"Inklusionisten" versus "Exklusionisten"

1,1 Millionen Beiträge finden sich in der deutschen Wikipedia. © AP
Von Philip Banse · 14.01.2011
Die Online-Enzyklopädie Wikipedia wird zehn Jahre alt und gehört heute zu den zehn populärsten Webseiten der Welt. Die deutsche Wikipeida allerdings wird seit Monaten von einer Auseinandersetzung beherrscht.
Schon im Jahre 2000 gründeten Internet-Unternehmer Jimmy Wales und Philosophie-Doktorand Larry Sanger eine Internet-Enzyklopädie. Doch die "Nupedia" hatte einen Chef-Redakteur, veröffentlicht wurde nur, was Autoritäten abnickten. Dann entdeckte Jimmy Wales die Wiki-Technik. Sie erlaubt es Lesern einer Webseite, diese auch zu verändern. Am 15. Januar 2001 ging dann die Wikipedia online.

Heute zählt das Online-Lexikon zu den zehn populärsten Webseiten der Welt und ist der Beweis, dass Tausende Menschen Großartiges schaffen können, wenn sie über das Netz zusammenarbeiten. Jeder kann Artikel schreiben, bearbeiten, ergänzen.

Die englische Wikipedia umfasst mittlerweile über 3,5 Millionen Artikel, die deutsche Ausgabe besteht aus über 1,1 Millionen Einträgen. Betrieben wird die Online-Enzyklopädie von der Wikimedia-Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung, die den Betrieb der Wikipedia ausschließlich durch Spenden finanziert und auf Werbung verzichtet.

Die Wikipedia ist aktueller als übliche Lexika und weiß mehr über alltägliche Stichworte als die traditionelle Konkurrenz. Mehrere Untersuchungen haben ergeben, dass die Wikipedia nicht mehr Fehler enthält als andere Lexika.

Die deutsche Wikipedia allerdings wird seit Monaten beherrscht von einem Streit zwischen "Inklusionisten" und "Exklusionisten": Die einen wollen möglichst alle Artikel veröffentlichen und auch abseitigen Themen einen Platz zu geben. Die anderen verlangen strenge und sehr umstrittene Nachweise, dass ein Thema relevant ist. Diesen Streit gibt es nur in Deutschland und viele glauben, er könnte die deutsche Wikipedia austrocknen lassen.