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Tonart | Beitrag vom 09.04.2019

Inna De YardRüstige Reggae-Rentner

Von Carsten Beyer

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Drei Reggaemusiker von "Inna De Yard" im Studio von DLF Kultur (DLF Kultur / Carsten Beyer)
Inna De Yard im Studio von DLF Kultur: Die langen Rasta-Locken sind grau und strähnig geworden, die Gelenke nicht mehr ganz so geschmeidig wie damals. (DLF Kultur / Carsten Beyer)

Inna De Yard - so heißt ein spannendes Gipfeltreffen älterer Reggae-Legenden, das unweigerlich an das kubanische Pendant vom "Buena Vista Social Club" denken lässt. Auf dem Album "The Soul of Reggae" verneigen sich sieben Musiker vor ihrem eigenen Erbe.

Die 1970er Jahre waren die Hoch-Zeit des Roots-Reggae und Musiker wie Bob Marley und Peter Tosh waren seine Propheten. Auch Cedric Mython, Kiddus I und Winston McAnuff waren damals schon mit dabei. Die drei Musiker, die jetzt das Rückgrat von Inna de Yard bilden. Einer Band, die den Sound und den Spirit der guten alten Zeit noch einmal zum Leben erwecken will. 

Aufnahmen in einem alten Holzhaus 

Die langen Rasta-Locken sind grau und strähnig geworden, die Gelenke nicht mehr ganz so geschmeidig wie damals, aber die Stimmen sind noch frisch – und die Lust, mit den alten Kollegen noch mal eine Platte aufzunehmen ist auch noch da – in einem Holzhaus in den Hügeln oberhalb von Kingston. Ein bisschen altes Gerümpel wurde rausgeräumt, ein paar Instrumente rein. Sehr spartanisch, das Ganze, aber genau das macht für Kiddus I den Reiz aus.

"Dieser Ort war einfach etwas Besonderes – eben Inna de Yard. Draußen, mitten in der Natur. Ein Haus hoch oben in den Bergen. Die Hähne krähen, die Vögel singen, du siehst den Regenbogen am anderen Ende des Tals – manchmal gab es drei oder vier davon. Dazu ein frischer Wind vom Meer. Ich hätte mir keinen besseren Ort für die Aufnahmen vorstellen können."

Reggae-Erneuerer kochen nur mit Wasser

Winston McAnuff ist mit 72 Jahren der Jüngste des Trios. In den 1970ern hatte er unter dem Namen "Electric Dread" einige Hits, bis er in der Versenkung verschwand und erst vor einigen Jahren an der Seite des französischen Akkordeonisten Trixi wieder auftauchte – als Kuriosum auf Jazz- und Weltmusikfestivals. Jetzt mit Inna de Yard noch mal ein Rootsreggae–Album im alten Stil aufzunehmen, ist für McAnuff eine späte Genugtuung – und der Beweis, dass all die nachgeborenen Erneuerer des Reggae, die Dance Hall- Artists und Raggamuffin–Sänger, auch nur mit Wasser kochen.

"Da gibt es Leute, die wollen das Rad noch einmal erfinden, aber das Rad gibt es schon! Du kannst es natürlich noch mal neu erfinden oder du kannst ein Auto bauen mit eckigen Rädern. So ist das nun mal im Leben: Als der Reggae erfunden wurde, in den 70er Jahren, haben die Leute auch erstmal dagegen gekämpft. Jetzt versuchen sie etwas Neues daraus zu machen, aber es sind doch nur junge Zweige von einem alten Baum."

Mehr als ein nostalgischer Blick

Neben McAnuff, Kiddus I und Myton sind auch noch andere Altstars auf der Platte zu hören: Mr. Rocksteady Ken Boothe beispielsweise oder Judy Mowatt, ehemalige Backgroundsängerin der Wailers. "The Soul of Jamaica" – haben Inna de Yard das Album genannt, und dahinter steckt mehr als nur der nostalgische Blick zurück in die gute alte Zeit. Für Kiddus I, den Rebell von einst, ist dieses Album auch der Versuch, die Deutungshoheit über den Reggae zurückzugewinnen. 

"Der Dancehall von heute geht oft unter die Gürtellinie. Klar, es ist eine harte Welt, in der wir leben – aber muss man deswegen sexistisch sein oder frauenverachtend? Muss man Minderheiten beschimpfen? Als Rastafaris handeln wir nach unserem Herzen. Wir wollen die Menschen aufrichten, nicht niedermachen. Das ist wahrscheinlich der größte Unterschied zwischen uns und den Dancehall – Sängern. Wenn die Botschaft positiv ist, funktioniert auch der Song!"

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