Insektenplage

    Die Motten sind los!

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    Ein Schmetterling in Nahaufnahme.
    Wenn es sich Nachtfalter einmal im Schrank gemütlich gemacht haben, kann es für Wollkleidung sehr schlecht ausgehen. © picture alliance / dpa / blickwinke l/ McPHOTO / A. A. Schauhuber
    Von Niko Nowak · 19.08.2021
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    Farbenfrohe Schmetterling sind eine wahre Pracht, die Nachtfalter fristen hingegen ein Schattendasein. Und manchmal gehen Motten dem Menschen ziemlich auf die Nerven. Aber sind sie auch gefährlich?
    Im Jahr 1961 taucht auf den Kinoleinwänden Japans ein neues Filmmonster auf. Mothra. Eine gigantische, unzerstörbare Motte. "Mothra. Indestructible. All powerful. Indescribable." – so wird sie im Kinotrailer beschrieben.
    Im Film "Mothra bedroht die Welt" gelangt die Riesenmotte nach Tokio und verpuppt sich.
    Das Militär feuert mit einer atomaren Strahlenkanone auf den Kokon, doch sämtliche Versuche, die Bestie zu töten, scheitern. Und schon damals fragt man sich zu Recht: "What kind of creature is this God monster Mothra?" – oder anders gesagt – "Welches Kraut ist gegen Motten gewachsen?"
    Damals wie heute, im Film wie in der Realität: Motten plagen uns Menschen. Aber wie geht man am besten gegen die Störenfriede vor? Wie kommen Motten überhaupt in unsere Speisekammern und Kleiderschränke? Und müssen wir uns vor ihnen fürchten?

    Chemie oder langwierige Bekämpfung?

    Guido Trojan ist ein echter Mottenprofi. Er ist Schädlingsbekämpfer und wurde von einem IT-Unternehmen gerufen, das sich seit ein paar Wochen mit Kleidermotten herumschlägt. Dutzende – vielleicht Hunderte hellbraun-schimmernde Falter tummeln sich auf den tierischen Naturfasern des Flokatis. Trojans Einsatzstrategie steht schnell fest: "Es scheint sich hier um einen stärkeren Befall zu handeln. Da muss ich dann leider auch zu Chemie greifen."
    Trojan präpariert ein Sprühgerät, setzt eine Atemschutzmaske auf und spritzt das Insektenvernichtungsmittel direkt auf den Wollteppich. Nach wenigen Minuten schon ist sein Einsatz beendet. Der Raum, in dem der Teppich liegt, muss jetzt gut durchgelüftet werden. Denn die Stoffe sind gesundheitsschädlich.


    Wer das nicht will, muss auf eine langwierige Mottenbekämpfung setzen. Regelmäßiges Staubsaugen ist wichtig – auch unter Möbel und Stuhl- wie Tischbeinen. Und Öle können helfen: neben Lavendel- auch Niemöl. Dessen Inhaltsstoff Azadirachtin greift in den Hormonstoffwechsel der Motte ein – und verhindert deren Vermehrung. Allerdings braucht das Zeit. Die hat die Kundin nicht. Sie fragt allerdings noch, was den Mottenbefall verursacht haben könnte.
    "Es sind Wollteppiche und die Kleidermotten fliegen einfach durchs Fenster. Und ich habe hier im Büro ja auch drei Hunde gesehen. Die haaren natürlich auch sehr stark und alles, was vom Tier kommt – Haare – das ist für die Kleidermotten natürlich auch interessant", antwortet Trojan.
    Kleidermotten gelangen also unter anderem durchs Fenster in die Wohnung oder ins Büro. Baumwolle und synthetische Stoffe lassen sie links liegen. Sie bevorzugen tierische Textilien und legen ihre Eier. Die Larven, die bis zu einem Zentimeter groß werden, fressen sich dann satt am Kaschmirpullover, am Pelz, am Wollteppich – oder an den Haaren der Bürohunde.

    Gefährdete Lebensmittel einfrieren oder in Schraubgläser

    Einen anderen Weg zu uns nehmen Lebensmittelmotten, erklärt der Berliner Kammerjäger: "Der Kunde schleppt sich diese Lebensmittelmotten aus dem Supermarkt in sein Zuhause ein, lagert dann die Produkte in den Schränken. So ein paar Wochen wird das Produkt dann vergessen oder es bleibt einfach liegen und dann macht man irgendwann die Tür auf und dann kommen einem die Dörrobstmotten – das ist die häufigste Lebensmittelmottenart – entgegengeflogen. Und dann ist natürlich Alarm angesagt. Da muss man erst mal wirklich alles durchsuchen und kontrollieren."


