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Interview / Archiv | Beitrag vom 23.01.2019

Initiator über bedingungsloses Grundeinkommen"Der große Effekt kommt nicht vom Geld"

Michael Bohmeyer im Gespräch mit Julius Stucke

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Nackte Füße stehen vor blauem Himmel über eine Brüstung. (Unsplash / Chris Lawton)
Beim bedingungslosen Grundeinkommen geht es oft weniger ums Haben und mehr ums Sein, sagt Michael Bohmeyer. (Unsplash / Chris Lawton)

Der Verein "Mein Grundeinkommen" hat über Spenden für fast 300 Menschen ein Ein-Jahres-Grundeinkommen ermöglicht. Initiator Michael Bohmeyer berichtet, dass die Empfänger, über die das Los entscheidet, plötzlich besser schlafen können.

Das Experiment zum bedingungslosen Grundeinkommen zieht Bilanz: "Mein Grundeinkommen" läuft seit etwa vier Jahren. Der Verein sammelt Spenden und verlost sie. Jeder kann sich bewerben und wer gewinnt, bekommt ohne Bedingung ein Jahr lang monatlich 1000 Euro. Mehr als 120.000 Menschen haben das Geld über Crowdfunding gespendet – und damit bislang mehr als 270 Ein-Jahres-Grundeinkommen ermöglicht.

Michael Bohmeyer hat sich dieses Konzept ausgedacht und über die ersten Erfahrungen zusammen mit Claudia Cornelsen das Buch "Was würdest Du tun?: Wie uns das Bedingungslose Grundeinkommen verändert" geschrieben.

"Der große Effekt kommt nicht vom Geld, sondern die große Wirkung entfaltet die Bedingungslosigkeit, die muss nicht viel kosten, die muss nur politisch gewollt sein", sagt er.

"Alle berichten, dass sie besser schlafen"

Bohmeyer, Jahrgang 1984, hat ein erfolgreiches IT-Unternehmen aufgebaut und kann selbst von den Erträgen leben. Es sei vor allem das Zutrauen von einer Masse anonymer Spender, dass man mit dem Geld etwas Sinnvolles anfangen würde, was viele Empfänger weiterbringe, sagt er – und viele könnten auf einmal besser schlafen.

"Es ist spannend zu beobachten, dass die Leute das benutzen, um sich zu fragen: Was kann ich, was will ich. Die stellen ihren Job in Frage, ihre Ehe, ihr ganzes Dasein. Viele strampeln sich mal frei. Dann merken sie: Nur freistrampeln ist es nicht. Man muss die Freiheit auch aushalten. Es ist gar nicht so leicht, viel mehr Möglichkeiten zu haben, denn man hat doch nur ein Leben. Dann entwickeln sie neuen Tatendrang. Sie lernen, sich besser um sich selbst zu sorgen. Alle berichten, dass sie besser schlafen, egal ob sie vorher bewusste Existenzängste hatten oder nicht."

Wer will ich sein?

Manche unternehmen mit dem Geld eine Reise, andere machen sich selbstständig. Bohmeyer ist überzeugt, dass es am Ende um ganz grundsätzliche Fragen geht:

"Es geht gar nicht so viel ums Haben, sondern auch ein bisschen ums Sein im Leben. Das ist eine Erfahrung, die alle teilen, dass sie reflektierter und selbstbewusster werden und sich mehr fragen: Was ist das für eine Welt und wer will ich darin sein?"

Einen absoluten Grundeinkommensskeptiker werde sein Buch nicht überzeugen, sagt Bohmeyer:

"Aber ich möchte dazu einladen, neu auf die Dinge zu blicken. Bei uns geht's darum, dass wir echt ein Ding mit Geld am Laufen haben in dieser Gesellschaft. Da ist ganz viel Schuld, Scham, Angst, Neid. Wir haben einen komischen Blick auf Erwerbsarbeit, darauf, wie der Sozialstaat sein sollte. Und all diese Glaubenssätze, die dahinter stecken, die versuchen wir in diesem Buch liebevoll und selbstkritisch auseinanderzunehmen."  

Zwei Forschungsinstitute werden in Zukunft das Projekt seines Vereins begleiten und die gemachten Erfahrungen mit Zahlen und Fakten untermauern.

(cosa)

Michael Bohmeyer, Claudia Cornelsen: Was würdest Du tun? Wie uns das Bedingungslose Grundeinkommen verändert - Antworten aus der Praxis
Econ Verlag, 2019, 16 Euro

 

Interview

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