Jürgen Todenhöfers Buch "Inside IS – 10 Tage im 'Islamischen Staat'" inspiriert Grips-Theater-Regisseur Yüksel Yolcu durchgängig. Die Erlebnisse Jürgen Todenhöfers und seines Sohnes Frederic sind der rote Faden einer Theaterversion, die der Regisseur durch eigene Recherchen ergänzt.

Schwarze Gewänder und angeklebte Bärte

So erfahren wir von Fabian, der sich von seiner alleinerziehenden Mutter entfremdet, insgeheim den Vater vermisst, auf seiner Sinnsuche dem IS auf den Leim geht und in Syrien umkommt. Und von Said, der mit ihm befreundet war, sich aber dann enttäuscht vom IS abgewandt hat und nach Deutschland zurückgekehrt ist. Kurz ist auch von einer Konvertitin die Rede, die vor dem seelelosen Wohlstand ihrer Eltern flieht. Ein Jungfrauenchor ruft sie ins vermeintliche syrische Paradies. Drei Schauspieler werfen sich rasch schwarze Gewänder um, für eine mutwillig komische Propaganda-Maskerade. Auch Yolcus IS-Kämpfern mit ihren angepeppten Bärten und ihren Theater-Kalaschnikows fehlt fast durchgängig die Gefährlichkeit. In offenen Streitgesprächen verhandeln diese Burschen mit den Todenhöfers Fragen des rechten Glaubens. Von der Anspannung, die den anlässlich der Reise entstandenen Dokumentarfilm durchzog, ist hier nichts zu spüren.

Eine Verharmlosung also? Mit an Naivität grenzender Unbefangenheit durchquert Yolcu und das Grips-Ensemble ein vermintes Terrain: Ein umstrittener Journalist als Protagonist, ein geopolitisches Problem mit extremer Gefährlichkeit und eine familienpsychologische Herausforderung größter Dringlichkeit. Na und? Nichts wie durch mit griffigen Figuren, klaren Mustern von Gut und Böse. Am Ende steht ein Brief an den selbsternannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi. Da geht es um das Wort Barmherzigkeit, das den Namen Allahs im Koran umrankt wie kein anderes.

Happy End auf friedlichem Terrain

Mit ihm kommt das Grips auf einem friedlichen Terrain an, auf dem sich Christen und Muslime wunderbar treffen können. Zu schön, um wahr zu sein, aber für die theaterpädagogische Arbeit an den Schulen wohl die richtige Botschaft. Eine Tellermine hat die Aufführung aber vorher dann doch erwischt: Bauchtanz, Bühnenebel, der Kalif mit Schmerbauch – Hammam-Folklore, die für eine Todenhöferpuppe tödlich endet. Aber das sollte auch nur ein böser Alptraum sein.

Inside IS
Von Yüksel Yolcu nach Jürgen Todenhöfers Buch "Inside IS – 10 Tage im 'Islamischen Staat'"
Regie: Yüksel Yolcu
Grips-Theater Berlin

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