    Eine weibliche Motte legt bis zu 300 Eiern, aus denen dann in kurzer Zeit neue Motten schlüpfen. Gruselig. Schnell werden es so ziemlich viele. Kontaminierte Lebensmittel sollte man sofort wegwerfen. Alle anderen gefährdeten Produkte – also etwa Getreide, Gewürze oder Nüsse – sollte man zunächst einfrieren, dann in Schraubgläser umfüllen und luftdicht verschließen. Plastikverpackungen sind für die winzigen Mottenlarven nämlich kein Hindernis.
    Mit ein bisschen Glück verhindert man so, dass eine neue Mottengeneration heranwächst. Normalerweise dauert das etwa vier bis zehn Wochen. Mindestens so lange sollte man den Befall mithilfe von speziellen Duftstofffallen überwachen. Und – auch wichtig – die Schränke mit dem Föhn nachbearbeiten. Denn Motteneier vertragen keine Hitze.
    Eine Dörrobstmotte sitzt auf einem Lebensmittel.
    Lebensmittelmotten wieder loszuwerden, kann Wochen dauern.© picture alliance / dpa / blickwinkel / F. Hecker

    Schlupfwespen sind natürliche Feinde

    Wird man die kleinen Tiere so nicht los, kann man sich entweder Hilfe beim Profi suchen – Mottenjäger wie Guido Trojan bekämpfen die Schädlinge dann allerdings mit einem Insektizid – oder man holt sich noch mehr Insekten ins Haus.
    "Wenn Sie hier mal schauen, sich mal konzentrieren, dann sehen Sie hier diese kleinen schwarzen Punkte", sagt Diplom-Biologe Matthias Schöller, während er auf eine scheinbar leere Plastiktüte zeigt. Erst bei genauem Hinsehen erkennt man die mikroskopisch-kleinen Tierchen – die natürlichen Gegenspielerinnen der Motte: Schlupfwespen.
    Es gibt die unterschiedlichsten Schlupfwespenarten, die die unterschiedlichsten Schädlinge parasitieren. Die Vertreterinnen dieser Art machen vorwiegend Jagd auf Lebensmittelmotten. Man setzt sie einfach im Vorratsschrank aus. Dort spüren sie die Motteneier auf und legen in ihnen ihre eigenen Eier ab. So können sich keine weiteren Mottenlarven entwickeln. Der Fortpflanzungszyklus ist unterbrochen.


    Auch die winzigen Schlupfwespen sterben nach einer Weile und hinterlassen nichts als ein bisschen Staub. Denn die sogenannten Trichogramma-Wespen werden gerade mal 0,3 Millimeter groß, wie Schöller sagt, "und die können auch nicht größer werden, weil diese Schlupfwespen entwickeln sich ja im Inneren des Motteneis. Das heißt, die können nicht größer werden wie so ein Mottenei."
    Schlupfwespe in Nahaufnahme.
    Schlupfwespen leben nicht lange, können in der Zeit aber in der Küche sehr effektiv sein.© picture alliance / dpa / blickwinkel / R. Guenter
    Matthias Schöller ist Geschäftsführer eines Unternehmens, das diverse Schlupfwespenarten und andere Nützlinge heranzüchtet, um sie als ökologische Alternative zu Insektiziden zu verkaufen: "Zum einen hat man keine gesundheitsschädlichen Rückstände in der Wohnung. Zum anderen ist es so, dass die Schlupfwespen über einen längeren Zeitraum die Lebensmittel oder Textilien vor Neubefall schützen. Das heißt: Selbst, wenn ein Schädling während des Bekämpfungszeitraums noch durchs Fenster fliegt, werden diese Schädlinge noch mit abgetötet."
    Spätestens nach ein paar Wochen ist man die Lebensmittel- oder Kleidermotten dann wieder los. Und das ganz ohne Chemie.

    Wie gefährlich sind Mottenraupen und Motteneier?

    Und übrigens – Angst muss man vor Motten nicht haben. Solange etwa der Lebensmittelbefall nicht zu stark ist und anfängt zu schimmeln, sind die Vorratsschädlinge selbst für den Menschen nicht gesundheitsschädlich, meint Matthias Schöller:
    "Das bedeutet, wenn man so eine Mottenraupe oder ein Mottenei isst, wird man nicht krank. Auch bei den Kleidermotten ist es so, dass sie nicht gesundheitsschädlich sind. Das bedeutet, wir haben hier eben einen Materialschaden. Aber der kann natürlich beträchtlich sein, weil gerade Dinge aus Schafswolle natürlich häufig einen hohen monetären Wert besitzen."
    So sind Lebensmittel- und Kleidermotten in den meisten Fällen dann doch in erster Linie nur Schädlinge für unsere Nerven und unser Portemonnaie.
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